Planung
Licht 1 | 2022

Mehr Sicherheit durch Licht

Der Klenzepark in Ingolstadt wird sicherer

Der bei den Ingolstädtern beliebte Klenzepark verkam nachts immer mehr zu einem Bereich, um den man lieber einen großen Bogen machen wollte. Die seit Sommer 2021 deutlich gestiegene Zahl an Gewalttaten machte das Areal nach Einbruch der Dunkelheit unsicherer und erschwerte zusätzlich die Arbeit der Polizei. Eine neue Beleuchtung demonstriert nun, wie Licht solche Bereiche nachts sicherer gestalten kann, ohne die Umwelt stark zu beeinträchtigen.

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Abb.: Der tagsüber gerne genutzte Klenzepark erhält nun auch nach Einbruch der Dunkelheit ein optisch ansprechendes Lichtbild, das zusätzlich für mehr Sicherheit sorgt. Hans Lichtl

So manche Parks und Grünbereiche verwandeln ihr Gesicht, sobald es dunkel wird. Tagsüber sind sie beliebte Treffpunkte für Familien und Erholungssuchende, nachts Orte, an denen sich keiner gerne aufhalten möchte. Auch der Klenzepark in Ingolstadt teilte dieses Schicksal. Tagsüber zum Picknicken, Spielen oder für Spaziergänge genutzt, registrierte man nachts einen deutlichen Anstieg an Gewalttaten, Diebstählen und Müll. Nicht zuletzt erschwerten sogenannte Corona-Partys die Arbeit der Sicherheitskräfte massiv.

Dem Treiben wollten Stadt und Polizei nicht länger zusehen. In einem Sicherheitsgespräch wurden Maßnahmen diskutiert, wie die Situation verbessert werden kann. Obwohl gleichzeitig betont wurde, dass Ingolstadt eine liberale Großstadt sei und man viel Verständnis für junge Menschen während des Corona-Lockdowns zeige, werde man es aber nicht akzeptieren, dass sich der Klenzepark zum Brennpunkt für Straftaten, Vandalismus und Randale entwickelt. »Die Menschen müssen sich im Klenzepark sicher fühlen können«, wird Oberbürgermeister Christian Scharpf in der gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Stadt zitiert. Neben mehr Polizeipräsenz wurden daher auch Maßnahmen einer Parkbeleuchtung in Erwägung gezogen. Die Präsenz zeigte Erfolg und als zusätzlichen Sicherheitsaspekt sollte die bislang kaum ausgeleuchtete Infanteriemauer, ein beliebter Treffpunkt von Jugendgruppen, beleuchtet werden. Im Auftrag der Stadt stellten die Stadtwerke insgesamt 17 Leuchtstelen auf, um Mauer und Spazierweg zu beleuchten.

Abb.: Die bislang kaum ausgeleuchtete Infanteriemauer stand im Fokus der Planung. Insgesamt 17 Leuchtstelen erhellen nun Mauer und Spazierweg. Hans Lichtl
Abb.: Eine blendfreie Flächenoptik auf der Vorderseite beleuchtet die Wege mit warmweißen 2700 K. Die Mauer wird mit 2300 K über das Licht aus der Rückseite der Stele illuminiert. Hans Lichtl

Lichtsystem mit neuester Technik

Für die Stadt entwickelte HL Lichttechnik ein eigenes Leuchtensystem aus dem Leuchtenprogramm des Herstellers ewo (»EWO EL 1500«). Bei einer Vorbemusterung wurde die Fassadenmauer mit einer blendfreien Flächenoptik bemustert sowie die Helligkeit und passende Lichtfarbe mit 2300 K festgelegt. Damit über die Höhe der Mauer in Verbindung mit dem Abstand der Leuchte keine Lichtverschmutzung erzeugt wird und das Licht homogener wirkt, setzten die Planer eine blendfreie Flächenoptik auf der Rückseite der Leuchte ein. Zugleich dient auf der Vorderseite eine blendfreie Flächenoptik mit einer Gehwegverteilung in 2700 K, damit die Wegeführung homogen und sicher ausgeleuchtet wird. Diese Optik sorgt zum einen für die exakte Beleuchtung des Weges und erfüllt zugleich die Vorgabe der Gesichtserkennung bei Personen, die sich in der Nähe aufhalten. Dies gibt den Passanten ein verstärktes Sicherheitsgefühl, da man nun erkennt, wer einem entgegenkommt. Für die Beleuchtung der Mauer und des Weges wurde die neueste Technik »Light Tile« von ewo eingesetzt. Diese Technik hat serienmäßig Tuneable White und lässt sich jederzeit von 2200 bis 6500 K stufenlos verändern, auch die Helligkeit lässt sich nach Bedarf anpassen. Mit einem speziellen Steuergerät können Lichtfarbe und Lichtleistung verändert werden. Die LED-Punkte sind nicht sichtbar und die Blendwirkung ist reduziert, was zu einem hohen visuellen Komfort führt.

