Planung
Licht 7 | 2021

Futuristisches Zusammenspiel aus Lamellen, Leuchten und Licht

2.500 Leuchten unterstützen die Workflows im neuen Vetter Headquarter

In Ravensburg, der mittelalterlichen Stadt der Türme und Tore, befindet sich das neue Headquarter des Pharmadienstleisters Vetter. Das Gebäude ist für rund 1.000 Mitarbeitende ausgelegt und überzeugt durch sein modernes Baukonzept mit einer beeindruckenden Glasfassade. Die helle, freundliche und hochwertig ausgestattete Innenarchitektur korrespondiert mit einer raffinierten Lichtführung, die sich vom Foyer aus durch das gesamte Gebäude zieht.

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Abb.: Eine raumhohe Vitrinenwand birgt pharmazeutische Raritäten und Ausstellungsstücke aus der Firmengeschichte und trennt Warte- und Durchgangsbereich voneinander ab. Die Allgemeinbeleuchtung übernehmen die quadratischen Deckeneinbaustrahler »Fliq«. Matteo Capuzzi

In der Fassade des neuen Vetter Headquarters spiegelt sich Ravensburg, die Stadt der Türme und Tore, wider. Ringsum besteht der Gebäudekomplex vorwiegend aus Glas – und das über fünf Stockwerke hinweg. Von einem hellen Rahmen umgeben wirkt die Fensterfront stylisch, durch das einheitliche Material aber auch schlicht und charakterstark. Es handelt sich bei diesem Bürokomplex um ein modernes und repräsentatives Gebäude mit zwei rundum belichteten Baukörpern. Erschlossen sind diese über zwei losgelöste Treppentürme. Hier werden alle zentralen Prozesse der Vetter Pharma-Fertigung GmbH & Co. KG vereint. Das Gebäude wurde von dem Tettnanger Architekturbüro wassung bader architekten PartGmbB geplant. Die Innenarchitektur wurde in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro CAPPA+STAUBER architect network entworfen.

Abb.: Das neue Headquarter von Vetter in Ravensburg wurde nach den neuesten baulichen und umwelttechnischen Standards umgesetzt. Eine großzügige Glasfassade lässt viel Tageslicht ins Innere. Foto: Vetter Pharma International GmbH Vetter Pharma International GmbH

Vetter ist einer der weltweit führenden Pharmadienstleister für die keimfreie Abfüllung und Verpackung von Spritzen und anderen Injektionssystemen – unter anderem zur Behandlung von Krankheiten wie Multiple Sklerose, schwere rheumatische Arthritis und Krebs. Das global operierende Unternehmen unterstützt Arzneimittelhersteller von der frühen Entwicklung neuer Präparate bis zur weltweiten Marktversorgung. Vetter hat das neue Gebäude für rund 50 Mio. Euro Investitionskosten nach den neuesten baulichen und umwelttechnischen Standards umgesetzt.

Betritt man das Foyer der neuen Vetter Firmenzentrale, beherrscht die stilvolle Raffinesse der Architektur das Raumgefühl. Die große Eingangshalle, mit einer übers Eck geführten Glasfront und den überhohen Decken, wirkt offen und imposant. Mittelpunkt der Lobby ist die freistehende Empfangstheke. Über dieser schweben Lichtkanäle des Leuchtenherstellers LTS aus Tettnang. Diese klaren Lichtlinien sorgen für Struktur. Die drei quadratisch angeordneten Lichtkanäle sind versetzt abgehängt und ergeben so ein geometrisch verschlungenes Lichtbild. Sie setzen die rechteckige Rezeption aus weißem Corian perfekt in Szene. Der Gast wird dezent zum ersten optischen Lichtpunkt, der freundlich hellen Rezeption geführt. Die Anforderung der Architektur, dass das Licht die sehr hochwertige Innenausstattung des Gebäudes hervorhebt, kommt hier besonders zur Geltung.

Im Hintergrund befinden sich durch Glaswände abgetrennte Warte- und Besprechungsnischen. Sie sind mit ausreichend Platz gestaltet und bieten so Spielraum für Interaktion und Kommunikation. Eine raumhohe Vitrinenwand birgt pharmazeutische Raritäten und Ausstellungsstücke aus der Firmengeschichte des Pharmadienstleisters. Diese Glaswand trennt Warte- und Durchgangsbereich voneinander ab. Ziel des ausgeklügelten Lichtkonzepts ist es, eine einladende Umgebung zu schaffen und die Identität des Unternehmens zu unterstreichen und widerzuspiegeln. Gelungen ist dies auch mit wenigen, dafür jedoch umso sorgfältiger ausgewählten Materialien, einheitlich hellen Steinböden in Verbindung mit der offenen Bauweise und ganz viel Licht. Die Allgemeinbeleuchtung übernehmen die quadratischen LTS-Deckeneinbaustrahler »Fliq«, welche optimal auf das Kommen und Gehen in der Besucherzentrale eingestellt sind.

