Design
Licht 1 | 2022

Im freien Fluss

Vibia-Kollektion »Plusminus« von Stefan Diez bringt Licht überall in den Raum

Ein Textilband, das Strom leitet, ein paar Lichtobjekte und ergänzende Accessoires: aus diesen Komponenten besteht Leuchtenserie »Plusminus«. Hört sich einfach an, doch das System, das so leicht erscheint, ist raffiniert aufgebaut und erforderte intensive Forschung.

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Abb.: Im November 2021 zeigte Diez Office die Ausstellung »4th Wall« im Münchner Preysing Palais. Dort wurde die gestalterische Vielfalt von »Plusminus« in fünf atmosphärischen Installationen gezeigt. Foto: Monika Höfler Monika Hoefler

Die Zusammenarbeit mit Pere Llonch, CEO und Inhaber des spanischen Leuchtenlabels Vibia, und dem Münchner Designer Stefan Diez begann vor ein paar Jahren mit der preisgekrönten Leuchte »Guise«. Ihr gemeinsames Folgeprojekt »Plusminus« startete im Jahr 2018, zur Euroluce im April 2019 wurde der Prototyp erfolgreich vorgestellt.

Außerhalb der Norm denken

Bei »Plusminus« ging es darum, Licht im Raum zu vereinfachen. Wie lässt sich Strom noch auf andere Weise leiten, wie Licht möglichst elegant überall in den Raum bringen, ohne von einer festgelegten Installation abhängig zu sein? Nach vielen Experimenten kam der Gedanke auf, Leuchten durch ein Textilband frei im Raum zu verlegen. Das müsste stromführend sein, was es in dieser Form nicht gab. Diez Office und Vibia holten sich Unterstützung beim Berliner Textile Prototyping Lab, ein Spezialist für High Tech-Textilien. So entstand ein ästhetisches Textilband, das tragfähig und stromleitend ist und an dem über ein Clip-Verbindungssystem die Leuchten angebracht und frei positioniert werden können. Mittlerweile wird es in Spanien hergestellt.

Ende Oktober 2021 wurde die ausgereifte Kollektion im Vibia-Showroom in Barcelona präsentiert. Stefan Diez und Pere Llonch beschrieben den Entstehungsprozess von »Plusminus«, der von einer engen und sehr guten Teamarbeit geprägt war – auch unter schwierigsten Lockdown-Bedingungen.

Abb.: Über eine spezielle Clip-Verbindung wird der Kontakt zur Stromführung hergestellt. So lassen sich auch die Bänder miteinander verbinden, um das Licht nach Wunsch zu konfigurieren und intuitiv zu lenken. Vibia
Abb.: Mit der Toolbox aus Bändern, Leuchten, Verbindungen und Halterungen ergibt sich eine schier endlose Vielzahl individueller Beleuchtungslösungen. Lediglich ein herkömmlicher Stromanschluss ist für »Plusminus« nötig. DANIELA TROST

Ein System mit hohem Potential

»Plusminus« ist ein Toolkit für unterschiedlichste Beleuchtungslösungen – ob für professionelle architektonische Beleuchtung oder für die private Nutzung. Fünf Leuchtentypen stehen zur Wahl: eine Kugel- und Halbkugelleuchte, Pendelleuchte »Cone«, ein Strahler sowie lineare Leuchten in diversen Längen – als Allgemeinbeleuchtung oder für den Officebereich. »Auch die Elektronik ist modular aufgebaut. Die Basiselemente sind in jeder Leuchte enthalten, mit einem Chip, der sie steuert«, erklärt Stefan Diez im Interview vor Ort. Jedes Lichtobjekt lässt sich separat an- und ausschalten oder dimmen, die Farbtemperatur liegt zwischen 2.700 und 3.500 K. »Das ganze System lässt sich problemlos ausbauen und updaten, etwa mit Casambi oder DALI«, so der Designer.

Multidimensionales Licht

Um die ideale Lichtlösung zu finden, stellt Vibia einen Konfigurator bereit, der für jede individuelle Kombination alle nötigen Elemente automatisch zusammenstellt. 30 Programmierer haben etwa zwei Jahre daran gearbeitet. Auf diesem Baukastenprinzip basiert »Plusminus« – am Ende ein digitales Produkt. »Wir haben eine neue Sprache, eine Art Alphabet kreiert. Jetzt können wir loslegen zu schreiben. Viele Dinge sind jetzt schon möglich – aber wir arbeiten hier an einem Projekt, das wohl niemals wirklich fertig sein wird. Die Zukunft von ‚Plusminus‘ ist seine Weiterentwicklung «, so Stefan Diez.

Abb.: Fünf Leuchtentypen stehen zur Wahl: eine Kugel- und Halbkugelleuchte, Pendelleuchte »Cone«, ein Strahler sowie lineare Leuchten in diversen Längen. Vibia
Abb.: »Plusminus« ist ein Beleuchtungssystem, das höchsten Spielraum bei der Lichtgestaltung bietet. Es lässt sich in alle Richtungen führen, in Form von Raumteilern oder auch großformatigen Installationen. Simon Garcia · arqfoto

Weitere Informationen:

Diez Office, www.diezoffice.com

Vibia, www.vibia.com

Textile Prototyping Lab, www.textileprototypinglab.com

Fotos: Vibia, Monika Höfler

Text und Interview: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2022

Erschienen am 25. Februar 2022