Planung
Licht 4 | 2020

Licht in der Praxis

Spitzenmedizin und Patientenorientierung im perfekten Licht

Hohe Qualitätsanforderungen prägten den Umbau der Freiburger Praxisklinik 2000. Das Licht sollte einerseits Empfang und Eingang repräsentativ gestalten sowie die Orientierung erleichtern, andererseits zum entspannten Warten einladen. In den Behandlungsräumen war eine angenehme Arbeitsatmosphäre mit hohem Sehkomfort gefordert. Hier passt sich eine intelligente Lichtlösung in Helligkeit und Farbtemperatur auf die individuellen Bedürfnisse der Nutzer an.

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Abb.: Die Empfangstheke wird durch zwei unterschiedlich große rechteckige Leuchten betont. Die beiden kleineren Leuchten sorgen mit ihrem direkten Lichtanteil für homogenes Arbeitslicht, das größere Lichtrechteck erhellt mit indirektem Licht die weiße Decke. Bernhard Tränkle

Die Praxisklinik 2000 in Freiburg ist ein hochspezialisiertes Zentrum für die orthopädische-chirurgische Behandlung von Gelenkbeschwerden sowie von Unfall- und Sportverletzungen. »Qualität durch Spezialisierung« ist das Motto der Praxisklinik 2000 und hohe Qualitätsanforderungen prägten auch den Umbau. Auf 500 Quadratmetern entstand im Erdgeschoss die orthopädische Praxis. Rund zwei Monate haben die Arbeiten gedauert, die Planung für die umfangreichen Maßnahmen lief allerdings schon seit Herbst 2019.
Andrea von Malm war mit ihrem Unternehmen vonmalm licht+gestaltung für die Lichtplanung verantwortlich. Sie fokussiert ihre Arbeit stets auf die Leitgedanken – die Philosophie – der Auftragsgeber und setzt diese in Licht um. Ihre kreative und zugleich funktionale Lichtgestaltung spiegelt das jeweilige Unternehmen, oder wie in diesem Fall die medizinische Einrichtung, wider.
Die konkreten Aufgaben an die Lichtplanung stellten sich wie folgt: Der Eingangs- und Empfangsbereich sollte repräsentativ und einladend gestaltet werden, um den Patienten eine eindeutige Orientierung zu geben. Zum Wohlfühlen und entspannten Warten sollte wiederum der Wartebereich einladen. In den Behandlungs- und Untersuchungsräumen war eine angenehme Arbeitsatmosphäre mit hohem Sehkomfort gefordert. Und in den Arzträumen wünschte man sich eine Beleuchtung, die sich in Helligkeit und Farbtemperatur manuell auf die persönlichen Bedürfnisse der Nutzer einstellen lässt. Es waren intelligente Lichtlösungen gefragt, um die unterschiedlichen Anforderungen und Interessen in ein stimmiges Gesamtbeleuchtungskonzept zu bringen.

Abb.: Der L-förmige Sockel der Empfangstheke wurde mit einem umlaufenden indirekten Licht ausgestattet und vermittelt dem Ankommenden zum einen Orientierung, zum anderen verleiht es dem massiven Holzmöbel eine Leichtigkeit. Bernhard Tränkle

Offenheit und Orientierung repräsentieren

Schon der angenehm gestaltete Empfangsbereich heißt den eintretenden Patienten willkommen. Die klare geometrische Struktur der Empfangstheke wird durch zwei unterschiedlich große, »schwebende« rechteckige Leuchtenstrukturen betont. Die beiden kleineren Leuchten sorgen mit ihrem direkten Lichtanteil für ein homogenes Arbeitslicht auf dem Arbeitsbereich. Das größere Lichtrechteck erhellt mit seinem indirekten Licht die weiße Decke, wodurch zusätzlich noch einmal eine sekundäre Lichtquelle entsteht. Der L-förmige Sockel der Empfangstheke wurde mit einem umlaufenden indirekten Licht ausgestattet und vermittelt dem Ankommenden einerseits Orientierung, andererseits verleiht es dem massiven Holzmöbel eine gewisse Leichtigkeit. Durch die Zentrierung des Lichts über dem Empfang wird das Möbel zum unmittelbaren Blickpunkt und lädt zur Kommunikation ein.

