Planung
Licht 9 | 2019

Licht für ganz großes Kino

Deutschlands erstes DOLBY CINEMA im Mathäser München

In einen Film eintauchen, heißt sich fallen lassen. Bei einem Dolby Cinema beginnt die Abenteuerreise in eine andere Welt und Zeit schon vor dem Beginn des Films. Komfortable Premium-Ledersessel, perfekter Blick von allen Plätzen, eine Innenausstattung ohne unnötige Ablenkungen und eine inszenierte Lichtgestaltung lassen den Kinobesucher alles vergessen, bis auf eine Sache: den Film, für den er gekommen ist! Wie das Beleuchtungskonzept dies unterstützt, hat die Kino- und Lichtplanerin Anne Batisweiler erarbeitet.

Lesezeit: ca. 5 Minuten
Wolfgang Pulfer, München

Hightech für Ohr und Auge

Mitte Mai 2019 hat mitten in München im Multiplexkino Mathäser Deutschlands erstes Dolby Cinema eröffnet. Den Besucher erwartet hier ein herausragendes Kinoerlebnis: Ausgezeichneter 3D-Sound, exzellentes Bild, bequeme Ledersessel und eine gekonnte Lichtinszenierung garantieren höchsten Filmgenuss.

Bereits 2014 hatte das Konzept »Dolby Cinema« Weltpremiere. Dolby Laboratories, Inc., gegründet 1965, setzte damit neue, außergewöhnliche Maßstäbe im Sachen Kino. Im Zusammenhang mit »Dolby Surround Sound« kennen viele den Namen Dolby. Dem einen oder anderen ist auch »Dolby Atmos« ein Begriff. Hierbei handelt es sich um den sogenannten 3D-Sound, der ein unglaublich realistisches und dynamisches Klangerlebnis vermittelt, indem zahlreiche Lautsprecher im Raum verteilt werden. Im Dolby Cinema Saal München wurden dafür knapp 120 Lautsprecher an Decke und Wänden angebracht. Der neue Qualitätsstandard beginnt natürlich bereits bei den Tonaufnahmen zum jeweiligen Film in Studioqualität. Kein Wunder also, dass viele Besucher davon sprechen »Gänsehaut« zu bekommen, wenn sie in diese Klangwelt eintauchen.

Neben dem akustisch hohen Niveau hat Dolby zusammen mit dem Projektorenhersteller Christie auch an der Bildqualität geschraubt. Daraus entstand Dolby Vision: eine Dual-Laser-Projektion, doppelt so hell wie übliche Projektoren, mit außergewöhnlicher Tiefenschärfe, 500 mal stärkerem Kontrast und dem schwärzesten Schwarz (1.000.000:1 statt 2.000:1), das man sich bei einem mittels Licht produziertem Bild (eigentlich nicht) vorstellen kann. Gleichzeitig leuchtet das extrem breite Farbspektrum, als käme das strahlende Gelb oder Pink von einem ebensolchen Scheinwerfer direkt aus der Bildwand. Ein entsprechender Trailer vor dem Hauptfilm demonstriert dies auf eindrückliche Weise.

Eine Schleuse zwischen den Welten

Damit für den Besucher die Reise ins Filmabenteuer schon vor dem Film beginnt, erwartet ihn auf dem Weg in den Kinosaal noch eine ganz besondere Inszenierung. Auf dem Audio-Visual-Pathway – oder kurz AVP – gibt es ein gleichmäßig weiß leuchtendes Dolby Logo, aber der Eingangstunnel bietet noch zwei weitere Überraschungseffekte: einen beim Betreten um die erste Biege, und einen weiteren beim Verlassen des Tunnels, direkt am Eingang zum Saal. In dieser Schleuse zwischen den Welten drinnen und draußen begleiten den Besucher blaue, indirekte Lichtlinien links und rechts, oben und unten. Sie sind die einzige Lichtquelle neben den einstimmenden Filmsequenzen, die mittels mehrerer Projektoren an einer der gebogenen Tunnelwände gezeigt werden. Es ist ein sehr eindringliches Gefühl, so nah am Geschehen vorbei in den Saal zu gehen. Der AVP hilft dabei, die Hektik des Alltags hinter sich zu lassen, weckt Vorfreude und macht es einfach, sich auf das Filmerlebnis und die Kinoatmosphäre einzulassen. Zudem haben die Augen Zeit und Gelegenheit, sich an die zunehmende Dunkelheit zu adaptieren. Am Ende des Weges angekommen, breitet sich dann zu Füßen des Besuchers der Kinosaal aus.

Cove Light, Halo und Cocoon im Kinosaal

Eine umlaufende, indirekt leuchtende, blaue Lichtlinie, das sogenannte »Cove Light« hält den Saal visuell zusammen und endet im »Halo«, der, einem Heiligenschein gleich, die Bildwand umrahmt. Der an die Atmosphäre um unseren Blauen Planeten erinnernde Farbton dieses Lichteffekts wirkt magisch und wird liebevoll als »Dolby-Blue« bezeichnet. Die CI-Lichtfarbe von Dolby entspricht einer Wellenlänge 478nm mit einer Toleranz von ± 3nm.

