Design
Licht 1 | 2019

KRISTALLINE KUNST

Das Designduo Zorya aus Prag ließ einen Leuchter heranreifen

»Von Staub zu Glitzer – oder: Wie ein Kristall-Lüster wächst« hieß die Ausstellung des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die vom 25. August bis 4. November 2018 im Schloss Pillnitz zu sehen war. Im Mittelpunkt stand ein opulenter Lüster – gestaltet aus gezüchteten Kristallen.

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Zdeněk Vacek und Daniel Pošta haben sich mit künstlerisch gefertigten Schmuckstücken international einen Namen gemacht. Zdeněk ist gelernter Goldschmied, Daniel hat Architektur und Design studiert. Beide arbeiteten bereits mehrere Jahre miteinander, als sie ihr Studio Zorya 2011 in Prag gründeten.

MIKRO-WELTEN MIT MAKRO-EFFEKT

Als damalige Leiterin des Dresdner Kunstgewerbemuseums konnte Tulga Beyerle die beiden Designer für eine Ausstellung in Pillnitz gewinnen. Sie hatte Zoryas Prototypen eines Lüsters aus gezüchteten Kristallen erstmals 2012 auf dem Prager Krehky Mikulov Art Design Festival entdeckt. Daniel und Zdeněk hatten bereits mit dem Vorgang kontrollierter Kristallisation experimentiert, ihre Schmuck-Kollektion »Virus« von 2011 beruht bis heute darauf. Diese Technik zu perfektionieren, nahm gute sechs Jahre Forschung in Anspruch.

ALCHEMIE IN NEUEM LICHT

Die Ausstellung in Schloss Pillnitz teilte sich in zwei Phasen auf. Im ersten Teil konnten die Besucher über den Zeitraum von drei Wochen dem Kristall-Lüster beim Wachsen zusehen. Die Designer schufen einen Aufbau aus 18 Edelstahlarmen und mehreren Gefäßen, in denen sich eine Lösung aus Kaliumaluminiumsulfat befand, insgesamt 5000 Liter. Die Arme wurden dort eingetaucht, und in Abhängigkeit von Zeit und auch Temperatur konnten sich langsam kristalline Strukturen auf dem Metall ausbilden. Die ersten Vorbereitungen dafür starteten bereits in Prag, Fotografin Karin Zadrick dokumentierte den Vorgang vom ersten Moment an und anschließend in Dresden.

In der zweiten Phase der Ausstellung folgte die Beleuchtung des Lüsters in einer offiziellen Zeremonie am 15. September 2018. Daniel erzählt: »Für den ersten Prototypen, der auf dem Krehky Mikulova Art Design Festival vorgestellt wurde, haben wir altmodische Edison-Glühlampen verwendet. Wir haben dort gemerkt, dass die Kristalle, die sich in der Nähe der Lampen befanden, durch die Hitze dunkel verfärbt wurden. Für den in Pillnitz vorgestellten Kronleuchter haben wir uns für LEDs entschieden, aufgrund der geringeren Temperatur.«

Für ein weiteres Beleuchtungsprojekt hatte Zorya auch mit Lichtquellen gearbeitet, die von den Kristallen bedeckt waren. »Das Schimmern des Lichts und die Reflexionen von Kristallen sehen jedoch am besten aus, wenn die Quelle nach außen gerichtet ist«, erklärt Daniel.

Das Video von Milan Chadima hält die Geschichte hinter dieser Kunstinstallation in stimmungsvollen Bildern filmisch fest: www.vimeo.com/290170949

Weitere Informationen:

www.zory.eu

www.skd.museum

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2019

Erschienen am 25. Februar 2019