Planung
Licht 5 | 2019

Ganz ohne guten Draht

Die Anfänge dieses Kirchenbaus reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück und er ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung. Daher unterliegt jeder, der im Temple de Lutry inmitten der Altstadt von Lutry Bauarbeiten oder technische Installationen ausführt, strengen Vorgaben. Bei der kürzlich erfolgten Erneuerung der Beleuchtung musste weitestgehend die vorhandene Verkabelung genutzt werden. Trotzdem ließ sich dank funkbasierter Technik von Tridonic eine moderne Lichtsteuerung realisieren.

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Tridonic / © THOMAS MAYER/thomasmayerarchive.de

Den Temple de Lutry prägt eine bewegte Baugeschichte. Über die von Manierismus und Renaissance inspirierte Dekorationsmalerei an den Gewölben des Langhauses erzählt man sich, dass die Gemeinde dafür das Versprechen gegeben hat, sich reformieren zu lassen. Historisch belegt ist dies nicht, aber als erwiesen gilt, dass die Malerei aus dem 16. Jahrhundert stammt und vom Künstler Humbert Mareschet ausgeführt wurde.

Baukunst aus 1.000 Jahren

Die Schweizer Gemeinde Lutry am Ufer des Genfer Sees ist ein malerisches Städtchen. Umgeben von Weinbergen laden ein Schloss aus dem 14. Jahrhundert, eine Seepromenade mit altem Hafen und ein denkmalgeschützter Stadtkern zur Erkundungstour ein. Eine wichtige Sehenswürdigkeit ist der sogenannte Temple de Lutry: die reformierte Pfarrkirche Saint-Martin im Zentrum der Altstadt. Ursprünglich als Kirchenbau für ein Benediktinerpriorat im 11. Jahrhundert entstanden, wartet sie mit 1.000 Jahren Baugeschichte auf. Seit Herbst letzten Jahres erstrahlen alle baugeschichtlich interessanten Details der Kirche samt der aus dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Dekorationsmalerei an den Gewölben in neuem Glanz, denn Saint-Martin ist mit einer modernen Lichtlösung ausgestattet worden.

Abb.: Der Temple de Lutry ist eine wichtige Sehenswürdigkeit. Als Pfarrkirche St. Martin wird er heute für Gottesdienste, Kirchenfeste und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Tridonic / © THOMAS MAYER/thomasmayerarchive.de

Energieeffizienz und intelligente Steuerung im Fokus

Von der Umrüstung der vorhandenen Halogenbeleuchtung auf LED-Licht versprachen sich die Verantwortlichen von Lutrys Service de l‘aménagement du territoire et bâtiments vor allem deutliche Energieeinsparungen und reduzierte Wartungskosten. Zudem wollten sie aber auch gern eine Steuerung implementieren, mit der sich das Licht besser an die verschiedenen Nutzungen der Kirche anpassen lässt.

Um diese Vorgaben umzusetzen, musste das beauftragte Lichtplanungsbüro Senseco aus Lausanne allerdings eine schwierige Herausforderung meistern. »Wir durften unter keinen Umständen in die historische Bausubstanz der Kirche eingreifen«, erläutert Yannick le Moigne von Senseco. »Zusätzliche Strom- oder Datenleitungen zu verlegen, war tabu. Gelöst haben wir das Problem mit einer funkbasierten Lichtsteuerung.« Jeder Lichtpunkt ist jetzt mit einem Steuermodul »basicDIM Wireless« von Tridonic ausgestattet und fungiert so als Knoten in einem Bluetooth-Netzwerk mit Mesh-Struktur.

