Schlusslicht
Licht 9 | 2020

Lichtkunst unter freiem Himmel

Lichtfestival im Heilbad Bad Rothenfelde

Die »lichtsicht« Projektions-Triennale in Bad Rothenfelde lädt zu Kunstgenuss mit gutem Gewissen ein: Unter freiem Himmel ist Social-Distancing leicht umgesetzt und die besondere Luft im Heilbad fördert obendrein die Gesundheit.

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Abb.: Julius von Bismarck, ehemaliger Meisterschüler von Olafur Eliason, beschäftigt sich in seiner Arbeit mit Waldbränden. Franz Wamhof

In Bad Rothenfelde herrscht das ganze Jahr über ein angenehmes Klima. Das Heilbad ist Standort zweier mächtiger Gradierwerke mit einer Länge von rund 110 bzw. 410 Metern. Einst gehören sie zu Salzfabriken, heute dienen sie als riesige »Freiluft-Inhalatoren« und lassen Spaziergänger aufatmen. Sie erfüllen jedoch noch eine zweite Funktion: Ihre 10.000 Quadratmeter große Rieselflächen, an denen Sole entlangtropft, ist Projektionsfläche für die Lichtkunst von etablierten Künstlern und Studenten aus aller Welt. Allein ein Werk kann bis zu 312 Meter lang und 14 Meter hoch sein.

Im Rahmen der »lichtsicht 7« Projektions-Triennale dürfen sie ihre Projektionskunst ausleben – Corona-konform unter freiem Himmel und umgeben von besonders sauberer Luft. Die Triennale findet bereits zum siebten Mal statt. Diesmal allerdings mit noch modernerer Projektionstechnologie und zum Teil begleitet von Augmented Reality, damit die Besucher die Kunst auch auf ihr Smartphone holen können.

Eines der Werke stammt von Julius von Bismarck, einem ehemaligen Meisterschüler von Olafur Eliason, der sich mit Natur- und Wetterphänomenen beschäftigt. Für seine Arbeit »Feuer mit Feuer« filmte er die verheerenden Waldbrände in Kalifornien. Er verweist auf die Wechselwirkung zwischen Gefahr und Schönheit. Auf den von Solewasser plätschernden kristallinen Projektionsflächen des Gradierwerks entwickelt die Arbeit im Kontrast mit den spektakulären Feuerbildern irritierende neue Reize.

Die »lichtsicht 7« ist ein Erlebnis für alle Sinne: Augen, Ohren, Atmung und Geist werden beim abendlichen bis nächtlichen Flanieren gleichermaßen unterhalten und gefordert. Im November musste die Triennale bedingt durch Corona eine Pause einlegen. Die Veranstalter hoffen jedoch auf baldige Fortsetzung und eine Verlängerung bis März 2021.

Weitere Informationen:

www.lichtsicht-triennale.de

Text: Sabrina Quente, Redakteurin LICHT

Foto: Franz Wamhof

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 9 | 2020

Erschienen am 25. November 2020