Design
Licht 5 | 2019

La Luce

Nemo präsentiert ikonisches Licht in Firminy

Vor wenigen Jahren rief der italienische Leuchtenhersteller NEMO die Ausstellung LA LUCE ins Leben, im Zentrum stehen die Arbeiten von Le Corbusier und Charlotte Perriand zum Thema Licht. Dieses Jahr sind die Leuchten und zahlreiche Archivdokumente zum ersten Mal in einem Le Corbusier-Gebäude zu sehen: LA LUCE eröffnete am 22. März zur Internationalen Design-Biennale in Saint-Étienne und präsentiert sich noch bis 3. November 2019 in der Kirche Saint-Pierre in Firminy, Frankreich.

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Abb.: Das Erdgeschoss präsentiert die Arbeiten von Le Corbusier. Was ihn und Charlotte Perriand vereint: beide entwickelten Leuchten immer projektbezogen, für spezifische Gebäude- oder Interieurentwürfe. Charly Jurine

Die Ausstellung LA LUCE wurde erstmals während des Salone del Mobile 2015 im Showroom von NEMO in Mailand vorgestellt, Valentina Folli ist Kuratorin und entwarf das Format mit ihrem Studio UNA. NEMO produziert exklusiv Originaldesigns von Le Corbusier und Charlotte Perriand in subtilen Editionen und Re-Editionen innerhalb ihrer Master-Kollektion.

Abb.: Das Zwischengeschoss gibt Raum für Charlotte Perriands Werk. Kuratorin Valentina Folli (vorn im Bild, hier bei der Vernissage) sprach mit deren Tochter, Pernette Perriand Barsac, für den Aufbau von LA LUCE. Charly Jurine

Zwei Meister des 20. Jahrhunderts

LA LUCE stellte ursprünglich das auf Licht bezogene Werk der beiden bedeutenden Architekten und Designer in chronologischem Ablauf mit inhaltlichen Verknüpfungen vor. Die Ausstellung wanderte von Mailand weiter nach Genf, Kortrijk, Paris und Montpellier, um dieses Jahr erstmalig in einem von Le Corbusier entworfenen Gebäude zu erscheinen, der Kirche Saint-Pierre in Firminy. Federico Palazzari, CEO von NEMO, entwickelte diese Idee und brachte sie nach intensiver, mehrmonatiger Vorbereitung zur Realisation.

Die Kirche entstand im Rahmen von Le Corbusiers stadtplanerischen Schaffens in Firminy ab 1954; in naher Umgebung befinden sich weitere, namhafte Bauwerke des Architekten. Für den offenen Grundriss der Kirche musste das Format von LA LUCE angepasst werden. »Wir gaben jedem der Meister seinen eigenen Raum«, so Valentina Folli. Le Corbusiers Arbeiten sind im Erdgeschoss zu sehen, Charlotte Perriand nimmt das Zwischengeschoss ein. »So ist es möglich, Charlotte Perriands Design-Philosophie wirklich zu verstehen, ebenso wie Le Corbusiers Design-Entwicklung. Außerdem war es uns wichtig, Leuchten unterschiedlicher Art zu zeigen, die demselben Esprit entsprungen sind.« Valentina Folli studierte das Gebäude von innen und außen, um die ideale Platzierung jeder einzelnen Leuchte zu finden, sie orientierte sich nach der Anordnung der Fenster und nutzte vorhandene Anschlüsse.

Abb.: Für die Villa La Roche entworfene Wandleuchte »La Roche« nutzte Le Corbusier ein bestehendes Beleuchtungssystem für große Fenster. Die neue Edition von NEMO zeigt die ursprüngliche Form mit LED-Licht. Peggy Kirchenkamp

Authentizität bewahren

»Wenn du einen guten Job machen willst, dann nimmst du dir Zeit«, so Federico Palazzari. »Ich wollte nicht störend in die Architektur eingreifen, nicht zu aufdringlich sein oder zu viel tun. Es ging darum, der Öffentlichkeit den Geist, die Denkweise von Le Corbusier und Charlotte Perriand näher zu bringen, Le Corbusiers Architektur und Vorstellung von Licht zu zeigen und zu erklären – das war meine Intention.«

»Um diese Ausstellung möglich zu machen, tauchte ich in die Archive ab«, so Valentina Folli. LA LUCE zeigt Originalzeichnungen und Skizzen, unveröffentlichte Prototypen und Unikate und bietet erstmals einen Pfad für Kinder an. Die Kuratorin betreut auch die Editionen und Re-Editionen von NEMO, von denen zwei dieses Jahr auf der Euroluce vorgestellt wurden: Leuchten »La Roche« von Le Corbusier und »Appliques Cylindriques« von Charlotte Perriand. Sowohl die Ausstellung als auch die Lichtobjekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit der Fondation Le Corbusier und den Archives Charlotte Perriand. »Ich habe die große Verantwortung gegenüber NEMO, eine ‚korrekte‘ neue Version zu kreieren, ohne diese mit einer Retro-ähnlichen Annäherung zu vergiften«, sagt Valentina Folli.

Abb.: Wandleuchten »Appliques Cylindriques« von Charlotte Perriand zeigen deren Interesse an justierbarem Licht, der Metallschirm lässt sich verstellen. NEMOs neue Edition ist für verschiedene Lichtquellen (E14) geeignet. Charly Jurine
Abb.: Funktionalität und Minimalismus prägen die Leuchten beider Architekten. LA LUCE zeigt anschaulich deren Vorreiterrolle in Bezug auf die Einbindung von damals gebrauchsüblicher, industrieller Technik. Charly Jurine

Weitere Informationen:

NEMO, http://nemolighting.com

Fondation Le Corbusier, http://www.fondationlecorbusier.fr

Archives Charlotte Perriand

Site Le Corbusier Firminy, https://sitelecorbusier.com

Biennale Saint-Étienne, www.biennale-design.com

Foto Saint-Pierre (Außen): Gabriele Croppi; Fotos Ausstellung: Charly Jurine; Foto Leuchte »La Roche«: Peggy Kirchenkamp

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

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Licht 5 | 2019

Erschienen am 25. Juni 2019