Planung
Licht 5 | 2021

Inszenierung mit Fernwirkung

Farbige Illumination der Coronado Bay Bridge

Mit einer Länge von 3,4 Kilometern verbindet die Coronado Bay Bridge San Diego mit der Stadt Coronado. 1969 eröffnet, wurde die Brücke ob ihrer beeindruckenden Konstruktion als Spannbeton-Stahl-Balkenbrücke schnell zum Wahrzeichen Kaliforniens und war bis 2008 die weltweit größte Brückenkonstruktion dieser Art. In einem ersten Testlauf wurden im November 2020 drei der insgesamt 32 Stützen des beeindruckenden Brückendesigns mit einem dynamischen Farbszenario illuminiert, das in Zusammenarbeit von Speirs Major, Buro Happold und dem Künstler Peter Fink entwickelt wurde.

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Speirs Major/Pro-Cal Lighting
Abb.: Die Vision von Lichtplanern und Künstler in die Tat umzusetzen, wurde für die Ingenieure von Buro Happold zu einer echten Herausforderung. Neben der technischen Umsetzung für die gesamte Brückenlänge mit 32 Stützen mussten zugleich die strengen Energievorgaben des Staates Kaliforniens eingehalten und obendrein das Streulicht minimiert werden, um das ökologische Gleichgewicht der Bay Area und der angrenzenden Küstenregion nicht zu stören. Speirs Major/Pro-Cal Lighting

Bereits 2010 erfolgte die internationale Ausschreibung für die Inszenierung des kalifornischen Wahrzeichens. Die imposante Brückenkonstruktion sollte zukünftig durch ein kreatives Beleuchtungsszenario besonders bei Dunkelheit visuell in den Vordergrund rücken. Zugleich musste die Lichtplanung den strengen Richtlinien der kalifornischen Energiekommission entsprechen und höchst energieeffizient und umweltfreundlich sein. Die Beleuchtung durfte nicht störend in das ökologische Gleichgewicht der Bay Area und der Küstenregion eingreifen, und schließlich sollte die Lichtgestaltung der Coronado Brücke ein künstlerisches Statement in der Bay Area setzen.

So erfolgte eine kreative Partnerschaft zwischen den Lichtplanern von Speirs Major, den Ingenieuren von Buro Happold und dem Künstler Peter Fink, der für seine Kunstinstallationen im urbanen Raum bekannt ist. Die geballte Kombination von technischem Know-how, langjähriger Erfahrung und künstlerischer Kreativität mündete in einem dynamischen Beleuchtungskonzept, das alle strikten Vorgaben erfüllt, das mit seiner kreativen Lichtgestaltung klar überzeugte und schließlich den Wettbewerb gewann.

Energieeffiziente Architekturbeleuchtung

In der Planungsphase fanden zuerst an einem maßstabsgetreuen Mock-up zahlreiche Beleuchtungsstudien mit der Lichttechnik verschiedener Hersteller statt. Diese wurden bis ins Detail geprüft, um die besten LED-Leuchten zu evaluieren, die auch in harscher Umgebung die geforderten Spezifikationen für das Projekt gewährleisten. Außerdem sollten sie mit ihrer hohen Lichtleistung den visuellen Aspekt der Fernwirkung erfüllen.

Der erste Testlauf fand im November 2020 statt. Dazu wurden drei der insgesamt 32 Stützpfeiler mit 61 Metern Höhe mit Color Kinetics Lichttechnik von Signify illuminiert. Die vernetzten Lichtpunkte können einzeln angesteuert werden und ermöglichen so atmosphärische Lichtszenen mit unterschiedlichen, dynamischen Farbeffekten. Um den strengen umweltschützenden Vorgaben zu genügen, wurden die LEDs im Vorfeld modifiziert. Buro Happold entwickelte ein spezielles Montagesystem, das während des Aufbaus in luftiger Höhe eine sichere Installation der mehr als 1400 Lichtquellen gewährleistet und minimal in das Tragwerk eingreift.

Die Energiezufuhr für das programmierbare Beleuchtungskonzept erfolgt über Solaranlagen, die auf zahlreichen Gebäuden im Hafen von San Diego installiert sind. Das Projekt wurde auf Initiative des Port of San Diego und des California Department of Transport ins Leben gerufen und stand wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie und der einhergehenden Lockdowns neben der Einhaltung strikter Vorgaben vor zusätzlichen Herausforderungen. Das überzeugende Ergebnis ist dem starken Projektteam und der reibungslosen Zusammenarbeit aller Partner zu verdanken. Mit dem ersten Testlauf konnte das Planungsteam die schier unendliche Bandbreite der Beleuchtungsszenarien ausloten und gleichzeitig die umweltbedingten Auswirkungen genau überprüfen.

Die eindrucksvolle Illuminierung von nur drei Stützen im November wurde von der Öffentlichkeit begeistert aufgenommen und gab den Bewohnern der Bay Area bereits einen Vorgeschmack auf die unverwechselbare Inszenierung ihres Wahrzeichens, die für dieses Jahr geplant ist. Der Einsatz hochmoderner Lichttechnik hat gezeigt, dass ein Projekt dieser Größenordnung auch umweltfreundlich, höchst energieeffizient und nachhaltig realisiert werden kann. Zugleich rückt die Ästhetik der Konstruktion durch eine beeindruckende Lichtgestaltung in den Vordergrund und wird so zu einem visuellen Zugewinn für den urbanen Raum.

Weitere Informationen:

Auftraggeber: Port of San Diego und California Department of Transportation

Projektteam: Speirs Major, www.smlightarchitecture.com; Buro Happold, www.burohappold.com; Peter Fink, www.studiofink.eu

Lieferant Testlauf: Signify, www.signify.com

Fotos: Speirs Major/Pro-Cal Lighting

Autorin: Katrin Labus, Niederlande

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 5 | 2021

Erschienen am 25. Juni 2021