Technik
Licht 4 | 2021

Heilendes Licht in handlicher Form

Mit Projekt »Lux« will ein Designstudent die Lichttherapie vereinfachen

Luca Urlicic ist Masterstudent im Studiengang Industrial Design an der FH Joanneum. Mit seinem Projekt »Lux« hat er international Aufmerksamkeit erregt: Das Headset »beleuchtet« das Gehirn seines Trägers und löst die Freisetzung von stimulierenden Hormonen aus, die Symptome von Depression und Schlaflosigkeit bekämpfen können.

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Abb.: »Lux« ist ein handliches Headset, mit dem im Gehirn die Freisetzung von stimulierenden Hormonen ausgelöst wird, um die Symptome von Depression und Schlaflosigkeit zu bekämpfen. Luca Urlicic

Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens in geschlossenen Räumen – die Folge können Vitamin-D-Mangel, Depressionen oder Schlafstörungen sein. Luca Urlicic hat im engen Familienkreis selbst einen Umgang mit Depressionen finden müssen. Dabei packte ihn der Ehrgeiz, etwas zu entwickeln, das Betroffenen helfen kann. Daraus ist das Headset »Lux« entstanden. Im Gegensatz zu herkömmlichen, stationären Lichttherapiegeräten ist das Headset viel diskreter, bequemer und effizienter. Mit nur drei kurzen Sitzungen pro Tag kann es seine positive Wirkung entfalten.

Der Effekt, den »Lux« sich zunutze macht, ist bereits gründlich erforscht: Bestimmte Regionen des menschlichen Gehirns verfügen über Fotorezeptoren, die denen im menschlichen Auge ähneln. Sie reagieren sowohl auf natürliches als auch auf künstliches Licht und lösen in der Folge die Ausschüttung von Hormonen aus. In einem aktuellen Dissertationsprojekt an der Universität Oulu in Finnland wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass eine Lichtquelle direkt in den menschlichen Gehörgang appliziert werden kann, um einen ähnlichen Prozess in Gang zu setzen.

Menschlicher Schädel und Handylicht als Versuchsobjekte

Diese Erkenntnis diskutierte Luca Urlicic unter anderem mit einer Neurologin und untersuchte weiter, welche Bereiche des Gehirns für die Freisetzung von stimulierenden Hormonen verantwortlich sind, und berechnet, dass eine Lichtquelle mit mindestens 2.000 Lumen ideal geeignet ist. Für den Designprozess verwendete Urlicic einen echten menschlichen Schädel, den er in Kombination mit einer Smartphone-Taschenlampe untersuchte, um herauszufinden, welche Bereiche das Licht am leichtesten durchlassen. Als am besten geeignet für die Positionierung einer Lichtquelle stellten sich die Schläfen heraus. Anschließend entstand ein Funktionsprototyp, der mit dem menschlichen Schädel abgeglichen wurde. Das endgültige Design wurde mit SolidWorks konstruiert, in KeyShot gerendert und mit einem 3D-Drucker gebaut.

Abb.: Mit einem menschlichen Schädel und einer Handy-Taschenlampe untersuchte der Designstudent, an welcher Stelle des Schädels die Lichtquelle ihre Wirkung am besten entfalten kann. Luca Urlicic
Abb.: Das Headset ist diskret, stört den Träger nicht und muss pro Tag nur dreimal für wenige Minuten getragen werden, um dem Mangel an natürlichem Licht entgegenzuwirken. Luca Urlicic

Partner für Prototypen gesucht

Es ist abzusehen, dass die Nachfrage nach Lösungen für den Mangel an natürlichem Sonnenlicht und der Wunsch nach mehr Wohlbefinden wachsen wird. Aktuell ist eine wirksame Therapie nur stationär und mit Großgeräten und einer langen Belichtungszeit möglich. Aufgrund seiner geringen Größe und der kurzen Anwendungszeit hat »Lux« also großes Potenzial, den Lichttherapiemarkt zu revolutionieren.

Das Projekt gewann vergangenes Jahr den zweiten Platz beim James Dyson Award. Luca Urlicic hofft, so Aufmerksamkeit für sein Projekt zu wecken und sucht jetzt Partner, um einen funktionsfähigen Prototyp seines endgültigen Designs herzustellen.

»Durch meine Verbindungen in der Gesundheitsbranche werde ich in der Lage sein, Versuche im kleinen Maßstab durchzuführen und die Hypothese weiter zu validieren. Ich glaube zutiefst an die Kraft des Designs und bin überzeugt, dass durch die Realisierung dieses Projekts das Potenzial eines solchen innovativen Geräts zum Wohle der Menschheit voll ausgeschöpft werden kann«, so Urlicic.

Weitere Informationen:

Quelle: Luca Urlicic, www.luca-urlicic.com/projects/lux

Fotos: Luca Urlicic

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 4 | 2021

Erschienen am 25. Mai 2021