Abb.: Da in der teils 1.000 Jahre alten Bausubstanz keine zusätzlichen Strom- oder Datenleitungen verlegt werden durften, wurde ein funkbasiertes Lichtmanagement installiert. Im Ergebnis lassen sich per Fingertipp Lichtszenen für Gottesdienste, für religiöse Feste, für musikalische und literarische Veranstaltungen im Chor oder im Langschiff abrufen. Tridonic / © THOMAS MAYER/thomasmayerarchive.de
Tridonic / © THOMAS MAYER/thomasmayerarchive.de
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Komfortable Komplettlösung für Installateur und Nutzer

Mit dem kompakten Casambi-Ready-Funkmodul »basicDIM Wireless« – das Gehäuse misst nur 50 x 26 x 33 mm – ist der Aufbau eines Lichtmanagements denkbar einfach. Einmal mit den LED-Treibern der anzusteuernden Leuchten verbunden, bauen sie automatisch ein Netzwerk mit bis zu 127 Lichtpunkten auf, in dem sie dann Schalt- und Dimmbefehle kommunizieren. Das Modul bringt eine konfigurierbare 1-10-V- und eine DALI-Schnittstelle sowie einen schaltbaren Relaiskontakt mit. Optional lassen sich Sensoren einbinden. Außerdem können die vernetzten Leuchten zu Gruppen zusammengefasst und Szenen erstellt werden.

Abb.: Die »basicDIM Wireless«-Funkmodule konnten dank ihrer kompakten Abmessungen unauffällig in der Nähe der Leuchten platziert werden. Tridonic / © THOMAS MAYER/thomasmayerarchive.de

Dramatischer Lichtakzent oder komplett heller Raum

Die Kirche ist mit verschiedenen Lichtkomponenten ausgestattet: Im Langschiff gibt es große Ringleuchter mit getrennt schaltbarem Direkt- und Indirektlicht. Auf den Gesimsen der Pfeiler wurden kompakte Strahler platziert, die etwas breiter abstrahlend die Gewölbekappen ausleuchten oder als schmale Streiflichter den Verlauf von Rippen und Bögen nachzeichnen. Zusätzlich gibt es diverse Einzelleuchten im Bereich der Orgel, des Chores, des Altars, des Seitenschiffs, der Kanzel und des Eingangsbereichs. Senseco Projektleiterin Nadine Le Moigne macht die Vorteile deutlich: »Dank des Lichtmanagementsystems können nun all diese Lichtpunkte in beliebigen Kombinationen und mit individuell voreingestellten Parametern zu unterschiedlichsten Lichtszenen arrangiert und exakt auf die jeweilige Nutzung zugeschnitten werden.«

Konfigurieren, Speichern, Abrufen

Für die Konfiguration steht die Tridonic App »4remote BT« bereit, die auf Smartphones und Tablets mit Android- oder iOS-Betriebssystem läuft. Auf einer intuitiv bedienbaren, grafischen Oberfläche erfolgt hier die Definition von Leuchtengruppen, das An- und Ausschalten sowie Dimmen einzelner Leuchten oder ganzer Leuchtengruppen und – sofern entsprechende LED-Module verbaut sind – das Einstellen von RGB-Farbwerten oder Tunable-White-Farbtemperaturen von Einzelleuchten oder Leuchtengruppen.

Einmal eingestellte Konfigurationen lassen sich dann einfach als Lichtszene abspeichern. In der Kirche gibt es Szenen für die Gottesdienste, für musikalische und literarische Veranstaltungen im Chor oder im Langschiff sowie für die beliebten Bachkonzerte. Ein Fingertipp in der App genügt, um die jeweils gewünschte Szene abrufen. Zusätzlich gibt es das batteriebetriebene »basicDIM Wireless User Interface«. In diesem flachen Bediengerät im Schalterformat lassen sich vier Szenen hinterlegen sowie Leuchten auf- und abdimmen.