Ganz wesentlicher Bestandteil eines Dolby Cinemas ist der Anspruch, den Besuchern ein größtmögliches, beeindruckend dynamisches Bild zu bieten, ohne Blendungen, Reflexionen oder unangenehme Ablenkungen im Sichtfeld. Dafür sorgt der sogenannte »Cocoon«. Eine matt schwarze, hyperbolische Stoffkonstruktion, die akustisch durchlässig ist, verbirgt die Wand- und Deckenlautsprecher mit ihren in verschiedenen Winkeln schräg abgespannten Flächen. Der Kokon erforderte besonders viel Detailarbeit bei Planung und Ausführung. Die zurückhaltenden Saaldecken und -wände erfüllen eine Vielzahl an Aufgaben. In sie sind eingebunden sind Saal-, Putz- und Sicherheitsbeleuchtung, Wand- und Deckenlautsprecher, Zu- und Abluft, Sprinkler, Rauchmelder, Piktogrammleuchten, Panikschalter, Raumluftfühler und Saaltableau. Und dies alles ist so gestaltet, dass man davon möglichst wenig sieht.

Die schmalen, in die Decke zurückversetzten LED-Lichtlininen mit schwarzem Abblendraster verschwinden in der Deckenfläche, sobald sie herunter gedimmt und ausgeschaltet werden. Mittels Lichtberechnungen konnten Ausstrahlungswinkel und Wattagen so abgestimmt werden, dass eine möglichst gleichmäßige Leuchtdichte auf den in unterschiedlicher Entfernung befindlichen Sesseln auftrifft. Gleichzeitig sollten sich auf den Wandflächen keinerlei Lichtkegel abbilden, ohne eine durchgängige Ausleuchtung der Stufengänge zu beeinträchtigen.

Auf dem Weg durch den Saal begleiten ebenfalls blau leuchtende Stufenkanten die Kinogäste zu ihren Sitzplätzen. Das mystische Licht strahlt dabei nach oben und nach unten, was den Stufen einen schwebenden Eindruck verleiht. Während der Vorstellung wird das untere Licht hiervon automatisiert weggeschaltet und das obere gedimmt, so dass es beim entspannten Filmgenuss keinesfalls stört. Es ist dann die einzige Lichtquelle, die überhaupt während der Vorführung noch als dezente Ausleuchtung akzeptabel ist.

7 Theke und Foyer mit RGBWW-LED-Beleuchtung an Decke, Säule und Möbeln Wolfgang Pulfer, München
Abb. 6 Nach oben und unten leuchtende Stufen und das Saalkonturlicht Wolfgang Pulfer, München
Abb. 5: Blick in den Dolby Cinema Saal mit den Lichtern in »Dolby Blue«. Ziel ist es, spektakuläre Bild- und Tontechnologien mit attraktivem Design und hohem Komfort zu verbinden. Wolfgang Pulfer, München
4 Überraschende Blickbeziehungen zwischen Mall und Foyer bzw. Lounge durch die »Bubbles« Wolfgang Pulfer, München
3 Die Dolby Cinema Lounge Wolfgang Pulfer, München
2 Blick ins Foyer des Dolby Cinemas mit dem Eingang in den Audio Visual Pathway (AVP) Wolfgang Pulfer, München

Und dazu ein passendes Foyer

Das Dolby Cinema im Mathäser Filmpalast ist das 211. seiner Art weltweit und das erste in ganz Deutschland. Mitte September 2019 sind es bereits 225 Dolby Cinemas weltweit, davon 27 in Europa. Doch das Münchner Dolby Cinema hat eine bemerkenswerte Besonderheit, nämlich ein passend zum Saal gestaltetes Foyer. Der klare Schwarz-Weiss-Kontrast des Dolby Logos am Eingang des AVP findet sich wieder, zum Beispiel in den weißen Möbeln aus Mineralwerkstoff mit ihren klaren Formen und den schwarzen Teppichböden in der Lounge und dem AVP. Die Theke mit den abgerundeten Kanten, alle Tische und die rollbaren Warenpräsenter, die bezüglich Form und Material aus einem Guss gestaltet sind, schmeicheln optisch wie haptisch. Punkte bzw. Kreise in verschiedenen Größen ziehen sich durch das Foyer und die Lounge: als Pünktchen in der Akustikdecke, als abgependelte Leuchtenringe oder als runde, weiße Tischplatten der Lounge. Und die satinierte Folienbeklebung, mit den verschieden großen und auf unterschiedlichen Höhen angeordneten Gucklöchern an der 3-seitigen Verglasung öffnet spannende und abwechslungsreiche Durchblicke, sowohl für die Fußgänger in der Mall, als auch für die Besucher im Foyer.

Die indirekten LED-Lichtlinien an der Decke entlang der Wände, der Fassaden und um die Säulen greifen im Standardbetrieb das »Dolby Blue« auf, werden hier jedoch aus RGBWW-LEDs gemischt. Mit Hilfe einer iPad-Steuerung, und passend zur jeweiligen Sonderveranstaltung, kann das gesamte Foyer auf Wunsch somit in eine andere Lichtfarbe getaucht werden. Einfach Kinoerlebnis auf höchstem Niveau!

Weitere Informationen:

Projekt: Deutschlands erstes Dolby Cinema im Mathäser, München, www.mathaeser.de

Bauherr: Kinopolis Multiplex Management & Co.KG, Darmstadt, www.kinopolis.de

Eröffnung: 11. Mai 2019

Kino- und Lichtplanung: Dipl.-Ing. (FH) Innenarchitektin, Dipl.-Designerin Anne Batisweiler, Kinoplanung Batisweiler München, www.kinoplanung.de

Fotos: Wolfgang Pulfer, München

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 9 | 2019

Erschienen am 25. November 2019