Abb.: Eine fast raumhohe LED-Medienwand mit nahtloser Multiprojektion verleiht der Präsentation des Firmensitzes eine hohe Ausdruckskraft. Matteo Capuzzi
Abb.: Mittelpunkt der Lobby ist die freistehende Empfangstheke. Über dieser schwebt eine geometrische Komposition aus linearen Leuchten. Die drei quadratisch angeordneten Lichtkanäle sind versetzt abgehängt. Matteo Capuzzi

Vom Zeitgeist erfasst

Das Gebäude ist für rund 1.000 Mitarbeitende ausgelegt und überzeugt durch sein modernes Baukonzept. Bei der Realisierung hat das Familienunternehmen großen Wert auf Stil und Zeitgeist gelegt. Diese Modernität spiegelt sich vor allem im neuen Betriebsrestaurant wider. Die hochwertige Kantine mit Terrasse und Cafébereich ist ein eigenständiger Raum. Das sogenannte Atrium liegt im großzügigen Erdgeschoss und erhält durch die Wahl der ausgesuchten Materialien und das durchdachte Leuchtenkonzept einen futuristischen, aber trotzdem warmen Charakter.

Ein Pentagon aus Licht

Zwei »Pentagone« sind wie Inseln in den Raum gesetzt und in Blickrichtung Glasfront und Außenbereich geöffnet. Sie bilden je eine abgeschlossene Einheit umrahmt von 2,50 m hohen geneigten Lamellen. Darin befinden sich eine umlaufende Sitzbank und vier einzelne Tische. Die Lamellen umschließen die Sitzbänke harmonisch wie einen Kokon und gliedern den lichtdurchfluteten Raum entlang der nach Süden ausgerichteten Glasfassade in verschiedene Bereiche. Die Besonderheit: Über allem schwebt ein Pentagon aus Licht. Diese fünfeckigen Lichtkanäle wurden speziell von LTS für Vetter angefertigt. Die Holzlamellen finden sich als Stilmittel immer wieder und werden als Wand oder Raumtrenner eingesetzt. Sie grenzen ab, trennen jedoch nicht und lassen ein raffiniertes Spiel aus Licht und Schatten zu. Sie sorgen für räumliche Durchlässigkeit. Ihr helles Holz bestehend aus geweißter Esche wirkt einladend und freundlich. Das großzügige und lichtdurchflutete Raumkonzept wirkt hier zugleich offen, aber durch die Nischenbildung auch intim. Eine abwechslungsreiche und spannende Lichtstimmung wechselt mit der Tageszeit und dem Jahreszeiten bestimmenden Tageslichteinfluss.

Abb.: Ein »Licht-Pentagon« wird von Lamellen umrahmt, die die Sitzbänke wie einen Kokon umschließen. Diese fünfeckigen Lichtkanäle wurden speziell für Vetter angefertigt. Matteo Capuzzi

Schwebende Ringleuchten

Ein Hauch von Exklusivität herrscht im Vetter-Betriebsrestraurant. Dort schweben unzählige große und kleine scheibenförmige Lichtpunkte über den runden und quadratischen Tischen. Diese kreisrunden Deckenleuchten mit dem stimmigen Namen »Lunata« verstärken den Charakter des hochwertigen Ambientes. Sie wurden von der Architektin Elke Stauber (Innenarchitektur: CAPPA+STAUBER architect network) gezielt ausgesucht und in das Raumkonzept integriert: »Um bei diesen sehr hohen Räumen eine geborgene Atmosphäre zu schaffen, sind die kreisförmigen Leuchten mit unterschiedlichen Größen auf nur 2,10 m abgehängt und bilden eine Lichtebene auf Personenhöhe. Dank der dünnen Kabel sind die Aufhängungen kaum sichtbar und die Lichtpunkte scheinen, als würden sie schweben.«

Mit 450 Sitzplätzen ist viel Platz für Gespräche in angenehmer Atmosphäre oder für wohltuende Pausen, um Kraft zu tanken und kurz abzuschalten. Bei gutem Wetter können die Mitarbeitenden nahtlos auf die angrenzende Außenterrasse mit ihren rund 100 Sitzplätzen ausweichen. Diese überzeugt durch eine hohe Aufenthaltsqualität umrahmt von anspruchsvoller Begrünung mit einem extra dafür angelegten Teich. Eine Erholungszone mitten im geschäftigen Industrieviertel Kammerbühl. Zurück im Gebäude ist für die einheitliche Allgemeinbeleuchtung in den weitläufigen Fluren und Gängen der Strahler »Fliq« zuständig. Er gehört zur Strahlerfamilie »Flixx« und erscheint hier in quadratischer Form. Daher auch die Namensgebung mit einem »q« am Ende. Die Anforderung an »Fliq 400« war, dass nichts lose in der Decke liegen darf, weil die Kassettendecke revisionierbar sein muss. Das bedeutet, dass sie an jeder beliebigen Stelle leicht zu öffnen und zugänglich sein muss. Ein wesentlicher Vorteil von revisionierbaren Decken gegenüber geschlossenen Decken liegt in der flexiblen Nutzung im Betrieb. LTS entwickelte daraufhin einen Sonderrahmen für den Einbaustrahler. Dieser dient gleichzeitig als Deckenverstärkungsrahmen und zur Befestigung des Konverters. Diese Lösung ist nicht nur nachhaltig, sondern auch kostengünstig für den Bauherrn.

