Magazin
Licht 2 I 2020

LICHT-Lektüre

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Die Kraft des Lichts

Warum wir gutes Licht brauchen und schlechtes Licht uns krank macht

Dr. med. Alexander Wunsch

»Dove non va il sole, va il medico!« (»Wo die Sonne nicht hinkommt, ist der Doktor nicht fern!«)

Italienisches Sprichwort

Die erste Begegnung mit Alexander Wunsch hatte ich 2007 in London auf der ersten PLDC (Professional Lighting Design Convention). Als damaliger Präsident der International Light Association war er nicht nur inspirierender Referent, sondern federführender Organisator des PLDC-Tracks: »Light & Health«. Seit dem Sommersemester 2009 ist Herr Dr. Wunsch Lehrbeauftragter an der HSW und lehrt auf Englisch, was Studierende im Fach Architectural Lighting Design, Architektur und Innenarchitektur über die Zusammenhänge von Licht & Gesundheit wissen sollten.

Sein aktuelles Buch »Die Kraft des Lichts« sollte aus meiner Sicht eine Pflichtlektüre für jeden werden, den das Thema Licht & Gesundheit interessiert. Aus der Sicht eines Arztes werden hier drei zentrale Aspekte von Licht aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet: Sonnenlicht, Kunstlicht und Farben.

Den Anfang macht das Kapitel »Was ist Licht«, in dem vom evolutionären Standpunkt ausgehend die Bedeutung von Licht für alles Leben erläutert wird. Das zweite Kapitel widmet sich der Bedeutung des Sonnenlichts, wobei der Autor den Leser auf einen unterhaltsamen Streifzug durch die Geschichte mitnimmt und dadurch die Bedeutung des Sonnenlichts für Leben und Gesundheit auf ein überzeugendes Fundament stellt. In dem Kapitel über Kunstlicht wird der Zusammenhang zwischen der Lichttechnik und den lichtabhängigen physiologischen Abläufen im Organismus hergestellt. Das letzte Kapitel widmet sich dem Thema Farben, wobei insbesondere der therapeutische und diagnostische Einsatz dieses Phänomens zur Darstellung kommt. Bei aller Komplexität der Materie gelingt es dem Autor, einen roten Faden zu spinnen, der den Leser sprachgewandt und immer kurzweilig durch alle Themen führt, die das Phänomen Licht so einzigartig machen.

»Die Kraft des Lichts« belegt facettenreich, dass gute Lichtplanung nicht nur darin besteht, den umbauten Raum hell zu machen, sondern gesunde Lichtumgebungen zu schaffen und damit salutogenetisch* zu wirken. Salutogenese, also die Erzeugung von Gesundheit, ist nach meiner Einschätzung eines der zentralen Themen, dem sich Lichtdesigner und Gestalter in Zukunft zuwenden müssen. Alexander Wunsch leistet mit seinem Buch einen wichtigen Beitrag, um der breiten Bevölkerung verständlich zu machen, warum Licht eine so zentrale Rolle für Gesundheit und Wohlbefinden einnimmt und warum es sich lohnt, in die Schaffung salutogenetischer Lichtumgebungen zu investieren.

Professor Michael F. Rohde, Hochschule Wismar
L-Plan Lighting Design, Berlin

*Salutogenetisches Licht: Salutogenese geht der Fragestellung nach, was den Menschen gesund hält. Demnach handelt es sich beim salutogenetischen Ansatz um die Vermeidung eines passiven Gleichgewichtszustands (Homöostase), sondern es geht vielmehr um ein aktives Geschehen (Heterostase). Die Salutogenese ist ein Gegensatz zur Pathogenese, welche der Frage nachgeht, was den Menschen krank macht. Der Begriff Salutogenese geht auf den israelisch-amerikanischen Professor der Soziologie Aaron Antonovsky. Er wird als der »Vater der Salutogenese« betrachtet, also eines Gesundheit definierenden Konzepts.

Die Kraft des Lichts
Warum wir gutes Licht brauchen und schlechtes Licht uns krank macht
Dr. med. Alexander Wunsch
Taschenbuch, 256 Seiten, 19,99 Euro
Riva Verlag
ISBN 978-3-7 423-0911-2
www.rivaverlag.de

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 2 I 2020

Erschienen am 28. Februar 2020