Design
Licht 8 | 2019

Leidenschaft für Glas & Licht

Avantgardistisches Design von Lasvit

Lasvit ist ein junges, tschechisches Unternehmen, das auf der Basis von traditioneller Glasverarbeitung gestalterisch neue Wege geht. Die LICHT-Redaktion traf den künstlerischen Leiter Maxim Velčovský zum Gespräch in Mailand auf der Euroluce 2019.

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Abb.: Installation »Traces« veränderte Licht und Farbe über eine digitale Steuerung. Katarína Fulínová und Kateřina Handlová bezogen die Messebesucher mit ein, sie konnten so ihre Spuren, »Traces« hinterlassen. Lasvit

Bei Lasvit erhält klassisches, böhmisches Glas eine ausdrucksstarke und ungewohnte Form. Die im Jahr 2007 von Leon Jakimič gegründete Firma greift zurück auf die jahrhundertealte Verarbeitung des filigranen Materials, doch gleichzeitig kommen neue Technologien zum Einsatz, die experimentelle Produkte hervorbringen.

»The Theory of Light«

In wenigen Jahren hat sich Lasvit am Markt weltweit mit Lichtskulpturen und Glasinstallationen etabliert, zum Portfolio zählen außerdem Leuchtenkollektionen, dekorative Objekte und limitierte Auflagen aus Glas. Das Unternehmen arbeitet auf internationaler Ebene mit Künstlern, Designern und Architekten zusammen. Auf der diesjährigen Euroluce wurden neben aktuellen Leuchtenentwürfen wie »Cipher« und »Glacier« vier großformatige Installationen vorgestellt. Die Ausstellung »The Theory of Light« befasste sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Licht, es ging um Einflüsse des Lichts auf den Menschen durch Reflexion und Wahrnehmung, durch das Spektrum und die Natur an sich.

Abb.:»Liana« ähnelt wuchernden, tropischen Pflanzen, fast wie Weinranken, die sich kletternd den Platz erobern: »Liana« ist auch das tschechische Wort für »Weinrebe«. Das Lichtobjekt kann jedem Raum angepasst werden. Lasvit

Von Glasschädeln und leuchtenden Lianen

»Unsere Kollektionen bewegen sich zwischen Science Fiction und Handwerkskunst«, beschrieb es Art Director Maxim Velčovský auf der Messe. Seit 2011 prägt er die künstlerische Vision von Lasvit, alte, überlieferte Verarbeitungstechniken mit zeitgenössischem Glasdesign zu verbinden. Maxim ist wichtiger Teil einer aufstrebenden Designszene in Tschechien, er hat an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag studiert und leitet dort noch das Studio für Keramik und Porzellan. Neben den Installationen, die er für den öffentlichen Raum und für private Objekte realisiert, entwirft er selbst Glas- und Leuchtenserien für Lasvit. »Memento Mori« von 2015 beschreibt einen transparenten Kronleuchter aus gläsernen Knochen und Schädeln. »Wenn du nicht mit Kunst arbeitest, stirbst du«, sagte er in Mailand. »Wir lieben es zu experimentieren und verwenden dabei auch unterschiedliche Technologien.«

Abb.: »Memento Mori« bedeutet so viel wie »erinnere dich an den Tod«. Maxim Velčovský interpretiert mit seinem Design den Kronleuchter als unsterblichen Klassiker neu, mit Knochen und Schädeln als Glasschmuck. Lasvit

Für seine Messe-Installation »Liana« beschäftigte er sich mit dem Phänomen der Biolumineszenz und versuchte, die natürliche Leuchtkraft von Glühwürmchen und Tiefseequallen einzufangen und auf ein Lichtobjekt zu übertragen. Er kreierte lange, schlanke Lianen aus Kupfernetz, in denen sich Glaskugeln befinden. In dichter Formation ließ er sie in Mailand zahlreich von der Decke hängen. »Liana« ist ein Symbol für den urbanen Dschungel, in dem wir leben«, so der Designer.

Die Manufaktur Lasvit bringt zeitgenössische Werke aus Glas hervor, restauriert aber auch historische Beleuchtungen in Schlössern, Kirchen, Konzerthallen, Banken und Hotels. Der Name leitet sich ab aus dem tschechischen Wort für Liebe, »LÁska« und für Licht, »Svit«.

Abb.: »Cipher« von Yabu Pushelberg aus Kanada ist als flexible Leuchtenkollektion angelegt, die sich umfassend konfigurieren lässt. Die Tischleuchten erinnern in ihrem futuristischen Design an kleine, gelandete UFOs. Lasvit
Abb.: Für Leuchte »Glacier« ließ sich der US-amerikanische Architekt William Pedersen von einer eigenen Gletscherexpedition nach Ellesmere Island in Kanada inspirieren. Das Glas besitzt die Anmutung von scharfkantigem Eis. Lasvit

Weitere Informationen:

www.lasvit.com

www.salonemilano.it

Fotos: Lasvit

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 8 | 2019

Erschienen am 25. Oktober 2019