Abb.: Die programmierten Lichtszenen lassen sich per App oder auf einem Bediengerät im Schalterformat abrufen. Tridonic / © THOMAS MAYER/thomasmayerarchive.de

Geschickte logische Verknüpfung

Eine elegante Lösung konnte auch für einen ganz besonderen Schalter gefunden werden: Wenn Besucher die Kirche besichtigen möchten, können sie im Eingangsbereich über einen Taster selbst die Beleuchtung einschalten und ihren Rundgang beginnen. Programmiert ist eine rund achtminütige Lichtszene, die den Kirchenraum und die Deckenmalereien ausleuchtet und gegen Ende langsam heruntergedimmt wird. Um Störungen bei Gottesdiensten oder Veranstaltungen zu vermeiden, musste sichergestellt werden, dass die Szene »Besichtigung« mit dem Taster nur dann aufgerufen werden kann, wenn keine anderen Lichtszenen in der Kirche aktiv sind.

Abb.: Wenn Besucher die Kirche besichtigen möchten, können sie im Eingangsbereich selbst die Beleuchtung einschalten. Damit das dabei abgerufene Szenario »Besichtigung« nicht aus Versehen bereits aktive Lichtszenen überschreibt, musste dieser analoge Schalter in die drahtlose digitale Steuerung eingebunden werden. Tridonic / © THOMAS MAYER/thomasmayerarchive.de

Gelungen ist dies über den DALI-Aktor »DALI-RM/S« von Tridonic, bei dem ein DALI-Signal einen Relaiskontakt ansteuert. »Wir haben auf den DALI-Eingang des Aktors ein »basicDIM Wireless«-Modul verdrahtet, das in sämtliche Lichtszenen in der Kirche eingebunden ist. An den Relaisausgang des Aktors ist über ein weiteres »basicDIM Wireless«-Modul der Besuchertaster angeschlossen«, erläutert Maurizio Cucciniello von Tridonic die Funktionsweise und führt weiter aus: »Wann immer eine Lichtszene für Messen oder Veranstaltungen in der Kirche aktiv ist, wird das »basicDIM Wireless« des Besuchertasters über das »DALI RM/S« vom Netzwerk getrennt.« Wird der Taster jetzt also gedrückt, kann der Schaltbefehl nicht weitergegeben werden und es passiert nichts. Erst wenn die Lichtszene »Besichtigung« mit dem User-Interface oder Tablet erneut aktiviert wird, kann diese mit dem Taster am Eingang wieder aufgerufen werden.

Abb.: Eine spezielle Lichtszene lässt sich für die beliebten Bachkonzerte abrufen. Neben den vorprogrammierten Konfigurationen können aber auch einzelne Leuchten oder Leuchtengruppen direkt geschaltet und gedimmt werden. Tridonic / © THOMAS MAYER/thomasmayerarchive.de

Fazit

Ohne jeden Eingriff in die historische Bausubstanz konnte mit »basicDIM Wireless« ein Lichtmanagement für den Temple de Lutry realisiert werden. Bemerkenswert unkompliziert ließ sich die via Bluetooth kommunizierende Steuerung in Betrieb nehmen und programmieren. Sowohl Pfarrer und Küster als auch alle anderen Nutzer, wie beispielsweise die Veranstalter von Konzerten und Lesungen, freuen sich über einen erheblichen Komfortgewinn, denn sie können jetzt per Fingertipp Lichtszenen für den gesamten Kirchenraum auswählen oder einzelne Leuchten bzw. Leuchtengruppen ganz nach Wunsch einstellen. Dank des Schalters am Eingang kommen die Besucher auch außerhalb von Veranstaltungen in den Genuss, die Pfarrkirche mit ihren beeindruckenden Deckenmalereien in strahlendem Licht besichtigen zu können.

Weitere Informationen:

Bauherr: Service de l‘aménagement du territoire et bâtiments, Lutry

https://bit.ly/2Qia5bd

Lichtplanung: Senseco, Lausanne (CH), http://senseco.ch

Leuchten: Erco, Lüdenscheid, www.erco.com

Kronleuchter: Stadt Lutry

Lichtsteuerung: Tridonic, Dornbirn, www.tridonic.com

Fotos: Tridonic / Thomas Mayer, www.thomasmayerarchive.de

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 5 | 2019

Erschienen am 25. Juni 2019