Planung
Licht 2 I 2020

Kein »New Work« ohne »New Light«

Leistungsförderndes Licht am Arbeitsplatz

Gut ausgebildete, engagierte Mitarbeiter sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Geschäftserfolg. Das Ziel jedes Unternehmens muss es daher sein, Mitarbeiter zu motivieren und zu halten. Das gelingt nicht zuletzt mit einem modern ausgestatteten, freundlichen Arbeitsplatz, der optimal an die jeweiligen Bedürfnisse des Mitarbeiters angepasst ist. Eine wohltuende, konzentrationsfördernde Beleuchtung gehört unbedingt dazu. Denn gutes Licht, orientiert am natürlichen Tagesrhythmus, steigert sowohl Produktivität und Kreativität als auch Wohlbefinden und Gesundheit jedes Mitarbeiters.

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Abb.: Hochfunktionale Büroarbeitsplätze mit intelligenter Beleuchtung. Die Arbeitsplatzgruppen in der neuen Firmenzentrale von WIKUS wurden mit einem tageslichtabhängigem Lichtsystem ausgestattet. Foto: Markus Tollhopf Markus Tollhopf

Zeitgemäß gestaltete Arbeitsplätze, die dem »New-Work-Prinzip« folgen, sollen Mitarbeitern produktive Wohlfühlumgebungen bieten, in denen sie sich gerne aufhalten, entfalten und bestmöglich ihren Aufgaben nachgehen können. Dazu müssen Büroräume nicht nur strategisch geplant, sondern auch mit individuell zugeschnittene Lichtlösungen ausgestattet werden, die mit der modernen Einrichtung harmonieren und sowohl biologischen, praktischen als auch ästhetischen Anforderungen gerecht werden. Wie sich dies realisieren lässt, demonstriert das Team von Peter Andres Lichtplanung aus Hamburg anhand zweier Projekte. Die wichtigsten Werkzeuge der Spezialisten: Viel Knowhow über das Zusammenspiel verschiedener Lichtquellen und der Wunsch, das bestmögliche Licht für die Menschen zu schaffen. Das Prinzip »New Work« geht ohne »New Light« nicht auf. »Denn was nützen hochmoderne, fortschrittlich ausgestattete Büroräume, wenn das Licht die Mitarbeiter anstrengt, ermüdet oder sogar krank macht? Deshalb werde ich nicht müde, zu betonen, dass ‚New Light‘ wichtig ist, damit ‚New Work‘ nicht bloß ein Versprechen bleibt«, meint Lichtplaner Peter Andres.

Abb.: Kunstlichtkonzept auf Basis einer Tageslichtanalyse: Bei Oldendorff Carriers wurde an jedem Arbeitsplatz eine identische Lichtqualität geschaffen, u. a. durch deckenintegrierte Flächenleuchten mit tageslichtfarbigen LED-Komponenten und zusätzlichen LED-Einbaudownlights. Foto: Maissa Fall MAISSA FALL
Abb.: Eine umlaufende Deckenvoute illuminiert die Holzrückwand in den großzügigen Räumen bei Oldendorff Carriers. Foto: Maissa Fall MAISSA FALL

Gesundes Arbeiten im denkmalgeschützten Emporio

Das großzügige Open Office von Oldendorff Carriers, beheimatet im 22. Stock des Hamburger Bürohochhauses, sollte komplett neugestaltet und ausgestattet werden. Hier war eine passende Lichtlösung gefragt, die ideal zu der neuen Innenarchitektur passt und die Besonderheiten des Gebäudes berücksichtigt. »Gemeinsam mit den Lichtexperten von Peter Andres wollten wir Räume schaffen, in denen jeder Mitarbeiter von der gleichen guten Lichtqualität profitiert und dadurch überall optimale Arbeitsbedingungen vorfindet«, betont Henning Oldendorff, Chairman von Oldendorff Carriers. »Bei der detaillierten Tageslichtanalyse, die uns stets als Grundlage für unsere Arbeit dient, kam heraus, dass der durchschnittliche Tageslichteintrag eher dürftig ausfällt – dies resultiert aus der ‚energieoptimierten‘, aber mit geringer Lichttransmission ausgestatteten Verglasung einerseits und der gewünschten Büronutzung der vollen Raumtiefe andererseits«, erläutert Andres seine Strategie. »Um dennoch ideale Lichtbedingungen für die zahlreichen Arbeitsplätze zu schaffen, definierten wir, basierend auf der Analyse, drei Zonen: In Fassadennähe planten wir mit 500 lx, in der Innenzone mit 1.000 lx und in der Zwischenzone, die noch eine geringe Tageslichtversorgung hatte, mit 750 lx. In Kombination mit dem Tageslicht kann so in allen drei Zonen eine horizontale Beleuchtungsstärke von mindestens 1000 lx an mindestens 3 Stunden am Tag erreicht werden.«

