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Licht 6 | 2020

Mehr Tageslicht im Homeoffice

So fördern Arbeitnehmer ihre Gesundheit am Heimarbeitsplatz

Das Corona-Virus hat die Arbeitswelt kurzerhand auf den Kopf gestellt. Für viele Arbeitnehmer ist flexibles und mobiles Arbeiten plötzlich zur täglichen Praxis geworden. Damit die Gesundheit dabei nicht auf der Strecke bleibt, ist neben der Einrichtung eines geeigneten Arbeitsplatzes auch die Versorgung mit natürlichem Tageslicht ein wichtiger Faktor.

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Zwei Drittel der Deutschen befürworten es grundsätzlich, zumindest einen Teil ihrer Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Laut einer aktuellen Studie des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt) halten 68 Prozent Homeoffice in ihrem Job für möglich und wollen diese Praxis auch nach der Corona-Krise beibehalten. In einer Online-Umfrage des Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) zeigten sich Anfang April 2020 sogar über 80 Prozent der Befragten zufrieden im Homeoffice. Voraussetzung für das angenehme und gesunde Arbeiten zu Hause sind jedoch geeignete Bedingungen. Bestenfalls steht ein separates Zimmer mit Schreibtisch und Bürostuhl zur Verfügung. Aber auch ein provisorisch eingerichteter Arbeitsplatz kann sicher und gesund gestaltet werden. »Neben Bildschirmabstand und der richtigen Sitzhaltung spielt dabei das Licht eine entscheidende Rolle«, weiß Ulrich Koch, Referent für die Bereiche Tageslicht und Rauchschutz bei der Fachverband Tageslicht und Rauchschutz GmbH (FVLR).

Abb.: 68 Prozent – also mehr als zwei Drittel – aller Deutschen befürworten das Homeoffice. Andere Studien bestätigen diesen durch Corona beschleunigten Trend. Quelle: bidt bidt

Wirksamkeit des natürlichen Lichts

Der PC-Arbeitsplatz wird optimal so ausgerichtet, dass sich im Monitor keine Fenster oder Lichtquellen spiegeln oder der Blick ins Gegenlicht fällt. »Auf Tageslicht sollte deshalb aber keinesfalls verzichtet werden«, merkt Koch an. Die Beleuchtung mit natürlichem Tageslicht ist laut der Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 3.4) einer Beleuchtung mit ausschließlich künstlichem Licht sogar unbedingt vorzuziehen. »Künstliches Licht ist immer nur der Versuch, sich der Wirksamkeit von natürlichem Licht anzunähern«, erklärt der Tageslichtexperte. Natürliches Licht beeinflusst die Leistungsfähigkeit positiv, fördert die Konzentration und verbessert die Regeneration. Darüber hinaus wirkt sich natürliches Licht entscheidend auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen aus: Es synchronisiert die innere Uhr, verbessert die Schlafqualität und stärkt das Immunsystem. Auch Emotionen sind stark lichtabhängig; natürliches Tageslicht verbessert die Stimmungslage und beugt so Depressionen vor.

Abb.: Von einer guten Beleuchtung spricht man, wenn sie gewissen Qualitätsansprüchen – den sogenannten lichttechnischen Gütemerkmalen – gerecht wird. Quelle: FVLR FVLR

Im Tagesverlauf wechseln sowohl die Beleuchtungsstärke als auch die Lichtfarbe des Tageslichts. Kühlblaues Tageslicht am Morgen aktiviert und fördert die Konzentration. Warme Lichtfarben zum Abend ermöglichen die erforderliche Nachtruhe.

Arbeitspausen nutzen

Die Mindestanforderungen für den Arbeitsplatz sind erreicht, wenn ein Tageslichtquotient größer zwei Prozent und bei Dachoberlichtern größer vier Prozent erzielt wird. Das berücksichtigt reine Sehaufgaben und zahlt nicht auf die biologische Wirksamkeit des Tageslichts ein. »Lichtbänder oder Lichtkuppeln stellen bei entsprechender Planung und Ausführung eine ausreichende Tageslichtversorgung am Arbeitsplatz sicher, stehen aber im Homeoffice nicht zur Verfügung«, warnt Koch. Deshalb rät er Arbeitnehmern, ihre Arbeitspausen zu nutzen, um draußen Tageslicht zu genießen. Chronobiologen empfehlen täglich mindestens eine halbe Stunde im Freien. Selbst bei bedecktem Himmel und bei nicht sichtbarer Sonne ist die Außenbeleuchtungsstärke um ein vielfaches höher als im Innenraum.

Tageslicht steht mit über 100.000 Lux im Sommer zu Verfügung. Selbst an Tagen mit bedecktem Himmel stehen in der Regel mehr als 5.000 Lux zu Verfügung.

Weitere Informationen:

Fachverband Tageslicht und Rauchschutz e. V., Detmold, www.fvlr.de

Text: FVLR

Abbildungen: FVLR, bidt

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 6 | 2020

Erschienen am 25. August 2020