Technik
Licht 4 | 2020

Lichtplanungssoftware und BIM

Add-ons im BIM-Autorensystem

Der Lichtplanungsprozess in BIM ist grundsätzlich nicht anders als er früher in CAD oder auf Papier war. Es geht um die Auswahl, die Positionierung und Konfiguration von Leuchten und ggf. Sensoren basierend auf Bauwerksplänen. Dabei ist Lichtplanung immer schon eine eigene kleine Domain zwischen den großen Nachbargewerken Architektur und Elektrotechnik.

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Abb.: In »Revit« können Lichtberechnungen direkt mit allen Leuchten durchgeführt werden. Neu ist das Nutzen von herstellerneutralen Leuchten für eine RELUX-Berechnung mittels Verlinkung zu LVKs. Robert Heinze

Basis für BIM sind Architekturpläne mit dem Modell des zu beleuchtenden Bauwerks. Bei der Übergabe dieser Pläne gibt es mit BIM einen großen Vorteil für den Planer: Er muss, wenn die Formate und die Software passen, das Bauwerk nicht mehr nachmodellieren. Wenn die Leuchten und Sensoren in Auswahl und Positionen feststehen, kann dies im digitalen Modell an die Elektrotechnik weitergereicht werden. Abstimmungen werden so deutlich vereinfacht. Zumindest in der Theorie; in der Praxis gibt es durch die Fülle der BIM-Autorensysteme, deren Formate und Vielzahl an Fachplanungsprogrammen noch Schwierigkeiten.

Das offene und normierte BIM-Bauwerksformat IFC ist heute nur bedingt eine Lösung für eine durchgehende Planung. Es transportiert ein Bauwerk mit vielen Details inklusive Leuchten in einen statischen Zustand. Für einen Fachplanungsdurchfluss des Formats fehlt es an dynamischen Elementen und wesentlich mehr Produkteigenschaften. Leuchten werden beispielsweise im IFC mit 48 Merkmalen beschrieben, was für ein Bauprodukt relativ viel ist. Hingegen definiert eine neue europäische BIM-Merkmalsnorm rund 350 Merkmale. Die Defizite mit IFC resultieren zu einem Teil aus der Software, die IFC implementiert. So gibt es derzeit kein Programm, welches die LVK darstellt, die im IFC sehr gut beschrieben werden kann. IFC ist allerdings gut geeignet, um Koordinierungsmodelle aus verschiedenen Softwarequellen zusammenzustellen.

Ein anderer Weg, um digitale Bauwerksmodelle zwischen den Planungsprogrammen zu nutzen, sind Add-ons, die direkt auf die jeweiligen Datenmodelle zugreifen. Fast alle BIM-Autorensysteme bieten Software Development Kits (SDK) an, um einen Zugriff auf das Modell und die Funktionen zu erlauben. Es gibt sogar Add-ons, die mit mehreren großen Autorensystemen kompatibel sind. Das Problem ist hier die Vielzahl an Programmen und der damit große Aufwand für eine Planungssoftware, sich mit vielen Autorensystemen zu vernetzen. RELUX geht mit seiner Lichtplanungssoftware den Weg über ein Add-on in dem Autodesk BIM-Autorensystem »Revit«. »Revit« ist für Gebäudetechnik technisch gut aufgestellt und unter Elektroplanern weit verbreitet. Mit »ReluxCAD for Revit« können Gebäude, Räume und Außenbereiche von »Revit« ins RELUX exportiert werden – und auch mit Leuchten und Sensoren bestückt wieder zurück von RELUX ins »Revit« importiert werden. Außerdem können direkt in »Revit« Lichtberechnungen mit allen Leuchten durchgeführt werden. Neu ist das Nutzen von herstellerneutralen Leuchten für eine RELUX-Berechnung mittels einer Verlinkung zu LVKs. Besonders Elektroplaner, aber auch Lichtplaner, nutzen oft neutrale Platzhalter-Modelle für Leuchten und keine spezifischen Produkte.

Abb.: Beispiel einer Lichtplanung mit »Revit«. Mit »ReluxCAD for Revit« können Gebäude, Räume und Außenbereiche von »Revit« ins RELUX exportiert werden. Robert Heinze

Weitere Informationen:

Text und Bilder: Robert Heinze

www.relux.com

Robert Heinze

Autor:
Robert Heinze ist Elektroingenieur und Lichtplaner. Seine Wurzeln liegen in der Bühnenbeleuchtung. Er war tätig als technischer Produktmanager und freier Lichtplaner. Für den Leuchten-Hersteller TRILUX war er Prozessentwickler Lichtplanung und Leiter der technischen Redaktion. Heute ist er CTO-Desktop Applications bei RELUX in der Schweiz. Er ist aktiv in Gremien der internationalen Licht- und BIM-Normung bei ZVEI, DIN, CEN, ISO und beim buildingSMART.

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 4 | 2020

Erschienen am 25. Mai 2020