Planung
Licht 2 | 2021

Leuchtende Verbindung

Neue Beleuchtung für die Öresundbrücke

Zur Feier des 20-jährigen Jubiläums der Öresundbrücke wurde ein neues Beleuchtungssystem eingeweiht, für das das Planungsbüro Light Bureau mehrere Sonderlösungen erarbeitet hatte. Am Jubiläumsabend erstrahlte die Brücke in einem speziell entwickelten dynamischen Farbszenario, das von der natürlichen Umgebung der Brücke inspiriert war.

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Abb.: Seit 20 Jahren verbindet die Öresundbrücke Dänemark und Schweden. Seit letztem Jahr lässt ein modernes, energieeffizientes Beleuchtungssystem sie strahlen. Allan Toft, Light Bureau

Die Öresundverbindung ist die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen Dänemark und Schweden. Sie besteht neben einem vier Kilometer langen Tunnel auch aus der 7,85 Kilometer langen Öresundbrücke. Damit ist die Schrägseilbrücke mit einer kombinierten Straßen- und Eisenbahnverbindung eine der längsten der Welt. Sie ist von den Küsten um Kopenhagen und Malmö als auch aus der Luft beim Anflug auf den Kopenhagener Flughafen gut zu erkennen. Seit ihrer Einweihung im Jahr 2000 werden die vier Pylone des einzigartigen Bauwerks mit einer architektonischen Beleuchtung in Szene gesetzt.

Besondere Aufgabe mit engem Zeitplan

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums am 1. Juli 2020 entschied das Konsortium der Öresundbrücke im Herbst 2019, die alte Beleuchtungsanlage durch ein neues und modernes Beleuchtungssystem zu ersetzen, das langlebig und energieeffizient sein sollte. Zudem bestand der Wunsch, die Brücke um eine außergewöhnliche architektonische Lichtebene zu ergänzen und ihre Bedeutung als kulturelle Verbindung zwischen Dänemark und Schweden zu unterstreichen.

Nur sieben Monate vor dem Jubiläum wurde Light Bureau mit der Planung und Errichtung dieser neuen Komplettbeleuchtung beauftragt. Der ohnehin optimistische Zeitplan stand mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und anschließenden Lockdowns vor besonderen Herausforderungen. Ein starkes Projektmanagement und eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen allen Parteien waren erforderlich, um das Ziel rechtzeitig zu erreichen.

Abb.: Basierend auf den Spezifikationen verschiedener Hersteller wurden Muster der vielversprechendsten Leuchten bestellt und bis ins kleinste Detail geprüft und bewertet. Das Rennen machten dann besonders robuste RGBW-LED-Leuchten. Allan Toft
Abb.: Bei größeren Entfernungen werden Leuchten mit engstrahlender Optik verwendet, damit das Licht weiter oben auf den Masten ankommt und die Lichtverschmutzung reduziert. Allan Toft

Die entscheidende Wahl der Leuchten

Die ursprüngliche Beleuchtungsanlage saß hauptsächlich an den Auslegern der Brücke, genauer gesagt an den Teilen der Stahlkonstruktion der Brücke, die etwa drei Meter aus der Verkehrsabsperrung in die Luft ragen und die Brückenseile halten. Auch die neuen Leuchten sollten dort angebracht werden. Allerdings sind sie an dieser Stelle sehr exponiert und schwer zu erreichen. Hinzu kam, dass Light Bureau die Leuchten schnell beschaffen musste, um den Zeitplan einhalten zu können.

Die Planer fertigten ein gründliches Pflichtenheft für die neuen Leuchten an. Basierend auf den Spezifikationen verschiedener Hersteller wurden Muster der vielversprechendsten Leuchten bestellt und bis ins kleinste Detail geprüft und bewertet. Einige der Leuchten kamen am Ende nicht in Frage, da sie den rauen Wind- und Wetterbedingungen auf der Brücke nicht hätten standhalten können. Am Ende des Auswahlprozesses fand Light Bureau schließlich jedoch die geeigneten Leuchten für die Aufgabe.

