Technik
Licht 7 | 2019

Markteintritt mit Hindernissen

Saudi-Arabien fordert Energie-Label mit 2.000 Stunden Dauertest

Der internationale Markt für Beleuchtungsprodukte wird komplizierter für die Hersteller. Nachdem bereits China und Russland Produkttests als Hürde nutzen, fordert jetzt Saudi-Arabien neben CB-Zertifikaten ein Energie-Label für Beleuchtungsprodukte, das eine zweijährige Gültigkeit hat. Externe Prüflabore wie UL können helfen, diese Hürden im Rahmen einer entsprechenden Vorausplanung zu bewältigen.

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Spezielles Zertifikat erforderlich

Die UL- und IEC-Normen für Beleuchtungsprodukte erleichtern den internationalen Marktzugang. Viele Länder nutzen die Selbstdeklaration, wie beispielsweise in der Europäischen Union mit dem CE-Kennzeichen. Doch einige Staaten weichen davon ab und haben die Hürden höher gelegt. Ein aktuelles und für die Hersteller herausforderndes Beispiel ist Saudi-Arabien.

Das Land besteht auf eine Konformitätserklärung, dem sogenannten SASO IECEE (IEC standards for electrotechnical devices and components) Recognition Certificate. Es wird von der Standardisierungsbehörde von Saudi-Arabien, der Saudi Standards, Metrology and Quality Organization (SASO) ausgestellt, sofern die Anforderungen an Energieeffizienz und Sicherheit erfüllt sind. Für die Erteilung des Energie-Labels ist unter anderem ein Dauertest von 2.000 Stunden erforderlich – was knapp 84 Tagen entspricht. Die SASO legt damit die Hürde für den Markteintritt recht hoch.

Selbst unter der Voraussetzung, dass sämtliche damit verbundene Prozesse in den saudi-arabischen Behörden mit Höchstgeschwindigkeit laufen, sollten Hersteller also mindestens mit einer Verzögerung von drei Monaten zwischen Antrag und Genehmigung rechnen. Da die Regelung erst Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, gibt es im Moment nur wenig Erfahrung damit. Die nächsten Monate werden zeigen, wie schnell ein solches Genehmigungsverfahren in der Praxis abgewickelt wird.

Marco Antinori
Marco Antinori
Marco Antinori

Hürden vor dem Markteintritt in Saudi-Arabien

Im Einzelfall entstehen dadurch für Unternehmen echte Schwierigkeiten. Zumindest bei Massenprodukten wie Retrofit-LED-Lampen mit gängigen Sockeln (wie z.B. G13) ist eine mehrmonatige Prüfphase noch halbwegs planbar. Doch vor allem das Projektgeschäft steht vor erheblichen Schwierigkeiten. Dies betrifft Bauvorhaben oder Projekte in der Architektur, für die spezielle, bisher noch nicht von der SASO zertifizierte Beleuchtungsprodukte vorgesehen sind. In diesem Fall muss der Hersteller zunächst die gesamte Prozedur auf sich nehmen – eine tatsache, die der Bau-Generalunternehmer vorher in seine Projektplanung einfließen lassen sollte.

Natürlich ist der Langzeittest einer Lichtquelle keine schwierige Aufgabe, doch haben Prüflabore in der Regel Kapazitätsgrenzen. Zumal die Prüfpflicht für alle Lichtquellen mit jeder gängigen Technologie ab einem Lichtstrom von 60 lm gilt. Dies wird in der Praxis dazu führen, dass Unternehmen mit Interesse am saudi-arabischen Markt ihre gesamte Produktpalette durchtesten müssen oder aber zumindest ein Exportproduktportfolio definieren sollten.

Leider hat die SASO eine weitere Hürde aufgebaut: Zertifizierung und Test müssen regelmäßig wiederholt werden. Das Energielabel hat eine Gültigkeit von einem Jahr, dann müssen sämtliche Produktunterlagen inklusive der Testergebnisse noch einmal vorgelegt werden. Die eigentlichen Tests im Prüflabor müssen alle zwei Jahre erneut durchgeführt werden. Hierdurch wird der Marktzugang in Saudi-Arabien für die Hersteller zum Dauerthema, da nun eine dreimonatige Testphase alle zwei Jahre in die Produktzyklen eingeplant werden muss.

Marco Antinori
Marco Antinori

Geplantes Handeln sinnvoll

Der Marktzugang nach Saudi-Arabien erfordert wegen des ungewöhnlich langen Zeithorizonts ein geplantes und mehrstufiges Vorgehen von den Herstellern.

Zunächst ist die Beantragung eines saudischen Energieeffizienz (EE)-Zertifikats und -Labels notwendig. Das Label wird nur erteilt, wenn die Angaben in den Antragsunterlagen durch die Prüfungen bei einer registrierten Prüfstelle (Certification Body, CB) nachgewiesen werden (diese Tests beinhalten den oben beschriebenen Langzeittest mit 2.000 Stunden).

Anschließend kann man sich der Sicherheitsüberprüfung zuwenden. Hier sind ein gültiges CB-Prüfzertifikat und ein CB-Prüfbericht erforderlich. Dieses bescheinigt die Konformität des Produktes mit den gängigen Normen der IEC für elektrotechnische Geräte und Komponenten (IECEE), wobei auch die nationalen Unterschiede von Saudi-Arabien berücksichtigt werden.

Auf Basis dieser Unterlagen (EE + CB) stellt die SASO dann das IECEE Recognition Certificate aus. Dieser Prozess gilt bereits seit dem letzten Jahr für unterschiedliche Elektronikgeräte und seit dem 1. Februar 2019 für Leuchten und Lampen.

Nun prüft die saudische Behörde und kann durchaus auch Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge äußern. Die Hersteller sollten sich also nicht darauf verlassen, dass der Antrag glatt durchläuft.

Diese recht aufwändige Vorgehensweise zeigt, dass der Prozess im Vergleich zu den Regularien für andere Staaten sehr aufwendig ist. Solche Besonderheiten machen für die Hersteller den Überblick über die regulativen Rahmenbedingungen auf dem weltweiten Markt nicht leichter. Ein Produkt muss zahlreiche unterschiedliche Regeln, Vorschriften und Anforderungen erfüllen sowie unterschiedliche Nachweise zur Produktkonformität mit sich führen.

Hersteller sollten jetzt handeln und Zertifikate beantragen

Die Beleuchtungsindustrie ist also gut beraten, ihre Produkte oder das angedachte Exportsortiment für Saudi Arabien durch einen externen Experten qualifizieren zu lassen. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen und Sonderfälle, bei denen der Nachweis der Energieeffizienz entfallen kann (wie zum Beispiel Infrarot-Wärmelampen und andere) aber auch hierbei können Spezialisten von UL beratend unterstützen.

Kurzfristig ist eine Produktqualifizierung wegen der langen Testphase nicht möglich. Die Unternehmen haben andernfalls ein hohes Risiko, ihre saudi-arabischen Geschäftspartner zu verlieren oder den Markteintritt nicht zu schaffen, denn final ist noch die Registrierung der Produkte im Onlinesystem SABER in Saudi Arabien erforderlich. Auch hier kann UL behilflich sein. Mit dem dann vorliegenden SASO Shipment Certificate sollte die Produkteinfuhr am Zoll reibungslos klappen.

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Licht 7 | 2019

Erschienen am 01. Juli 2019