Abb.: Auch in dem mit warmem Holz gestalteten Wartebereich füllen rechteckige, versetzt angeordnete Leuchten den Raum mit Direkt-/Indirektlicht. Wandleuchten sorgen für ein lebendiges Licht- und Schattenbild. Bernhard Tränkle

Räume für entspanntes Warten schaffen

Der gesamte Innenausbau wurde von der Schreinerei Heizmann, Inh. Markus Brunner, geplant und ausgeführt. Dabei gestaltete der Innenausbauer einen Wartebereich mit eingepassten Holzeinbauten und strukturierte diese in zwei attraktive und wohnliche Bereiche. An diese Grundidee hat sich Andrea von Malm bei der Lichtgestaltung orientiert. Die rechteckigen, versetzt angeordneten Leuchtenstrukturen nehmen den Grundriss auf und füllen den Raum mit indirektem und direktem Licht. Die warme Lichtfarbe unterstützt den Holzfarbton der Möbeleinbauten, zwischen den Raumbegrenzungsflächen und den transparenten Materialien, wie das Glas, entstehen durch die Lichtreflexionen spannende Lichtspiegelungen. Wandleuchten sorgen für ein lebendiges Licht- und Schattenbild und unterstützen so ein entspanntes Warten.

Abb.: In den Patientenräumen steht aufgrund des Sichtschutzes an den Fenstern kaum Tageslicht zur Verfügung. Eine dynamische und intelligent gesteuerte Beleuchtungslösung passt ihre Farbtemperatur je nach Tageszeit zwischen 1800 K und 16.000 K an. Bernhard Tränkle

Hohe Lichtqualität im Behandlungszimmer

In den Untersuchungs- und Behandlungsräumen steht aufgrund des Sichtschutzes an den Fenstern zu wenig Tageslicht zur Verfügung. Deshalb wurde in diesen Räumen eine dynamische Beleuchtungslösung mit programmierten Pendelleuchten und einer Farbtemperatur von 1800 K bis 16.000 K geplant. Während sich das Tageslicht von selbst verändert, braucht das Kunstlicht eine intelligente Steuerung, um sich der Tageszeit anzupassen. Morgens wird bei warmweißem Licht in den Tag gestartet, gegen Mittag erreicht das Lichtniveau seinen Höhepunkt. Wenn das natürliche Tageslicht einen kühlen Weißton bildet, zieht das Kunstlicht mit einer Farbtemperatur von 7500 K nach. Zum Abend hin ändert sich das Licht der Leuchten in einen warmen, entspannenden Weißton. Dieser dynamische Helligkeits- und Lichtfarbenverlauf verteilt sich über den ganzen Tag und trägt zu einem hohen Sehkomfort bei. Das Licht wirkt je nach Situation lebendig, angenehm anregend oder gegen Abend entspannend. Dynamisches Kunstlicht ergänzt natürliches Tageslicht und schafft dadurch eine hohe Lichtqualität.

Insgesamt betrachtet begleitet das Lichtkonzept die Patienten durch die Praxis – schafft Orientierung und bringt die hohe Professionalität der Praxisklinik 2000 zum Ausdruck. Die Mitarbeiter der Klinik erhalten durch diese Lichtgestaltung Unterstützung in ihrer hochqualifizieren Arbeit.

Abb.: Die rechteckige Leuchtenstruktur nimmt Bezug auf die Geometrie von Grundriss und Möbel und ist das prägende lichtgestalterische Element in der Praxisklinik. Bernhard Tränkle

Weitere Informationen:

Fertigstellung: 2019

Bauherr: Praxisklinik 2000, Freiburg

Bauleitung und Innenausbau: Schreinerei Heizmann, Markus Brunner, Schallstadt, www.schreinerei-heizmann.de

Lichtplanung: vonmalm licht+gestaltung, Andrea von Malm, Freiburg, www.lichtgestaltung-freiburg.de

Elektro: Elektro Pfefferle GmbH, Staufen, www.elektro-pfefferle.de

Leuchtenhersteller: Sattler Lighting, www.sattler-lighting.com; Lumen Center Italia, www.lumencenteritalia.com; Occhio, www.occhio.de; Kiteo, www.kiteo.eu; RZB, www.rzb.de

Fotos: ARCHITEKTURIMBILD, Bernhard Tränkle, Steinen, www.architekturimbild.de

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 4 | 2020

Erschienen am 25. Mai 2020