Technik
Licht 6 | 2020

Location Based Services

Endlose Möglichkeiten, endlich in Reichweite

Location Based Services bieten enormen Mehrwert. Und lassen sich in Zukunft so schnell und einfach umsetzen wie noch nie. Der clevere Ansatz: das Beleuchtungsnetzwerk als IoT-Infrastruktur nutzen.

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Abb.: Licht als Treiber der Digitalisierung: In Amersfoort wird das das Beleuchtungsnetzwerk als Infrastruktur für Location Based Services genutzt. Trilux

Ob in der Logistik zur Verringerung von Suchzeiten, im Einzelhandel durch standortbezogene Angebote oder zur Orientierung und Navigation innerhalb von Gebäuden – theoretisch bieten Location Based Services nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, um Daten zu erheben, Prozesse zu optimieren und neue Geschäfts- und Vertriebsmodelle zu entwickeln. Damit Anwender die Potenziale der Location Based Services in der Praxis schnell und einfach erschließen können, haben sich jetzt zwei Spezialisten zusammengetan. Favendo als Experte für Indoor Navigation, Asset Tracking sowie Proximity Marketing und Trilux als deutscher Marktführer für technisches Licht. Der clevere Ansatzpunkt: die Nutzung des Beleuchtungsnetzwerks als Infrastruktur für IoT-Anwendungen wie Location Based Services. Trilux-Leuchten lassen sich über das Lichtmanagementsystem »LiveLink« schnell und einfach vernetzen und liefern die zum Betrieb der Beacons erforderliche Stromversorgung. Zudem besitzen die Leuchten einen IoT-Harbour, der sich flexibel mit Beacons bestücken lässt. Trilux stellt damit die vernetzte Hardwarestruktur mit Cloud-Anbindung und standardisierter IoT-Schnittstelle bereit. Favendo ist als Spezialist für die Programmierung und Installation sowie für den Betrieb der Beacons und die Softwareinfrastruktur verantwortlich. Durch die perfekt aufeinander abgestimmten Services schaffen Trilux und Favendo optimale Rahmenbedingungen zur schnellen Umsetzung von Location Based Services. Quer über alle Branchen und Applikationen. »Um dem Markt zu beweisen, wie schnell und einfach eine Umrüstung geht, haben wir an unserem Standort in Amersfoort das ganze Spektrum an Location Based Services umgesetzt«, berichtet Thorsten Cramer, General Manager BU Lighting Solutions & Services bei Trilux. Mehr als 50 Beacons wurden nachträglich in das vorhandene Beleuchtungsnetzwerk integriert – und die bestehende »World of TRILUX App« um die entsprechenden Funktionen erweitert.

Das Prinzip Leuchtturm

Die vier gängigsten Location Based Services sind Asset Tracking, Proximity Marketing, Heat-Mapping und Indoor Navigation. Trotz aller Unterschiede basieren alle diese Anwendungen auf demselben Grundprinzip: der Interaktion zwischen einem Sender und Empfänger mit geringer Reichweite. Der Sender ist in der Regel ein »Beacon« (englisch für Leuchtfeuer), der analog zu einem Leuchtturm kontinuierlich ein Bluetooth-Signal im Low Energy Bereich aussendet. Die Reichweite beträgt bis zu 50 Meter. Üblicherweise wird das Signal von einem bluetooth-fähigen Smartphone empfangen, an eine Handy-App übergeben und kann dort – je nach Programmierung und Berechtigungen – eine große Bandbreite an anwendungs- und zielgruppenspezifischen Aktionen auslösen. Eine eigene App müssen Unternehmen dazu in der Regel nicht programmieren: Sie können ein Software Development Kit (SDK) in ihre bestehende App integrieren. Je nachdem, wie die Nachrichten auf dem Handy ausgespielt werden, unterscheidet man zwischen Push-Nachrichten, die direkt auf dem Home-Screen erscheinen, und In-App-Advertising, bei dem der Content deutlich diskreter im Werbebereich einer App angezeigt wird.

Wachstum für den Warenkorb

Einer der verbreitetsten Location Based Services ist das Proximity Marketing. Dabei erhalten die Nutzer ortsbezogene Informationen, bspw. standortkorrelierte Sonderangebote oder Rabatte, Willkommensnachrichten oder touristische Informationen. Im Retail gewinnt das Proximity Marketing als Teil eines Multi-Channel-Marketings immer mehr an Bedeutung. Aus gutem Grund: Laut aktueller Comarch Studie zur »Zukunft des Einkaufens« wünscht sich mehr als die Hälfte der über 30.000 Studienteilnehmer personalisierte Echtzeitangebote während ihres Einkaufs im Geschäft. »Experten schätzen, dass Proximity Marketing den Wert des Warenkorbs um rund zehn Prozent steigern und die Kundenloyalität erhöhen kann«, weiß Thomas Meyer, Unternehmenssprecher von Favendo. Entsprechend hoch ist das Interesse im Retail. In Großbritannien hat Favendo unter anderem 20 Hammerson Einkaufszentren mit Beacons ausgerüstet. Ladenbesitzer haben über das in die eigene App integrierte Software Development Kit (SDK) die Möglichkeit, Passanten, die sich in der Nähe ihres Geschäfts befinden, per Proximity Marketing auf dem Handy zu erreichen – und sie über Rabatte oder Sonderaktionen in den Laden zu lenken. In Amersfoort nutzt Trilux Proximity Marketing unter anderem zur Verbesserung der internen Kommunikation. »Mitarbeiter erhalten zeit- oder ortsbasierte Nachrichten, etwa über Kundenbesuch im Haus oder anstehende Serverarbeiten«, fasst Thorsten Cramer zusammen.

