Planung
Licht 2 I 2020

Licht von innen nach außen

Kreative Lichtplanung für eine neue Sporthalle in Freiburg

Mit der neuen Dreifachsporthalle der Freiburger Turnerschaft von 1844 e.V. stehen dem Sport nun weitere 3.300 Quadratmeter zur Verfügung. Der Lichtplanerin Andrea von Malm gelang es, den Wunsch des Auftraggebers nach einer repräsentativen und spannenden Lichtführung kreativ und funktional in die Praxis umzusetzen.

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Abb.: Mit der neuen Dreifachsporthalle in Freiburger stehen dem Sport nun weitere 3.300 Quadratmeter zur Verfügung. Die strukturierte Leuchtenanordnung erzeugt durch die unterschiedlichen Leuchtenlängen eine Dynamik, die den großen Räumen gut tut. ARCHITEKTURIMBILD | Bernhard Tränkle

Die Freiburger Turnerschaft von 1844 e.V., einer der größten Sportvereine Südbadens, konnte ihre neue Dreifachsporthalle kurz vor Weihnachten 2019 erfolgreich einweihen. Mit dem neuen Sportkomplex an der Schwarzwaldstraße stehen dem Sport weitere 3.300 qm zur Verfügung. Vor allem Volleyball, Badminton, Hockey, Handball und Trampolin werden die moderne Dreifeldhalle als Trainings- und Wettkampffläche nutzen. Die Geschäftsführung der FT-Freiburg 1844 beschrieb ihre Vorstellungen hinsichtlich des Lichts für ihren Neubau so: »Wir wünschen uns repräsentatives und gestaltendes Licht sowie eine spannende Lichtführung, die über eine funktionale Standard-Lichtplanung hinausgeht.« Vom Freizeitsportler bis zum Profisportler und den Gästen, sollen sich alle willkommen fühlen und für ihren Sport die geeigneten Bedingungen vorfinden.
Die Lichtplanerin Andrea von Malm griff diese Wünsche gerne auf. Andrea von Malm hat sich mit ihrem Unternehmen vonmalm licht+gestaltung darauf spezialisiert, die Leitgedanken – die Philosophie – ihrer Auftraggeber in Licht umzusetzen. Ziel ihrer Arbeit ist es, mit kreativer und funktionaler Lichtgestaltung das wieder zu spiegeln, was für das jeweilige Unternehmen, die städtische Einrichtung, den kirchlichen Auftraggeber oder einen Verein, wichtig ist.

Architektur, die sich nach außen öffnet

Nähert man sich abends dem Sportgebäude so strahlt dieses von innen heraus. Ein Wechselspiel mit der Dunkelheit, der Transparenz und sanften Spiegelungen. Durch die großzügigen Glasfassaden bekommt man einen ersten Eindruck der Raumarchitektur, die Ein- und Ausblicke erlaubt.

Abb.: Durch die großzügigen Glasfassaden bekommt man einen ersten Eindruck der Raumarchitektur. ARCHITEKTURIMBILD | Bernhard Tränkle

Leuchten als Strukturgeber – Die Strukturierung des Raums

Die Grundbeleuchtung im Foyer setzt sich aus unterschiedlich langen Aufbaulichtlinien zusammen, die auf den Gebäudeachsen ausgerichtet sind und von beiden Seiten aufeinander »zufließen«. Diese klare und strukturierte Leuchtenanordnung erzeugt durch die unterschiedlichen Leuchtenlängen eine Dynamik, die den großen Räumen gut tut. Durch den passenden Abstand zu den Betonstützen erhalten diese ein weißes Streiflicht. Die Innenseiten der Stützen werden mit dreh-und schwenkbaren Stromschienenstrahlern akzentuiert. Durch den integrierten Zoom ist der Ausstrahlungswinkel von 15°-40° perfekt einstellbar, tunable White ermöglicht den richtigen Weißton zu finden. Bei Heimspielen werden die Betonstützen mit der Vereinsfarbe der Gastmannschaft bespielt und diese so willkommen geheißen.