Abb.: Lichtscheiben schweben über den Tischen in der Kantine. Die Deckenleuchten »Lunata« wurden auf nur 2,10 m abgehängt und bilden eine Lichtebene auf Personenhöhe. Dank der dünnen Kabel sind die Aufhängungen kaum sichtbar. Matteo Capuzzi

Einheitliches Lichtkonzept mit offenen Blickachsen

Auf fünf Stockwerken und einer Nettofläche von 25.840 qm befinden sich neben den innovativen Büroräumen rund 40 Besprechungsräume, alle auf einem hohen Niveau ausgestattet und auch lichttechnisch auf dem neuesten Stand. Insgesamt wurden über 2.500 Leuchten der LTS Licht & Leuchten GmbH verbaut. Die Bauherrenvertreterin und Projektmanagerin aus dem technischen Projektmanagement von Vetter, Judith Vieren, ist stolz auf das strahlende Ergebnis: »Vor allem bin ich beeindruckt von der großen Anzahl der verbauten Leuchten. Ein imposantes Ergebnis, wenn man sieht, wie stimmig sich alles zusammenfügt und die Lichtpunkte von LTS mit dem natürlich einfallenden Licht harmonieren.«

Anstatt auf Großraumbüros setzt man bei Vetter auf kleinere Büroeinheiten, in denen nur vier bis sechs Beschäftigte zusammenarbeiten. Dadurch wird ein konzentriertes und ruhiges Arbeiten ermöglicht. Diese sogenannten Cluster verfügen auf jedem Stockwerk und in jedem Büroturm über eigene Sanitärräume und eine einladende Teeküche mit kleiner Theke. Die Aufenthaltsbereiche wurden dort absichtlich klein gehalten, damit die Nutzung des Erdgeschosses und des Atriums gefördert wird, so der Architekt des Gebäudes, Harald Bader. Da das hochmoderne Einbau-Downlight optimal entblendet ist (UGR <19), macht es den Strahler mit entspiegeltem Mattreflektor zum idealen Licht für Besprechungsräume und über Bildschirmarbeitsplätzen. Das kleine Kraftpaket verfügt über eine maximale Lichtausbeute und über eine Passivkühlung mit einem Kühlkörper aus Aluminiumdruckguss. Der LTS-Strahler »made in Tettnang« sorgt für ein einheitliches und harmonisches Bild an allen Decken.

Mit dem neuen Vetter Headquarter in Ravensburg wurde eine neue Arbeitswelt geschaffen, in der sich die Mitarbeitenden wohlfühlen können. Sie lässt Freiraum für Energie und Kreativität und fördert die Effizienz und Produktivität aller Beschäftigten. Der imposante Gebäudekomplex trägt dazu bei, dass Vetter als attraktiver Arbeitgeber und modernes Unternehmen wahrgenommen werden kann. Es ist ein flexibles und hoch modernes Bürogebäude, das sich auch jederzeit an ändernde Anforderungen und Ansprüche anpassen kann. Die »Kinderstube« der beiden Unternehmen, der Vetter Pharma-Fertigung GmbH & Co. KG und der LTS Licht und Leuchten GmbH, liegt in Ravensburg. Heute sind die zwei Unternehmen global tätig, bekennen sich aber traditionell zu ihren Standorten in Oberschwaben.

Weitere Informationen:

Bauzeit: November 2017 bis Mai 2020

Bauherr: Vetter Pharma-Fertigung GmbH & Co. KG, Ravensburg

GU: Firma Matthäus Schmid Bauunternehmen GmbH & Co. KG, www.perfekt-bauen.de

Architektur / Innenarchitektur: wassung bader architekten PartGmbB, https://wassung-bader.de; https://url.rpv.media/3qx

Innenarchitektur in Zusammenarbeit mit: CAPPA+STAUBER architect network, www.cappastauber.com; https://url.rpv.media/3qy; https://url.rpv.media/3qz

Leuchten und Lichtplanung: LTS Licht & Leuchten GmbH, Tettnang, www.lts-light.com

E-Planer: IB Puscher Schelklingen, www.ib-puscher.de

Fotos: sofern nicht anders angegeben: © Matteo Capuzzi

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 7 | 2021

Erschienen am 24. September 2021