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Licht 3 | 2021

Illuminated Landmark

Gletscherexpress im neuen Licht

Luca Menke ist Student an der HAWK Hildesheim und begeisterter Skifahrer. Bei einem seiner Besuche im Pitztal kam er auf eine interessante Idee für seine Abschlussarbeit – ein neues Lichtkonzept für den Gletscherexpress. Mehr Wiedererkennungswert für das Pitztal und eine emotionswirksame Beleuchtung für die Besucher sollen den Gletscherexpress, aber auch andere Bahnen attraktiver machen. Das Projekt »Illuminated Landmark« wurde mit dem »LUXI – Der LICHT-Preis 2020« in der Kategorie Lichtkonzept prämiert.

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Abb.: Beim einem seiner Besuche im Pitztal kam dem Lighting Design-Studenten und begeisterten Skifahrer Luca Menke die Idee zum illuminierten Gletscherexpress. Luca Menke

Luca Menke studiert im Masterstudiengang Gestaltung mit der Vertiefung Lighting Design an der HAWK Hildesheim. Im Sommer 2019 beendete er sein Bachelorstudium mit einem Lichtgestaltungskonzept für den Gletscherexpress im Pitztal. In dem praxisnahen Studium werden, in Verbindung zur Lehre, verschiedene Lichtkonzepte für realistische Bauprojekte entworfen, sodass er sich auch für eine solche Arbeit in seiner Abschlussarbeit entschlossen hat.

Als begeisterter Skifahrer besucht Luca regelmäßig das Pitztal, und bei einer der Gletscherfahrten fiel ihm auf, dass der Gletscherexpress ein potenzielles Objekt für seine Abschlussarbeit wäre. Denn die Fahrt mit der Bahn schien nicht nur ihm unangenehm, was die Beleuchtung und Gestaltung betreffen. Zudem fehlt es dem Pitztal an einer repräsentativen Bahn mit hohem Wiedererkennungswert. Selbst Veranstaltungen auf der Bergstation könnten umgesetzt und dank einer attraktiv gestalteten Bahn unterstrichen werden, die die Besucher bereits im Tal mit stimmungsvollem Licht abholt.

Anfang 2019 nahm Luca Menke Kontakt zu den Bergbahnbetreibern auf, um für sein Vorhaben Hintergrundinformationen und Baupläne einzuholen. Das Licht- und Gestaltungskonzept bezieht sich auf den Innen- und Außenbereich der Talstation, den Tunnel der Bahn und den Innenbereich der Bergstation. Seine Arbeit soll einen Denkanstoß geben, um nicht immer neue Bergbahnen zu bauen, sondern auch bestehende Bauten sinnvoll umzugestalten. Gerade im Pitztal lohnt es sich, die unterirdische Bergbahn, die eine Rarität in der Seilbahngeschichte darstellt, in ein Objekt mit hohem Wiedererkennungspotenzial zu verwandeln.

Abb.: Nach außen hat die Anlage nun Wiedererkennungswert. Die Illuminierung des Schriftzugs mittels Retroreflexfolie interagiert mit dem Betrachtenden. Bewegt er sich im Reflexionsbereich leuchtet der Schriftzug auf (s. Lageplan). Luca Menke
Luca Menke

Emotion als Stellschraube des Designs

Sowohl die Berg- als auch Talstation erhalten eine komplett neue Gestaltung durch Akustikleuchten und die Inbezugnahme der Decken. Trotz gleichem Leuchtenlayout unterscheiden sich die beiden Stationen essenziell in ihrer individuellen Wirkung. Eine dynamische Beleuchtung verbindet die beiden Stationen mit der Bahn. Der Entwurf basiert auf einer tiefgründigen Analyse der Besuchenden. Diese empfinden unterschiedliche Emotionen auf der Tal- und auf der Bergfahrt. Diese Emotionen werden als wichtige Stellschrauben ins Lighting Design übersetzt, woraus sich der Entwurf ergibt. Er entsteht durch die Emotionen der Nutzer. Unterschiedliche Atmosphären, die durch Licht geschaffen werden, stimmen die Besucher auf das Erlebnis auf dem Berg und im Tal ein.