Die Wahl fiel auf besonders robuste Leuchten mit RGBW-LEDs. Sie lassen sich per DMX steuern, die es erlaubt, mit einer großen Farbpalette und dynamischer Beleuchtung auf den Pylonen zu arbeiten. Es werden zwei Typen von Leuchten verwendet. Bei kürzeren Abständen zwischen den Pylonen und Leuchten werden Leuchten verwendet, bei denen das Licht vor der Optik gemischt wird. Dies führt zu einer gleichmäßigen Farbmischung auf kurze Distanz. Bei größeren Entfernungen werden hingegen Leuchten eingesetzt, bei denen das Licht hinter der Optik gemischt wird. Dadurch ist es möglich, eine engstrahlende Optik zu verwenden, damit das Licht weiter oben auf den Masten ankommt und gleichzeitig die Lichtverschmutzung reduziert wird.

Abb.: Die Beleuchtung auf den 203,5 Meter hohen Pylonen ist so konzipiert, dass sie von der Unterseite bis zur Oberseite der Pylone in 17 einzelne Segmente unterteilt werden kann. Dieses Design ermöglicht es, mit detaillierten Farbszenarien zu arbeiten. Allan Toft
Abb.: Die Wahl fiel auf besonders robuste Leuchten mit RGBW-LEDs. Sie lassen sich per DMX steuern, die es erlaubt, mit einer großen Farbpalette und dynamischer Beleuchtung auf den Pylonen zu arbeiten. Allan Toft, Light Bureau

Herausfordernde Tragseile und Schatten

Nachdem die passenden Leuchten gefunden waren, begann die endgültige Konfiguration der Leuchten. Eine große Herausforderung stellten dabei die Tragseile der Brücke dar. Diese sind entlang der Pylone angebracht und schirmen das Licht ab, was zu unerwünschten Schatten an der Fassade führt. Aufgrund dieser Gegebenheit war es fast unmöglich, das Licht gleichmäßig auf beiden Seiten der Seile zu verteilen. Hinzu kam, dass es für die Beteiligten schwierig war, auf die Ausleger der Brücke zu gelangen, um dort zu arbeiten, wo die Armaturen angebracht werden mussten.

Auf eine Probebeleuchtung, die für diese Aufgabe üblich ist, mussten die Planer verzichten. Durch präzise und gründliche Planung gelang es Light Bureau jedoch auch ohne Probe, die richtige Anordnung der Leuchten zu finden. Aus der Not wurde eine Tugend: Die Schatten wurden bewusst in der Lichtgestaltung eingesetzt und stehen im Einklang mit dem klaren und schlichten architektonischen Ausdruck der Brücke. Sie werden in der fertigen Anlage präzise als strenge vertikale Linien entlang der Mitte der Pylone nach oben gelenkt.

Feinabstimmung des Systems

Das neue Lichtsystem beleuchtet jede der acht Pylonfassaden mit 24 Leuchten, die gleichmäßig auf zwei speziell angefertigten Edelstahlrahmen verteilt sind. So wurden insgesamt 192 Leuchten auf der Brücke errichtet, verteilt auf 16 Rahmen. Die Hälfte der Rahmen wurde bereits zuvor verwendet und für das neue System umgebaut. Sie sind so konstruiert, dass sie komplett bestückt gehandhabt werden können. So konnte die Installation vorab geprüft und die Rahmen anschließend auf der Brücke transportiert und mit einem Kran montiert werden. Diese Methode sparte Zeit bei der Montage und vereinfacht in Zukunft Renovierungsarbeiten. Für die gleichmäßige Ausleuchtung an allen acht Fassaden, wurden alle Leuchten in mehreren Sommernächten im Mai und Juni individuell von Hubsteigern und Kletterern eingestellt.

Abb.: Die Rahmen, auf denen die Leuchten befestigt sind, wurden so konstruiert, dass sie komplett bestückt mit einem Kran montiert werden können. Allan Toft, Light Bureau

Zusätzlich zu den Leuchten wurde für das Projekt eine neue Elektroinstallation mit 59 neuen Schalt- und Verteilerschränken entworfen. Durch die Einrichtung einer Schnittstelle für das Lichtsteuerungssystem kann dieses von der Verkehrsleitzentrale der Brücke aus über das SCADA-System ferngesteuert werden. Damit konnte Light Bureau die Beleuchtung von der 3,5 Kilometer entfernten Insel Peberholm aus programmieren.

