Planung
Licht 9 | 2019

»Hier treffen für mich Erde und Himmel zusammen«

Das Kloster der Sisters of St. Francis in Polen

Für das neue Kloster des katholischen Frauenordens Sisters of St. Francis in Polen sollte eine Umgebung geschaffen werden, die dem Rückzug und der Besinnlichkeit dient. Das polnische Architekturbüro PORT entwarf ein Gebäude, das von seiner Schlichtheit lebt – und von der Klarheit des Lichts.

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Abb.: Aus religiöser Sicht kann das Licht als ein Ausdruck für das Leben, für das Göttliche angesehen werden. Das leuchtende Kreuz des Klosterbaus dient als Sinnbild und zeigt eine spartanische, bescheidene Sprache. Stanisław Zajączkowski

Ein Kloster ist ein spiritueller Ort, ein Haus der Kontemplation und des Glaubens. Nichts soll hier den Geist ablenken, es soll vielmehr einen Platz bieten, um Ruhe und Frieden zu finden, um sich auf Gedanken und Gebete zu konzentrieren. Auf diesen Überlegungen basiert das Konzept des Planungsbüros PORT für das Kloster der Sisters of St. Francis im polnischen Dobrzeń Wielki.

Ein leuchtendes Kreuz

Die Architektur des Gebäudes zeigt gerade, schmucklose Flächen und strenge Linien, der Bau ist auf das Funktionale reduziert. Doch die weiß verputzten Wände und grauen Sichtbetondecken besitzen ihre eigene Ästhetik, in ihrer reinen Materialität befinden sie sich im Einklang mit Elementen aus Glas, Edelstahl und Holz. Jede dieser Texturen und Oberflächen zeigt dabei individuelle Qualitäten in der Wechselbeziehung zum Licht.

Abb.: Über Oberlichter gelangt natürliches Licht in die Kapelle und wandert im Tagesrhythmus durch den Raum. Sehr reduzierte, kleine Pendelleuchten sind nahe zur Decke abgehängt, sodass der Blick zum Kreuz frei bleibt. Stanisław Zajączkowski

Das natürliche Licht belebt das Innere des Hauses, es fällt über verglaste Öffnungen hinein und wandert durch den Raum. Es spiegelt den Tageszyklus wider und verändert sich in Helligkeit und Intensität mit dem Verlauf der Jahreszeiten. Licht hat im Christentum auch eine symbolische Bedeutung, es steht für das Leben, für das Göttliche. Diese Symbolik greift das Architekturbüro PORT mit einem Kreuz auf: die Wand in der Eingangshalle ist an dieser Stelle durchlässig für Licht von beiden Seiten. So fällt das Sonnenlicht tagsüber von außen ins Gebäude, am Abend strahlt das Kreuz durch Kunstlicht von innen heraus.

Abb.: Den hinteren Bereich der Kapelle erhellen zylinderförmige Deckenleuchten in Weiß, sowohl bei den Gebetsbänken als auch in der Galerie darüber. Die Planer wählten dafür eine diskret-neutrale Leuchtenform aus. Stanisław Zajączkowski

Zurückhaltende Beleuchtung

Das künstliche Licht tritt gestalterisch bewusst zurück, die Leuchten sollten den Raum nicht dominieren. Im vorderen Altarbereich der Kapelle sind schmal dimensionierte Pendelleuchten verteilt. Sie bestehen nur aus einer Lampe und einem Schirm, das Design wurde als Sonderleuchte für dieses Projekt umgesetzt. Im hinteren Bereich unter und oberhalb der Galerie sind zusätzlich zylinderförmige, weiße Leuchten angebracht. Die großformatige Pendelleuchte im Treppenhaus ist ebenso im Rahmen der Planung entstanden. Die Leuchte erscheint als langes, schlankes Mobile aus Metall, das mit drei Lichtkugeln versehen ist. Im Eingangsbereich treffen breite Glasflächen, die kreuzförmige Öffnung in der Wand und die hellen Punkte des filigranen Licht-Mobiles aufeinander. Verkehrswege, wie etwa die Galerien der Eingangshalle, werden durch lineare Lichtröhren beleuchtet. Sie unterstreichen die gestalterische Schlichtheit des Klosters, die auch bis in den Speisesaal konsequent weitergeführt wird, in Form von einfachen, runden Deckenleuchten in Weiß.

Eine Nonne und Bewohnerin des Klosters drückte ihren persönlichen Eindruck des Klosters in wenigen Worten aus: »Hier treffen für mich Erde und Himmel zusammen«.

Abb.: Geometrische Strukturen ziehen sich durch das Gebäude und prägen auch die Pendelleuchte in der Eingangshalle, sie wurde für diesen Ort konzipiert. Die kugelförmigen Diffusoren setzen Lichtpunkte in der Höhe. Stanisław Zajączkowski

Weitere Informationen:

Bauherr: Polnische Provinz der Schwestern des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus (Sister of the Third Order of St. Francis)

Architekt, Lichtplanung: PORT, Wrodaw, Polen, www.portinfo.pl

Fotos: Stanisław Zajączkowski

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 9 | 2019

Erschienen am 25. November 2019