Planung
Licht 5 | 2019

Lichtinszenierungen in historischem Ambiente

Bronzesäle Residenz München und Jüdisches Museum Jebenhausen

Historische Gebäude erfordern ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen bei der zeitgemäßen Lichtplanung. Werden die Räume für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt, sind innovative und flexible Lichtlösungen gefragt. In den Bronzesälen der Residenz München und im Jüdischen Museum Jebenhausen wählte man hierfür LED-Leuchten und ein Lichtsystem der Firma Sattler. Diese bieten neben kräftigem Raumlicht auch individuelle und fokussierte Spotbeleuchtung für die einzelnen Exponate.

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Abb.: Die Bronzesäle der Münchner Residenz werden durch LED-Leuchten »Anello« beleuchtet. Diese geben ein kräftiges Raumlicht ab und können durch Einzelspots individuell auf Exponate eingestellt werden. Sattler

Inszenierung ohne Bruch – Bronzesäle Residenz München

Die Bronzesäle sind Teil der frei gewordenen Räumlichkeiten des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst in der bayerischen Hauptstadt: Hier sind die Originale von gut 400 Jahre alten Bronzen aus unmittelbarer Nähe zu bewundern, deren Kopien Gärten, Fassaden und Höfe der Schlossanlage schmücken. Errichtet als prunkvoller Wohn- und Regierungssitz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige, beherbergt die Residenz heute die Museen der Bayerischen Schlösserverwaltung sowie verschiedene andere kulturelle Institutionen des Freistaats Bayern. RFHT Architekten aus München waren mit den umfassenden Sanierungsmaßnahmen der historischen Säle betraut. Eine hohe Gestaltungsqualität bei größtmöglicher Schonung der historischen, denkmalgeschützten Bausubstanz war das gesetzte Ziel bei den Arbeiten. Mit der für dieses Projekt modifizierten »Anello 1600« fiel die Wahl auf eine gestalterisch reduzierte, moderne Leuchte mit den Funktionen Raumbeleuchtung und gezielter Objektbeleuchtung für die Museumsexponate. Zudem können über eine Beleuchtungssteuerung unterschiedliche Lichtstimmungen – auch für diverse Veranstaltungen – inszeniert werden. »Mit der Sattler GmbH in Göppingen haben wir einen Hersteller gefunden, der die Entwurfsvorstellungen in Gestaltung, Technik und Ausführungspräzision großartig umsetzen konnte«, freut sich Hans Tratschuk, der verantwortliche Architekt und Lichtplaner vom Büro RFHT. Durch das klassisch zeitlose Design integriert sich die runde Leuchte stimmig in die Räume und hebt die historische Stuckgewölbedecke über ihren indirekten Lichtanteil hervor. Die Form nimmt auch die kreisförmigen Stuckrosetten auf und fügt sich so geschmeidig in das Ensemble. Die LED-Pendelleuchte mit einem Durchmesser von 1600 mm ist eine Sonderanfertigung, wurde technisch modifiziert und mit einer Dimm-Funktion ausgestattet. Abstrahlwinkel und Lichtfarbe der zusätzlichen LED-Spots lassen sich individuell einstellen und ermöglichen es, die kostbaren Exponate der Ausstellung mit gerichtetem Licht in Szene zu setzen. Die Strahler sind auf einer Stromschiene montiert, lassen sich getrennt voneinander schalten und sind jederzeit um weitere Strahler ergänzbar. Auch die Allgemeinbeleuchtung lässt sich separat in decken- und bodengerichtetes Licht schalten und dimmen und erhöht so die Einsatzmöglichkeiten. Über die kreisrunde Form der Leuchte lassen sich die ausgestellten Bronzeplastiken noch zusätzlich inszenieren: Werden sie mittig unter einer der Pendelleuchten platziert, fokussiert der Blick des Besuchers ganz automatisch auf dieses Objekt. Insgesamt 11 Leuchten wurden in den Bronzesälen installiert.

Abb.: Gut zu erkennen sind die drei zusätzlich an der Leuchte angebrachten LED-Strahler, welche die Anforderungen an gerichtetes Licht zur Objektbeleuchtung erfüllen. Sattler
Abb.: Die kreisrunden Leuchten nehmen die Formsprache der Stuckrosetten auf und gliedern sich so einfühlsam in ihre Umgebung. Sattler
Abb.: Technisch modifiziert präsentiert sich die »Anello« auch im Flurbereich der Residenz. Abstrahlwinkel und Lichtfarbe der zusätzlichen LED-Spots lassen sich individuell einstellen. Sattler

