Planung
Licht 2 I 2020

Gewebte Lichtpoesie

Wasserturm in Gasperich, Luxemburg

Mit einer Höhe von rund 68,5 m ist der Wasserturm in Gasperich der höchste in Luxemburg. Gelegen am vielbefahrenen Autobahnkreuz von A1, A6 und A3 – Knotenpunkt für Reisende aus Luxemburg, Belgien, Frankreich und Deutschland – behauptet sich der neue Wasserturm mit visueller Präsenz. Das von Licht Kunst Licht entwickelte Beleuchtungskonzept macht die Struktur und Farbigkeit der äußeren Gebäudehülle weithin sichtbar.

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Abb.: Die Anstrahlung erfolgt aus einer bodennahen Position und belegt die Gebäudehülle mit einem weichen Lichtschleier; die Lichtfarbe spielt hierbei eine tragende Rolle. Johannes Roloff (Licht Kunst Licht AG)

Wassertürme, im Französischen poetisch »Chateaux d‘eau« genannt, sind in ihrer Häufigkeit eine Besonderheit der luxemburgischen Infrastruktur. Angelegt als Wasserreservoirs und Brunnenbauten sichern sie die Trinkwasserversorgung im hügeligen Binnenland. Zugleich sind sie Landmarken und Wegweiser, die für Ortskundige und Durchreisende gleichermaßen Orientierung und Identität schaffen. Außerhalb der Stadt Luxemburg gelegen, entsteht der neue Stadtteil Ban de Gasperich. Frühe Erhebungen zeigten, dass die Kapazitäten des nahegelegenen Wasserturms »Tubishaff« in Cessingen mehr als ausgeschöpft und den Bau eines neuen Reservoirs erforderlich machen würden. Der Entwurf der Architekten umgibt den funktionalen Kern des Wasserturms mit einem dynamisch wirkenden Geflecht aus flachen, weiß beschichteten Aluminiumbändern, das in einem Abstand von etwa 50 cm die Betonwand elegant umschmeichelt.

Abb.: Gelegen an einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt behauptet sich der neue Wasserturm mit visueller Präsenz. Johannes Roloff (Licht Kunst Licht AG)

Klarheit und Frische durch kühles Weiß

Die Anstrahlung des Turmes erfolgt aus einer bodennahen Position und belegt die Gebäudehülle mit einem weichen Lichtschleier, der das Objekt in all seinen Facetten und Dimensionen erlebbar macht. Die Assoziation mit Erfrischung durch kühles Wasser war dabei der konzeptionelle Ausgangspunkt der Überlegungen. Daher wird die gewebte Fassade nachts mit kaltweißem Licht von 6.500 K illuminiert. Die für die Außenbeleuchtung verwendeten LED-Scheinwerfer sind mit RGBW-Platinen bestückt. So können mittels einer programmierten Ansteuerung zu besonderen Anlässen auch farbige Lichtszenen erzeugt werden.

Konzentrische Ringe aus Licht

Gestaffelt in drei verschiedenen Abstandsbereichen sind 24 LED-Scheinwerfer konzentrisch um den Turm herum angeordnet. Im gebäudenahen Bereich befindet sich der innere Leuchtenring, angeordnet in einem Abstand von etwa 5,50 m um den Umriss des Reservoirs. Hier sind Leuchten mit breitstrahlender Lichtcharakteristik für eine weiche, ansatzlose Betonung des unteren Turmabschnitts vorgesehen. In einer Entfernung von etwa 8,50 m bis 9,50 m sowie zwischen 14,50 m und 19,50 m liegen Strahler mit einer engeren (13°) bzw. sehr engen Lichtverteilung (8°) für die mittleren und oberen Fassadenzonen. Durch diese fein kalibrierte Abstufung entstand nach einer präzisen und stufenlosen Feinausrichtung der Leuchten eine allseitig wirksame, homogene Lichtpräsenz, deren Streulicht in den Luxemburger Himmel so auf ein Maximum von 3 % reduziert werden konnte. Trotz unterschiedlicher Abstrahlungscharakteristiken handelt es sich um durchgehend baugleiche Außenraumstrahler. Durch ein modulares Wechselsystem aus Vorsatzlinsen werden die erforderlichen Ausstrahlungswinkel generiert, ohne eine Vielzahl von Leuchtentypen mit verschiedenen Wartungsroutinen und Ersatzteilen zu etablieren.

Abb.: Die für die Außenbeleuchtung verwendeten LED-Scheinwerfer können mittels programmierter Ansteuerung neben der weißen Illumination auch Farbverläufe und Lichtanimationen erzeugen. Johannes Roloff (Licht Kunst Licht AG)

Weitere Informationen:

Fertigstellung: 2018

Architektur: Jim Clemens Associates, Esch-sur-Alzette, www.jimclemes.com

Lichtplanung: Licht Kunst Licht AG, Bonn / Berlin, www.lichtkunstlicht.com; Projekt- und Teamleitung: Maik Czarniak; Team: Stephan Thiele

Fotos: Johannes Roloff (Licht Kunst Licht AG)

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 2 I 2020

Erschienen am 28. Februar 2020