Deckenintegrierte Flächenleuchten mit warm- und tageslichtfarbigen LED-Komponenten sowie warmfarbige direkte LED-Einbaudownlights liefern wohldosiertes Kunstlicht und gleichen das in der Raumtiefe ansteigende Tageslichtdefizit aus. Dadurch wird die biologische bzw. melanopische Wirkung sichergestellt: Die Mitarbeiter erreichen die angestrebte Wachphase, in der sie konzentriert, aktiv und leistungsfähig sind. Die Lichtsysteme sind nicht nur effizient und wirksam, sie erzeugen auch eine sog. »Schönwetter-Lichtstimmung« – die wohldosierte Kombination von diffusen (=Himmelslicht) und gerichteten (=Sonnenlicht) Lichtanteilen. »Auf diese Weise fügt sich unser Lichtdesign stimmig in das anspruchsvolle Gesamtkonzept und untermalt die freundliche, harmonische Atmosphäre«, freut sich Maja Weßels, Lichtplanerin und Mitgesellschafterin bei Peter Andres.

Abb.: Für den futuristisch gestalteten Empfangsbereich bei WIKUS wählten die Lichtplaner Downlights und Ringleuchten. Foto: Markus Tollhopf Markus Tollhopf
Abb.: Dekorative Beleuchtung mit Kugelleuchten in der Lounge. Die Mischung von direktem und diffusem Licht sorgt für angenehme Lichtstimmung. Foto: Markus Tollhopf Markus Tollhopf

Hochwertiges Licht, das zum Qualitätsanspruch passt

Mit dem Lichtkonzept für die neue Firmenzentrale des Weltmarktführers WIKUS liefern die Hamburger Lichtexperten ein weiteres Beispiel für den Erfolg des »New-Work-New-Light-Prinzips«. Die überzeugende, verlässliche Qualität, für die der Sägebandhersteller seit Jahrzehnten steht, zeigt sich auch in der Gestaltung der hochmodernen Bürolandschaft: Offene, helle Räume bieten viel Raum für Kommunikation, Kreativität und persönliche Entfaltung. Dazu wurde die Clean Desk Policy eingeführt: Feste Schreibtischplätze gibt es nicht mehr, die Mitarbeiter können ihren Arbeitsplatz jederzeit frei wählen. Dafür stehen Einzelschreibtische, Arbeitsplatzgruppen, Loungebereiche und Besprechungsräume zur Verfügung. Eine solch innovative Arbeitsplatzgestaltung und -organisation erfordert neben einer ausgereiften Akustiklösung auch ein ebenso fortschrittliches Lichtkonzept. Für Peter Andres und sein Team eine besondere Herausforderung. »Auf einer Bürofläche von 2.600 Quadratmetern für alle Mitarbeiter annähernd identische Licht-Bedingungen zu schaffen, war keine leichte Aufgabe«, erinnert sich Andres. »Um für jeden einzelnen Arbeitsbereich die ideale Beleuchtungssituation schaffen zu können, brauchten wir ein bis ins kleinste Detail geplantes System, das sowohl das erforderliche Kunstlicht als auch dessen Interaktion mit dem Tageslicht einbezieht.«



Auch hier basierte die Planung des Konzepts auf den Ergebnissen einer umfangreichen Tageslichtanalyse. Wie bei Oldendorff Carriers, erfolgte anschließend eine Aufteilung in drei Zonen, in denen jeweils 500 lx, 750 lx und 1000 lx zum Tageslicht hinzugesteuert werden sollten. Um eine konstante Lichtversorgung entsprechend dem natürlichen, biologischen Rhythmus sicherzustellen, messen nun Fühler die Stärke und Präsenz des einfallenden Tageslichts. Darauf basierend wird eine flexible Kombination aus Sonnenschutz, Blendschutz und wohldosiertem Kunstlicht gesteuert, die einen optimalen Beleuchtungszustand herstellt. Diffuses, direktes und indirektes Kunstlicht gehen eine gezielt geplante und gesteuerte Symbiose mit dem Tageslicht ein, sodass die Mitarbeiter stets vom verfügbaren Maximum des dynamischen natürlichen Lichts profitieren. Beide Raumkonzepte bargen hohe bauliche Anforderungen an die Lichtplanung, die das Team von Peter Andres Lichtplanung mit viel Fingerspitzengefühl, Kreativität und Weitblick meisterten.

Abb.: Fließende Übergänge zwischen Lounge- und Arbeitsbereichen bei der neuen Firmenzentrale von WIKUS. Markus Tollhopf

Weitere Informationen:

Peter Andres Unabhängige Lichtplanung und -beratung GbR, Hamburg, www.andres-lichtplanung.de

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Licht 2 I 2020

Erschienen am 28. Februar 2020