Technik
Licht 6 | 2019

Internet per Licht

LiFi auf dem Weg in den Massenmarkt

Ende Juli 2019 haben Unternehmen und Partner aus der Wissenschaft die Arbeit im neuen EU-Konsortium ELIoT (Enhance Lighting for the Internet of Things) aufgenommen. Das dreijährige Projekt hat zum Ziel, auf Basis von LiFi Massenmarktlösungen für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) zu entwickeln.

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Mehr Bandbreite für das IoT

LiFi ist eine vernetzte drahtlose Kommunikationstechnologie, die Licht statt Funkwellen nutzt. LiFi ist für die Datenübertragung in vielen kommerziellen und industrielle Applikationen geeignet, selbst Außenanwendungen sind denkbar. Gerade angesichts des exponentiellen Wachstums von Geräten und Daten im IoT kann LiFi die ohnehin schon sehr ausgelasteten Bandbreiten von WiFi und Mobilfunk entlasten. LiFi ist zudem eine interessante Option für Umgebungen, in denen Funkfrequenzen nicht eingesetzt werden können oder dürfen, und es bietet interessante Sicherheitsmerkmale, da Licht keine Wände durchdringen kann – was im Raum ist, bleibt im Raum. Die Geschwindigkeit der Kommunikation mit modulierten Lichtwellen anstelle kann deutlich über der Datenrate von Funksignalen (wie WLAN, 4G/5G, Bluetooth usw.) liegen.

Das ELIoT-Projekt ist Teil des großen EU-Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020. ELIoT erhält 6Mio.€ Förderung von der öffentlich-privaten Partnerschaft Photonics21. Zu den Partnern zählen Signify (früher Philips Lighting), Nokia, MaxLinear, Deutsche Telekom, KPN, Weidmüller, LightBee, die Universität Oxford, die Technische Universität Eindhoven und die beiden Fraunhofer-Institute Heinrich-Hertz-Institut HHI und FOKUS. Weitere Unternehmen werden in Kürze als assoziierte Partner folgen.

Abb.: Analog zu den Anfangszeiten von WiFi sind für den Datenempfang via LiFi derzeit noch solche USB-Dongle erforderlich. Das Bild zeigt die Lösung von Zumtobel und pureLiFi. Perspektivisch könnten LiFi-Empfänger und Sender zur Standardausstattung von Laptops, Tablets und Smartphones gehören. (Quelle: Zumtobel) Zumtobel

Abb.: Der Plugin-Transceiver für das System »Trulifi 6002« wird in die LED-Leuchte eingesteckt. (Foto: Signify) Signify

Erste marktreife Lösungen

Erste marktreife LiFi-Lösungen sind bereits verfügbar. So hat Signify auf seinen Innovation Days Mitte Juni in Eindhoven unter dem Namen »Trulifi« eine Reihe an LiFi-Systemen vorgestellt, die durchweg an professionelle Anwendungen adressieren. Die neue Produktreihe umfasst Trulifi-kompatible Leuchten, die eine drahtlose Verbindung mit bis zu 150 Mbps über große Bereiche wie Konferenzräume oder Büroetagen hinweg ermöglichen. Dank nahtloser Übergabe zwischen allen Trulifi-kompatiblen Leuchten können sich die Nutzer frei im Raum bewegen. Um das LiFi-Signal zu empfangen, wird ein USB Access Key benötigt, der an einem Laptop angeschlossen wird und gleichzeitig dazu dient, Daten an die Leuchte zurückzusenden. Weiterhin umfasst die Trulifi-Reihe eine Lösung, die nicht mit der Allgemeinbeleuchtung verknüpft ist. Dieses Punkt-zu-Punkt-System mit bis zu 250 Mbps kann zum Beispiel Robotern oder Maschinen in für Funkfrequenzen kritischen Umgebungen wie Industrieanlagen oder Krankenhäusern verbinden.

»Wir glauben, dass LiFi in einer zunehmend vernetzten digitalen Welt eine maßgebliche Rolle spielen wird«, konstatiert auch Alfred Felder, CEO der Zumtobel Group. Bei einer ersten Testserie kooperierte der Leuchtenhersteller mit dem schottischen Unternehmen pureLiFi und hat dessen System in seine LED-Leuchten integriert. Im Ergebnis wird für die Datenübertragung die Helligkeit der LED-Leuchte in einem für das menschliche Auge nicht sichtbaren Bereich moduliert.

Fazit

Das Anliegen von ELIoT, die LiFi-Technologie für den Massenmarkt zu erschließen, passt bestens zu einer Prognose des Marktforschungsunternehmens Global Market Insights nach der der LiFi-Markt bis 2025 ein Volumen von 75 Mrd. US-Dollar haben soll. Dass es rasant vorwärts geht, beweist ein Optical Front End von pureLiFi, das so klein ist, dass es in Smartphones integriert werden kann und 1 Gbps Übertragungsgeschwindigkeit bietet. Ein spezieller USB-Dongle für LiFi wäre damit nicht mehr erforderlich und die Tür für den Massenmarkt ein weiteres Stück aufgestoßen.

Weitere Informationen:

www.hhi.fraunhofer.de

www.signify.com

www.zumtobel.com

https://purelifi.com

https://lightcommunications.org

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 6 | 2019

Erschienen am 26. August 2019