Planung
Licht 9 | 2021

Funktionales Wahrzeichen

Relighting für »Jan Schaeferbrug« in Amsterdam

Die Jan Schaeferbrug verbindet bereits seit 2001 die Java-Insel im Amsterdamer Osthafen mit dem Festland. Während sich dieses Quartier seitdem stürmisch entwickelte, nagte an der Brückenbeleuchtung der Zahn der Zeit. Jetzt bekam sie ein Relighting – mit maßgeschneiderter LED-Technik von WE-EF.

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Abb.: Mit einem Relighting bekam die Jan Schaeferbrug in Amsterdam maßgeschneiderte und moderne LED-Technik von WE-EF. Jaap Lotstra

Man sieht es der nach dem Amsterdamer Politiker Jan Schaefer benannten Brücke nicht an, dass der Architekt Ton Venhoeven sie bereits Ende des vergangenen Jahrhunderts entworfen hat. Flach geduckt und muskulös spannt sich die kantige Stahlkonstruktion 230 Meter weit über den Ijhaven. Nur wenige grazile Rohrstützen tragen die separat geführten Spuren für Autos, Radfahrer und Fußgänger; am südlichen Brückenkopf unterquert die Straßenführung kurzerhand ein altes Lagerhaus: Mutig und beispielhaft für die beneidenswert hohen Maßstäbe, die die niederländische Öffentlichkeit an die Gestaltung ihrer Infrastruktur legt. Mit der Entwicklung des Amsterdamer Osthafens vom Industriegebiet zum beliebten Wohn- und Geschäftsquartier wuchs auch die Bedeutung dieser Verkehrsverbindung stetig.

Abb.: Der originale Lichtentwurf berücksichtigte neben funktionalen aus ästhetische Aspekte und setzte die Brücke durch eine zusätzliche Anstrahlung der Unterseite und farbige Akzente in Szene – als futuristische Landmarke und Symbol des aufstrebenden Osthafenviertels. Jaap Lotstra

Öffentlicher Druck war es wiederum, der die Behörden zum zügigen Handeln bewegte, als die Zeitung »Het Parool« letztes Jahr den Klagen der Bürger über den Zustand der Brückenbeleuchtung in einem Leitartikel Nachdruck verlieh. Nach zwei Jahrzehnten im Betrieb waren die Leuchten offensichtlich am Ende ihrer Lebensdauer angelangt. Zuverlässigkeit und Effektivität der Anlage ließen nach, die konventionellen Lichtquellen verursachten wachsenden Wartungsaufwand. »Das Lichtkonzept der Brücke lebt vom Rhythmus der aufgereihten Lichtpunkte«, erläutert der Lichtplaner Hugo Hendrickx: »Da fallen defekte oder mit einer falschen Lichtfarbe ersetzte Lampen besonders unangenehm auf.« Die Stadt Amsterdam hatte das Büro Lichtontwerpers.nl beauftragt, die Brückenbeleuchtung im Geist des originalen Entwurfs komplett auf leistungsstarke und energieeffiziente LED-Technik umzustellen. Hendrickx ist mit dem Projekt bestens vertraut, denn er arbeitete bei Lichtontwerpers.nl lange mit Kees van de Lagemaat zusammen, der das ursprüngliche Lichtkonzept entwickelte.

Funktional und inszenierend

Bereits der originale Lichtentwurf berücksichtigte nicht nur funktionale Aspekte wie die Verkehrssicherheit. Er setzte die Brücke durch eine zusätzliche Anstrahlung der Unterseite und farbige Akzente in Szene – als futuristische Landmarke und Symbol des aufstrebenden Osthafenviertels. Um die flach gestreckte Silhouette nicht zu stören, hatten die Planer auf Masten ganz verzichtet. Stattdessen wurde die Beleuchtung im Boden, in den Brüstungen sowie in speziellen Einbaugehäusen am Fahrbahnrand installiert. Ein Konzept, das für ein Relighting mit LED viel Potential mitbrachte, aber zugleich enge Vorgaben definierte – etwa für die Dimensionen der neuen Leuchten, die im Interesse einer zügigen Umrüstung in die vorhandenen Einbauorte passen mussten.

Für dieses Projekt suchte sich Hendrickx daher Partner, die sowohl Kompetenz in Sachen LED-Licht im Stadtraum als auch Flexibilität bei der Umsetzung von Sonderkonstruktionen mitbrachten – und fand sie in WE-EF und deren niederländischen Vertriebspartner Axioma Lighting. »Ich traf bei WE-EF auf die nötige gedankliche Beweglichkeit, um auf unsere Wünsche einzugehen«, lobt der Planer seine Ansprechpartner beim Lieferanten: »Das reichte von Scheinwerfern mit rein blauen LED statt einer RGB-Lösung bis zur Modifikation von Einbauleuchten, damit sie in die vorhandenen Befestigungen passten.« Die neue Beleuchtung erfüllt alle Anforderungen der städtischen Auftraggeber: Hohe Beleuchtungsqualität, Wartungsfreiheit und Energieeffizienz für langfristig niedrige Betriebskosten.