Große Energieersparnis, minimale Lichtverschmutzung

Das Beleuchtungsniveau kann sowohl in den Abend- als auch in den Nachtstunden eingestellt werden. Dadurch und dank der verwendeten LED-Technologie erwartet das Konsortium der Öresundbrücke eine Senkung des Energieverbrauchs um mehr als 80 Prozent. Bei Einbruch der Dunkelheit schaltet sich das Licht ein. Im Alltag wird die Brücke mit weißem Licht beleuchtet, das in den Abendstunden auf 75 Prozent und nachts auf 25 Prozent heruntergedimmt wird, um den Energieverbrauch weiter zu minimieren. Die Beleuchtungsanlage hat einen Energieverbrauch von rund 15 Kilowatt, entsprechend etwa einem Watt pro Quadratmeter beleuchtete Fassade.

Abb.: Im Alltag wird die Brücke mit weißem Licht beleuchtet, das in den Abendstunden auf 75 Prozent und nachts auf 25 Prozent heruntergedimmt wird. Allan Toft, Light Bureau

Um die Blendung und Lichtverschmutzung durch die Leuchten zu minimieren, entwickelte Light Bureau spezielle Abschirmungen. Sie bestehen aus ausziehbaren Lamellen, die das Reinigen des Leuchtenglases erleichtern und damit Lichtverluste durch Verschmutzung verhindern. Durch den Einsatz von engstrahlenden Optiken in Kombination mit der Abschirmung konnte die Lichtverschmutzung mit der neuen Beleuchtungsanlage deutlich minimiert werden. Der Effekt der Abschirmung ist an den Innenseiten der Pylone deutlich sichtbar, die dunkel und ohne Licht erscheinen.
Abb.: Speziell entwickelte Abschirmungen sollen die Blendung und Lichtverschmutzung durch die Leuchten minimieren. Sie bestehen aus ausziehbaren Lamellen, die das Reinigen des Leuchtenglases erleichtern und damit Lichtverluste durch Verschmutzung verhindern. Allan Toft, Light Bureau

Von der Natur inspiriertes Jubiläum

Die Beleuchtung auf den 203,5 Meter hohen Pylonen der Brücke ist so konzipiert, dass sie von der Unterseite bis zur Oberseite der Pylone in 17 einzelne Segmente unterteilt werden kann. Dieses Design ermöglicht es, mit detaillierten Farbszenarien mit Abstufungen über mehrere Farben zu arbeiten. Für das 20-jährige Jubiläum der Brücke wurde ein dynamisches Lichtszenario entworfen, das von den Farben des Himmels in der blauen und goldenen Stunde inspiriert wurde.

Das Jubiläumsszenario begann mit Nuancen von dunklem Blau, woraufhin sich langsam ein warmes, orangefarbenes Glühen von der Wasseroberfläche entlang der Pylone nach oben einstellte, das schließlich in weißes Licht überging. Zusätzlich wurde die Verbindung zwischen den beiden skandinavischen Ländern markiert, indem die Pylone in den dänischen und schwedischen Flaggenfarben erstrahlten.

Abb.: In der Jubiläumsnacht wurde die Verbindung zwischen den beiden skandinavischen Ländern markiert, indem die Pylone in den dänischen und schwedischen Flaggenfarben erstrahlten. Allan Toft, Light Bureau

Die Öresundverbindung schlägt eine Brücke zwischen Dänemark und Schweden. Mit der neuen Beleuchtungsanlage lässt sich die Öresundbrücke nun nach Belieben in Szene setzen, um nationale und gemeinsame Jubiläen, kulturelle Veranstaltungen oder ähnliche Anlässe zu zelebrieren und den Zusammenhalt in der Öresundregion zu stärken.

Weitere Informationen:

Projekt: Öresundbrücke

Auftraggeber: Øresundsbro Konsortiet

Lichtdesigner: Light Bureau, Teil von AFRY, London, www.lightbureau.com

Lieferant der Leuchten: LiteNordic / Martin von Harman

Textquelle: Henrik Rohde Nielsen, Frederik Waneck Borello

Fotos: Allan Toft, Light Bureau

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 2 | 2021

Erschienen am 25. März 2021