Die Talstation »Innen« holt den Nutzer im »gemütlichen« Tal ab. Die schwarze Decke mit orangen Akustikleuchten und einem warmen, szenografischen Licht bilden den Kontrast zur belebenden Bergstation. Ein weiteres Gestaltungselement ist ein neuer Schriftzug mit Retroreflexionsfolie, der außen an der Talstation angebracht wird. Die Folie wird aus Richtung des Parkplatzes beleuchtet, sodass einzelne Buchstaben aufleuchten, wenn sich der Betrachter im Bereich der Reflexion bewegt. Außen ist eine neue Lichtanlage notwendig, um Lichtimmissionen in der natürlichen Umgebung zu reduzieren.

Die Bergstation »Innen« symbolisiert pures Gletschererlebnis, Ausblick und Aktivität – einen energiegeladenen Tag. Das Leuchtenlayout ist das gleiche wie in der Talstation, allerdings ist es hier mit blauem Akustikmaterial ausgestattet. Die weiße Decke, die mit indirektem Licht und kalter Farbtemperatur bespielt wird, weckt Assoziationen zum Gletscher.

Die Bahn ist das verbindende Element zwischen den beiden Stationen. Durch zwei Lichtlayer (Beleuchtung: Tunnelwand und Wagen) wird die Bergbahn während der Fahrt durch eine dynamische Beleuchtung illuminiert. Wechselnde Lichtverhältnisse sorgen für einen Spannungsbogen während der Fahrt.

Die mit realistischen Mitteln entworfene Arbeit setzte eine genaue Begutachtung und Analyse der bestehenden Anlage voraus. Zudem hat der Student Lichtexperimente an der HAWK durchgeführt, um die Umsetzbarkeit des Projekts sicherzustellen. In den Bergen werden immer mehr Bergbahnen gebaut, um noch mehr Skigebiete zu erschließen. Der Entwurf von Luca Menke soll zum Umdenken anregen. Nicht immer ist ein Neubau nötig. Auch mit einer Umgestaltung von bestehenden Anlagen lässt sich ein deutlicher Mehrwert für Betreiber und Nutzer schaffen. Die Bahnbetreiber waren sehr angetan von der Arbeit des Studenten und freuen sich über weiteren Input.

Abb.: Die Talstation »Innen« holt den Nutzer im »gemütlichen« Tal ab. Die schwarze Decke mit orangen Akustikleuchten und einem warmen, szenografischen Licht bilden den Kontrast zur Bergstation. Luca Menke
Abb.: Die Bahn ist das verbindende Element zwischen den Stationen. Durch zwei Lichtlayer (Beleuchtung: Tunnelwand und Wagen) wird die Bergbahn während der Fahrt durch eine dynamische Beleuchtung illuminiert. Luca Menke
Abb.: Die Bergstation »Innen« symbolisiert Gletschererlebnis, Ausblick und Aktivität. Das Leuchtenlayout ist mit blauem Akustikmaterial ausgestattet. Die weiße Decke, welche mit indirektem Licht und kalter Farbtemperatur bespielt wird, weckt Assoziationen zum Gletscher. Luca Menke

Jurybegründung »LUXI – Der LICHT-Preis 2020«

Mit seinem Konzept »Illuminated Landmark« lädt Luca Menke buchstäblich auf eine emotionale Berg- und Talfahrt ein – hinter seinem Entwurf verbirgt sich ein nachhaltiges Lichtdesign für Bergbahnen, das Wintersportfreunde von der Tal- bis zur Bergstation begleitet. Das Licht übersetzt dabei die Emotionen der Besucher zu Beginn und zum Abschluss ihres Ausflugs in die Bergwelt und bildet zwei kontrastierende Lichtstimmungen mit dynamischem Übergang. Die Berg- und Talstation werden mit Akustikleuchten so gestaltet, dass die Stationen zwar optisch ähnlich sind, ihre Lichtstimmung sich jedoch essenziell unterscheidet. Eine dynamische Beleuchtung im Tunnel und in der Bahn verbindet die Stationen.

Mit seiner Idee will der Student Impulse für die nachhaltige Renovierung von erhaltenswerten Bergbahnen setzen. Besonders beeindruckt hat die Jury die Story, die Luca Menke mit seinem Konzept erzählt und die Emotionen, die seine Arbeit weckt. Die aufregende Fahrt zum Gletscher und die entspannende Talfahrt waren bei der Präsentation förmlich spürbar.

Weitere Informationen:

Abbildungen/Quelle: Luca Menke, B.A. Lighting Design

lucamenke@gmx.de

www.menke-lighting.de

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 3 | 2021

Erschienen am 23. April 2021