Abb.: Auch die Lichtgestaltung unterstützt die Begrüßungskultur der Freiburger Turnergemeinschaft. Bei Heimspielen werden bspw. die Betonstützen mit der Vereinsfarbe der Gastmannschaft bespielt. ARCHITEKTURIMBILD | Bernhard Tränkle
Abb.: Bei Ballsportarten wird die Aktivität der Sportler mit einer kühleren Lichtfarbe unterstützt, bei ruhigeren Sportarten wie Yoga wird blendfreies, indirektes und gedimmtes Licht in einem warmen Farbton gewählt. ARCHITEKTURIMBILD | Bernhard Tränkle

Multifunktionalität als Maßstab

Dem Verein ist es wichtig, vielen Sportarten und vielen unterschiedlichen Nutzern einen wertschätzenden Platz zu bieten. In den beiden Sporthallen im Obergeschoss kann der Verein den Fitness-, Gesundheits- und Reha-Sportbereich sowie den Kindersportbereich weiter ausbauen bzw. dem Bedarf gerecht werden.
Für die vielfältigen Sportarten sollen die Räume mit dem jeweils passenden Licht veränderbar sein. Die unterschiedlichen Zielgruppen vom Breitensportler bis zum Profi sollen sich in den Räumen wohlfühlen. Bei aktiven Ballsportarten wird die Aktivität der Sportler mit einer kühleren Lichtfarbe unterstützt, bei ruhigeren Sportarten wie Yoga wurde blendfreies, indirektes und gedimmtes Licht in einem warmen Farbton gewählt.
Die unterschiedlichen Sportarten finden somit stets das »passende« Licht, das flexibel, dimmbar und unterstützend eingesetzt werden kann. Es ist eine Lichtgestaltung gelungen, die auf die jeweiligen Anforderungen der Nutzer abgestimmt, komponiert, programmiert und abgerufen werden kann.

Abb.: VIP-Bereich oder Schulungsraum? Das entscheidet das Licht mit. Durch Änderung von Lichtrichtung, Lichtintensität oder Farbtemperatur entsteht z.B. aus einem Besprechungs- ein Empfangsraum. ARCHITEKTURIMBILD | Bernhard Tränkle

Um auf die unterschiedlichen Beleuchtungsanforderungen, wie z.B. Empfänge, Ehrungen, Vorträge, Seminare oder um auf die unterschiedlichen Sportarten optimal reagieren zu können, haben alle Leuchten bzw. Konverter eine DALI-Schnittstelle. Somit sind sie flexibel adressierbar und können einer oder mehreren Schaltgruppen angehören. Unter anderem sind sie in der Lage, Informationen für verschiedene Lichtszenen zu speichern, sodass dann die jeweilige Lichtszene auf einem Tableau abgerufen werden kann.
Durch die Zusammenstellung der Leuchtengruppen, der Lichtfarbe, Lichtrichtung, Lichtintensität sowie der Farbtemperatur der Leuchten entsteht aus dem Besprechungsraum je nach Bedarf entweder ein Empfangsraum, ein VIP-Bereich oder ein Schulungsraum.

Licht von innen nach außen

Die Lichtplanerin verzichtete bewusst auf eine zusätzliche Fassadenbeleuchtung, da für sie die Städte bereits überleuchtet sind und dies zunehmend zu einer Belastung für Mensch und Natur wird. In der Abendlichtwirkung betont das Licht die Raumarchitektur, die Räume werden dreidimensional erlebbar, es leuchtet von innen heraus und betont auch hier die Zielsetzung und die Seele des Vereins.

Abb.: Auf eine Fassadenbeleuchtung wurde aus Gründen der Lichtverschmutzung bewusst verzichtet. Die Beleuchtung von innen heraus reicht allein schon aus. ARCHITEKTURIMBILD | Bernhard Tränkle

Weitere Informationen:

Fertigstellung: Dezember 2019

Bauherr: Freiburger Turnerschaft von 1844 e.V.

Architekt: Richard Kramer, Freiburg

Lichtplanung: vonmalm licht+gestaltung | Andrea von Malm, Freiburg, www.lichtgestaltung-freiburg.de

Elektroplanung: Ingenieurgruppe Freiburg GmbH

Leuchtenhersteller: TULUX AG, tuggen (CH), www.tulux.ch; Castaldi Lighting, Cassano Magnago (I), www.castaldilighting.de

Fotos: ARCHITEKTURIMBILD | Bernhard Tränkle

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 2 I 2020

Erschienen am 28. Februar 2020