Abb.: Die Leuchten wurden mit einer neu entwickelten Antiposter- und Antigraffiti-Beschichtung behandelt. Der LED-Bereich durch schlagfestes Glas in IK 10 geschützt. Hans Lichtl
Abb.: Die neuen Lichtstelen fügen sich auch tagsüber unauffällig in das Gesamtbild des Parks ein. Mit einem speziellen Steuergerät können Lichtfarbe und Lichtleistung jederzeit verändert werden. Hans Lichtl

Licht mit Schockfunktion

Auf Wunsch der Polizei wurde eine weitere Lichteinheit mit tiefstrahlenden Linsen im vorderen Bereich der Leuchte eingesetzt, um bei Gefahrensituationen eine Art »Schockbeleuchtung« durch die Polizei einschalten zu können. Diese Technik ermöglicht eine schnelle Lichtdurchflutung im angrenzenden Bereich des Klenzeparks und läuft in enger Abstimmung mit der Schaltzentrale der Stadtwerke Ingolstadt. In der Regel wird bei Schockbeleuchtungen eine kaltweiße Lichtfarbe eingesetzt. Im Sinne des Umwelt- und Immissionsschutzes hat man sich hier aber für die Lichtfarbe 3000 K entschieden und hofft, dass diese Schaltung nur selten benötigt wird. Für die Polizeischaltung wählte man aus der A-Serie von ewo das Modell »AH02«. Damit die Ingolstädter mit den neuen Leuchten lange ihre Freude haben, wurde das gesamte System mit einer neu entwickelten Antiposter- und Antigraffiti-Beschichtung behandelt, da der Vandalismus in dem Bereich als sehr hoch eingestuft wird. Sollte jemand versuchen, die Leuchten mit einer Spraydose zu beschädigen, so kann sich die Farbe nicht mit der Leuchtenlackierung verbinden. Mit speziellen Lösungsmitteln kann die unerwünschte Farbe von der Stadt wieder entfernt werden. Für die Glasscheiben, die die LEDs abdecken, wurde ein schlagfestes Glas in IK 10 benutzt.

»Die Leuchtstelen fügen sich städtebaulich und optisch ansprechend ins Umfeld ein. Das System vereint Sicherheits-, Gehweg- und Effektbeleuchtung unter Berücksichtigung des Umweltschutzes, der Nachhaltigkeit und möglichst geringer Lichtverschmutzung«, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Ingolstadt. Die optisch ansprechende und nahezu unauffällige Beleuchtung wird auch dem Denkmalschutz gerecht. »Licht nimmt die Angst und sorgt für Sicherheit. Das ist ein wichtiger Beitrag, damit sich die Bürgerinnen und Bürger im Klenzepark künftig noch sicherer fühlen können«, so Polizei-Chef Peter Heigl. »Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, die angespannte Situation im Klenzepark besser in den Griff zu bekommen. Das ist das Resultat einer sehr guten Zusammenarbeit von Stadt und Polizei, für die ich mich herzlich bedanken möchte. Mit der Installation der neuen Beleuchtung verbessert sich zudem in den Wintermonaten auch in den Morgen- und Abendstunden das Sicherheitsgefühl an der bislang dunklen Infanteriemauer«, erklärt Oberbürgermeister Christian Scharpf.

Abb.: Die warmweiße Lichtfarbe mit 2700 K ist insektenfreundlich und selbst die Schockbeleuchtung für die Polizei – üblich in kaltweißer Lichtfarbe – besitzt 3000 K. Hans Lichtl
Abb.: Für die Beleuchtung von Mauer und Weg wurde die neueste Technik »Light Tile« von ewo eingesetzt. Diese hat serienmäßig Tuneable White und lässt sich von 2200 bis 6500 K stufenlos verändern. Hans Lichtl

Weitere Informationen:

Ausführungszeitraum: 2021

Auftraggeber: Stadt Ingolstadt, Stadtwerke Ingolstadt

Lichttechnische Planung und Umsetzung: HL Lichttechnik, Ruhpolding, www.hl-lichttechnik.eu

Leuchtenhersteller: ewo, Bozen (I), www.ewo.com

Fotos: Hans Lichtl

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2022

Erschienen am 25. Februar 2022