Ein Gebäude mit Geschichte – Jüdisches Museum Jebenhausen

In dem Gebäude für das Jüdische Museum in Jebenhausen wird heute Geschichte erzählt und seit 500 Jahre Geschichte geschrieben. Seit 1992 beherbergt das Gebäude das Jüdische Museum der Stadt Göppingen. Für die Wiedereröffnung im Januar 2019 haben verschiedene Experten Hand in Hand gearbeitet und wurden der Intention des Hauses gerecht, den einzigartigen Charakter der Räumlichkeiten zu bewahren und mit zeitgemäßen Inszenierungen einen lebendigen Einblick in die wechselvolle Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen zu geben. Diese begann 1777 mit der Ausstellung eines Schutzbriefs für jüdische Familien durch die Ortsherrschaft der Herren von Liebenstein. Das Museumsgebäude, die ehemalige Dorfkirche von Jebenhausen, ist über 500 Jahre alt. 1966 wurde sie von der evangelischen Kirchengemeinde aufgegeben. Das historische Gebäude ist selbst ein eindrückliches Zeugnis des gegenseitigen Umgangs von Juden und Christen. So fanden die vergoldeten Deckenleuchter und das Gestühl der Synagoge nach deren Schließung 1899 eine Weiterverwendung in der Kirche: Sie waren ein Geschenk der Juden an die Christen. Außerdem ist in der Kirche die Ortsherrschaft von Liebenstein in Wappendarstellungen und Epitaphien gegenwärtig. Die Adelsfamilie gab 1777 am Zuzug interessierten jüdischen Familien ihr Schutzversprechen. Im 19. Jahrhundert hatte Jebenhausen (seit 1939 Stadtbezirk von Göppingen) eine der größten jüdischen Gemeinden Württembergs. Die Konzeption der Ausstellung entwickelte das Team von Archiv und Museen der Stadt Göppingen um Herrn Dr. Rueß. Die Gestaltung übernahm das Designbüro Ranger Design in Stuttgart. Einen essentiellen Bestandteil der Ausstellungsarchitektur bildet das Beleuchtungskonzept. Den Charme der warmen Töne bewahren, dabei aber eine moderne Beleuchtung schaffen, so wurde die Vorgabe definiert. Zudem sollte das Licht eine gute Allgemeinbeleuchtung liefern, gleichzeitig aber auch die Option bieten, fokussiert zu beleuchten. Neben den Brandschutzvorgaben, durfte man auch möglichst wenig in die bestehende Decke und Elektroinstallation eingreifen. Viele Anforderungen, die das von Sattler entwickelte modulare Lichtsystem »Avveni« souverän erfüllt. Das Niedervolt Strom-Schienensystem »Avveni LightLight« vereint Grund- und Akzentlicht einschließlich Effektbeleuchtung. Über ein magnetisches Aufsatzlinsensystem kann das Licht in verschiedenen Winkel gestreut oder auch gebündelt werden – ob elliptische Linsen oder quadratische Linsen. Auch die Lichtfarbe lässt sich über eine Aufsatzlinse jederzeit anpassen. Durch die Wechseloptik und starke Grundleistung der LED-Leuchte sind große Distanzen von 10-12 Metern problemlos überbrückbar. Damit können alle Exponate in der Galerie beleuchtet werden. Über eine Bluetooth-Steuerung lassen sich verschiedenste Lichtszenen programmieren, welche auch für die aktuelle Ausstellung definiert wurden.

Abb.: Das Jüdische Museum in Jebenhausen wurde im Januar 2019 eröffnet. Es galt, den einzigartigen Charakter der über 500 Jahre alten Räumlichkeiten zu bewahren. Rose Hajdu
Abb.: »Avveni« bietet die Möglichkeit, sowohl flächig als auch punktuell zu beleuchten und einzelne Elemente hervorzuheben. Über ein magnetisches Aufsatzlinsensystem lassen sich Ausstrahlungswinkel und Lichtfarbe ändern. Rose Hajdu
Abb.: Das Schienensystem »AVVENI LightLight« passt sich der Ausstellungssituation gekonnt an. Über Drehen und Kippen und das magnetische Kugelgelenk lassen sich die Leuchtenköpfe individuell ausrichten. Rose Hajdu

Vom schwäbischen Göppingen in die weite Welt hinaus

Die Firma Sattler wird von Ulrich und seinem Sohn Sven Sattler in zweiter und dritter Generation geführt und ist ein in Göppingen ansässiges Familienunternehmen. International wird Sattler als Leuchtenmanufaktur geschätzt, die von der Konstruktion bis zur Produktion skulpturale Leuchten mit einer sehr hohen Detailqualität anbietet. Die Leuchten sind begehrte Ausstattungsobjekte für Foyers, Shops und Malls, repräsentative Wohnhäuser und Chefetagen in aller Welt. Zu den Referenzen zählen u.a. Changi Airport, Helsinki Metro, Porsche Museum, Infinity Amsterdam, La Biosthétique oder WTO Genf. »Die wahre Größe unserer Produkte liegt im Detail«, so lautet das Credo der Firmeninhaber und fasst die Qualitäts- und Designstandards des Unternehmens prägnant zusammen. Für seine wegweisenden Produkte hat Sattler zahlreiche Design- und Innovationspreise gewonnen.

Abb.: Was in einer Autogarage begann, hat sich zu einem modernen, weltweit agierenden Unternehmen entwickelt. Doch der Familienbetrieb bleibt stark in der Region verwurzelt und stellt seine Leuchten mit lokalen Partnern am Standort Göppingen her. Der 2015 fertiggestellte Firmensitz (Loew Architektur und Raiserlopes) vereint alle Unternehmensbereiche an einem Ort – von der Designentwicklung bis zur Produktion. Der weitläufige Showroom dient als Foyer mit Empfangstheke, Kaffeebar, Lounge und Besprechungsbereich. Sattler

Weitere Informationen:

Projekt: Bronzesäle Residenz München, 2016
Lichtplanung: Hans Tratschuk – Architekturbüro RFHT, München
Fotos Residenz: Sattler

Projekt: Jüdisches Museum Jebenhausen, 2019
Museumskonzeption: Archiv und Museen der Stadt Göppingen, Dr. K.-H. Rueß der Stadt Göppingen
Planung und Gestaltung: Ranger Design, Stuttgart, www.range-design.com
Fotos: Rose Hajdu, Stuttgart

Leuchten: Sattler GmbH, Göppingen, www.sattler-lighting.com

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Licht 5 | 2019

Erschienen am 25. Juni 2019