Magazin
Licht 2 I 2020

Lichtschein im Olivenhain

6. Internationaler Lighting Design Workshop »Rethink the Night!«

Bereits zum sechsten Mal fand der internationale Lighting Design Workshop »Rethink the Night!« statt. Die Küste und Gegend von Volos in Griechenland, bot den perfekten Rahmen für die Licht- und Soundprojektionen der Künstler. Im Mittelpunkt der Arbeiten standen die Landschaft und die an der Küste wachsenden alten Olivenbäume.

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Abb.: Im Projekt »Tree of Life«, geleitet von Medienkünstler Christoph Drews, wählte man einen markanten Olivenbaum als Projektionsfläche, der dadurch sein dominierendes Wurzelwerk und den knorrigen Stamm zur Geltung bringt. Jordanis Kyrenidis

Der internationale Lighting Design Workshop, der in den letzten sechs Jahren, getreu dem Motto »Überdenke die Nacht! – Rethink the Night!« in Griechenland stattfand, wurde im vergangenen Oktober an der Küste von Volos veranstaltet. Diesmal wurde der Workshop von zwei neuen akademischen Partnern, der Zürcher Hochschule der Künste und dem Lighting Design Masterkurs der University of Technology Sydney – UTS unterstützt. Sowohl die neuen als auch die seit längerem, dem Workshop treu gebliebenen akademischen Partner waren unter den Teilnehmern vertreten. Die Hochschule Wismar und die UTS haben sich auch mit inspirativen Vorträgen ihrer Lehrkräfte, Prof. Thomas Römhild, Leiter des Lighting Design Masterstudiengangs in Wismar, und der Dozenten des Lighting Design Masterstudienganges an der UTS, Emrah Baki Ulas und Michael Day, an dem Workshop beteiligt.

Der Workshop, der sich von der massenkompatiblen, utilitaristisch orientierten Ausbildung, durch die kognitiv-linguistische Herangehensweise markant unterscheidet und sich als ein, dem klassischen Bildungsideal des Neuhumanismus naheliegendes Einsatzmittel für Übung in visueller Semantik und Entzifferung eines Nachtambientes anbietet, ergab drei einschlägige Erlebnisfelder. Diese widmeten sich, wie bereits in allen vorangegangenen Jahren, dem »Beseelen« entsprechender nachtfreundlicher Lichttechnologien; der Phosphoreszenz gestützten Lichtgestaltung, der zu beleuchteten Objektfläche deckungsgleichen Projektionen und der kreativen multisensorischen Lichtdynamik.

Abb.: Momentaufnahme der dynamischen Licht-Ton-Installation des nächtlichen Olivenhaines. Im Projekt »Whispers of Olive Trees« von Lichtarchitektin Iva Vassileva wurden die Olivenbäume zum Leben erweckt. Jordanis Kyrenidis

Zum ersten Mal war der Ort der Lichtexperimente des multikulturellen Teilnehmerteams aus Europa, Asien und Australien eine Landschaft mit Olivenbäumen an der Küste von Volos und nicht Kulturdenkmäler, wie in allen vorherigen Workshops seit 2014. Stattdessen war diesmal der Zusammenhang der Meeresmuschel als »Ölempfänger« der ersten griechischen Öllampe mit den an der Küste wachsenden alten Olivenbäumen das immaterielle Kulturerbe und der Genius Loci, an dem sich die Teilnehmer aufgehalten haben.

Im Projekt der kreativen Lichtdynamik unter dem Titel »Whispers of Olive Trees«, geleitet von der Lichtarchitektin Iva Vassileva, wurden die Olivenbäume der Landschaft zum Leben erweckt, um Geschichten von wandernden Lebewesen zu erzählen, die Zuflucht in der Natur suchen. Im Rhythmus des Musikstücks »Refuges« von René Aubry enthüllen sich allmählich einzelne Olivenbäume, die mithilfe geeignet gerichteter Lichtstrahlenbündel menschliche Gesichtszüge annehmen. In dem detailliert ausgearbeiteten Synästhesieprojekt setzen millisekundengenau aufeinander abgestimmte Licht- und Musikeffekte die einzelnen Charaktere in Dialog, um letztendlich diese zu einer stimmigen Gesamtheit unter dem Mondlicht verschmelzen zu lassen.

Abb.: Im Projekt »Faerie Fire« der Künstlerin Sophia Papacosta nehmen phosphoreszierende Elemente die Besucher mit auf einen leuchtenden Pfad. Jordanis Kyrenidis

Im Projekt »Tree of Life«, geleitet von Medienkünstler Christoph Drews, der seit dem ersten Workshop in 2014 den Teilnehmern des Workshops die Grundlagen des Videomappings beibringt, wurde zum ersten Mal auf die ursprünglich ausgewählte Fassade verzichtet und ein markanter Olivenbaum als Projektionsfläche gewählt. Hierdurch kamen sein dominierendes Wurzelwerk und der knorrige Stamm voll zur Geltung. Der Baum bot ausreichend Fläche, um sich dem genau ausgerichteten Licht anzunehmen. Auch für die Baumkrone wurde im kreativen Prozess des Workshops eine »nacht-haltige« Lösung erdacht. Zur finalen Präsentation ergaben alle drei Teile des Baumes ein erzählerisches Gesamtbild über die Wege des Wassers durch den Baum zu den einzelnen Oliven.

Im Projekt der von Phosphoreszenz gestützter Lichtgestaltung unter dem Titel »Faerie Fire«, geleitet von der bildenden Künstlerin Sophia Papacosta, geht es um eine Einladung zu einer dunklen Landschaft, in der die vorherrschenden kreativ geformten phosphoreszierenden Elemente mit deren Anordnung einen Raum definieren und das Interesse zu seiner Erforschung wecken. Die Intensität des Erlebnisses der Besucher wächst entlang des Verlaufes eines steigend leuchtenden Pfades mit der allmählich wachsenden Dichte der sich zunehmend anhäufenden phosphoreszierenden Elemente und wird von einer hierfür improvisierten Klangkomposition begleitet.

Der nächste 7. Workshop wird vom 5. bis 9. Oktober 2020 im Randgebiet von Athen, in der Nähe des Flughafens stattfinden, wo sich die Melissourgos Burg befindet, die als Veranstaltungsort gewählt wurde.

Abb.: V.l.n.r.: Dr.-Ing. Georg Paissidis, Initiator des Lighting Design Workshops, Prof. Thomas Römhild, Leiter Lighting Design Masterstudiengang Wismar, Emrah Baki Ulas, Dozent Lighting Design Masterstudiengang UT Sydney, Sophia Papacosta, Künstlerin. Jordanis Kyrenidis

Weitere Informationen:

Textquelle: Dr.-Ing. Georg Paissidis

Fotos: Jordanis Kyrenidis

Video: https://www.youtube.com/watch?v=J1oR1IGrlHo&t=8s

www.rethinkthenight.com

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 2 I 2020

Erschienen am 28. Februar 2020