Kontrastierende Lichtfarben

Die Hauptkomponenten des aktualisierten Lichtkonzepts sind zum einen die Beleuchtung von Fahrbahn sowie Fahrrad- und Fußwegen und zum anderen die Inszenierung der Brückenunterseite. Diese Beleuchtung, die das Bauwerk weithin sichtbar macht, erfolgt durch 48 WE-EF Bodeneinbau-Scheinwerfer vom Typ »ETC140-GB« mit kardanisch gelagerten, mediumstrahlenden Optiken. Sie sind jeweils an den Füßen der Rundstützen in den Brückenpfeilern installiert, ihr neutralweißes Licht (4.000 K) unterstreicht den technoiden Charakter der Konstruktion. Je vier »FLC230«-Scheinwerfer mit blauen LEDs und Wallwash-Optiken markieren außerdem die beiden Brückenköpfe mit farbigem Licht.

Abb.: Das neutralweiße Licht an der Unterseite der Brücke unterstreicht den technoiden Charakter der Konstruktion. Jaap Lotstra
Abb.: 48 WE-EF Bodeneinbau-Scheinwerfer inszenieren die Brückenunterseite. Sie sind jeweils an den Füßen der Rundstützen in den Brückenpfeilern installiert. Jaap Lotstra

Zur Ausleuchtung der Autofahrbahn dienen über 60 modifizierte »FLC230«-Scheinwerfer. Sie wurden mit der asymmetrisch flutenden Wallwash-Optik ausgestattet und in den vorhandenen, mit einem Blendschutzraster versehenen Gehäusen am Fahrbahnrand montiert. Im Kontrast zur mit 4.000 K beleuchteten Fahrbahn setzten die Planer für die Fußgänger- und Radwege LED mit wärmeren 3.000 K Farbtemperatur ein: Über 100 Bodeneinbauleuchten auf Basis des Typs »ETC330-GB« mit kardanisch gelagerten Wallwash-Optiken sind entlang der stählernen Bordwände der Gehsteige angeordnet und nutzen diese als Sekundärreflektoren. Als Beleuchtung für die unterhalb der Brücke verlaufenden Kais sind außerdem WE-EF Deckeneinbauleuchten vom Typ »DOC120« mit 3.000 K Farbtemperatur in der Brückenunterseite montiert.

Abb.: Über 100 Bodeneinbauleuchten auf Basis des Typs »ETC330-GB« sind entlang der stählernen Bordwände der Gehsteige angeordnet und nutzen diese als Sekundärreflektoren. Jaap Lotstra
Abb.: Über 60 modifizierte »FLC230«-Scheinwerfer leuchten die Autofahrbahn aus. Sie wurden mit der asymmetrisch flutenden Wallwash-Optik ausgestattet und in mit einem Blendschutzraster versehenen Gehäusen am Fahrbahnrand montiert. Jaap Lotstra

Effizient und ästhetisch

Das Relighting war in jeder Hinsicht ein Erfolg: Der nächtliche Auftritt der Jan Schaeferbrug ist jetzt noch beeindruckender, klarer und differenzierter als zur Eröffnung vor zwei Jahrzehnten. Zugleich beträgt die Energieeinsparung, zum Beispiel durch den Ersatz von »CDM-T 70W«-Hochdrucklampen durch 18-W-LED-Module, rund 75 Prozent. Mit der schnellen Bereitstellung entsprechend modifizierter Leuchten ermöglichte es WE-EF, die vorhandenen Einbauräume weiterhin zu nutzen – so konnte dieses Projekt in relativ kurzer Zeit realisiert werden, ohne Kompromisse bei Produkt- oder Lichtqualität einzugehen. Denn selbstverständlich sind auch projektspezifisch modifizierte Leuchten von WE-EF ebenso sorgfältig produziert, getestet und dauerhaft gegen Witterungseinflüsse geschützt wie die Serienmodelle: Ein Aspekt, der bei so exponierten Einsatzorten wie der Jan Schaeferbrug von entscheidender Bedeutung ist. »Jetzt leuchtet die Brücke wieder so, wie es vor 20 Jahren gemeint war«, schwärmt Hugo Hendrickx vom Ergebnis des Relighting: »Die Rhythmik der Beleuchtung ist wiederhergestellt, die Lichtfarb-Kontraste stimmen – so trägt die Brücke zu einem nächtlichen Auftritt der Stadt Amsterdam bei, der beeindruckend und einladend zugleich wirkt.«

Abb.: Die Rhythmik der Beleuchtung und die Lichtfarb-Kontraste der Brücke unterstreichen den nächtlichen Auftritt der Stadt Amsterdam, der beeindruckend und einladend zugleich wirkt. Jaap Lotstra

Weitere Informationen:

Projekt: Jan Schaeferbrug in Amsterdam

Fertigstellung: 2020

Architektur: Ton Venhoeven, VenhoevenCS, Amsterdam, venhoevencs.nl

Lichtplanung: Lichtontwerpers.nl, Kees van de Lagemaat, Hugo Hendrickx

Leuchten: WE-EF LEUCHTEN GmbH, Bispingen, www.we-ef.com

Fotos: Jaap Lotstra, www.jaaplotstra.nl

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 9 | 2021

Erschienen am 25. November 2021