Abb.: Am Trilux Standort im niederländischen Amersfoort sind die Location Based Services jetzt schon erlebbar. Trilux

Damit drinnen alles nach Plan läuft

Indoor Navigation eignet sich – anders als GPS – zur genauen Positionsbestimmung und Navigation innerhalb von geschlossenen Gebäuden. Dazu nutzt die Navigations-App einen digitalen Gebäudegrundriss, in dem die genaue Position jedes einzelnen Beacons eingezeichnet ist. Dieser sendet zur Identifikation einen eindeutigen digitalen Fingerabdruck aus – die UUID (Universally Unique Identifier), eine in der Softwareentwicklung übliche Standardkennung. Anhand der UUID erkennt die App, von welchem Beacon auf dem Gebäudegrundriss das Signal stammt, und weiß damit auch, wo sich der User befindet. Weil die Standortbestimmung über einen einzigen Beacon relativ ungenau ist – der Nutzer kann sich theoretisch überall im kreisförmigen Sendebereich befinden – werden die Signale mehrerer Beacons gleichzeitig verarbeitet. Anhand der unterschiedlichen Signalstärken der Beacons lässt sich der Standort per Triangulation (Multilateration, MLAT) auf bis zu drei Meter genau errechnen. Über den Grundriss kann die App den Nutzer zu jedem beliebigen Ziel innerhalb des Navigationsbereiches leiten. Genutzt wird Indoor Navigation z. B. am Frankfurter Flughafen – und zwar in Kombination mit Proximity Marketing. Reisende erhalten über die Flughafen-App standortbezogene Informationen zu ihrem Flug und werden per Indoor Navigation bequem zu ihrem Gate geleitet. Trilux in Amersfoort geht noch einen Schritt weiter: Hat ein Mitarbeiter seinen Standort in der Trilux App freigegeben, können ihn die Kollegen per Indoor Navigation überall im Gebäude finden.

Schnell finden, statt lange suchen

Die Suche nach verschollenen Waren, Geräten oder anderen Gütern auf dem Betriebsgelände ist nicht nur ärgerlich – sondern auch ein relevanter betriebswirtschaftlicher Faktor mit hohem Einsparpotenzial. Mit Asset Tracking können Unternehmen die genaue Position von Gegenständen innerhalb des Gebäudes verfolgen und so deutlich schneller finden. Entsprechend positiv die Zukunftsprognose: Laut Marktforschungsunternehmen Gartner Incorporated wird der Anteil an Unternehmen, die Indoor Location Asset Tracking nutzen, bis 2022 von derzeit 10 Prozent auf 66 Prozent steigen. Vom technischen Aufbau unterscheidet sich Asset Tracking von anderen Location Based Services. Der größte Unterschied: Die Beacons sind nicht fest im Gebäude installiert, sondern an den beweglichen Assets angebracht. Deshalb ist zur Stromversorgung in der Regel eine Batterie erforderlich. Die Signale werden beim Asset Tracking von fest installierten Beacon-Controllern aufgefangen. Sie können genau wie die Beacons einfach und platzsparend in Trilux Leuchten integriert werden. Der Rest funktioniert analog zur Indoor Navigation. Darüber hinaus wird eine entsprechend programmierte App sogar erfassen, ob und wie lange der Gegenstand ruht oder bewegt wird. Das ermöglicht eine bedarfsorientierte Wartung statt starrer Wartungszyklen. Am Trilux Standort in Amersfoort wurden ein transportabler Beamer sowie weitere Office-Arbeitsmittel zu Demonstrationszwecken in das Asset-Tracking eingebunden. Ist der Beamer nicht an dem vorgeschriebenen Platz, zeigt die App sofort, wo er zu finden ist.

Beutezug im Datenmeer

Über Location Based Services lassen sich unzählige interessante Daten generieren, bspw. zu den Laufwegen oder Aufenthaltsdauern in bestimmten Gebäudebereichen. Data Visualization macht diese Informationen auf einen Blick zugänglich – und bietet Unternehmen so die Datengrundlage zur Optimierung verschiedener Prozesse. Eine gängige Data Visualization ist das Heat-Mapping. Dabei werden die Aufenthaltsdauern und -häufigkeiten der Nutzer grafisch anschaulich auf dem Gebäudegrundriss dargestellt. Heat-Maps lassen sich z. B. nutzen, um die Laufwege im Supermarkt zu optimieren oder die Wirksamkeit einer Werbemaßnahme über die Verweildauer auf der Aktionsfläche zu ermitteln. Quer über alle Branchen wird Heat-Mapping u. a. eingesetzt, um die Reinigungszyklen an den realen Bedarf anzupassen. In Bereichen mit viel Publikumsverkehr wird früher bzw. gründlicher geputzt, während die wenig frequentierten Zonen seltener aufgesucht werden müssen. Das verbessert das Reinigungsergebnis und senkt Aufwand und Kosten. Bei Trilux in Amersfoort wird die Auslastung der Schreibtische in den Büros mit wechselnden Arbeitsplätzen per Heat-Map visualisiert. So lässt sich die Raumeinrichtung und -nutzung optimieren.

Weitere Informationen:

Quelle und Fotos: Trilux, www.trilux.de

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Licht 6 | 2020

Erschienen am 25. August 2020