Planung
Licht 3 | 2020

Entspannen im Herzen einer visionären Stadt

Lichtgestaltung im Alwadi Hotel Doha

Das Alwadi Hotel Doha liegt im neuentwickelten Stadtteil Downtown Doha in Katar, angrenzend an die Haupttouristenattraktion, dem Souk Waqif. Das Hotel verfügt über 213 Zimmer und Suiten, die alle von Lichtvision Design mit einer differenzierten Lichtgestaltung aus Einzelkomponenten ausgestattet wurden, um dem zeitgenössischen Design einen Bezug zur Tradition zu geben. Erbe und Geschichte verschmelzen mit dem Hier und Jetzt und bieten ein unvergleichliches Erlebnis im Herzen einer visionären Stadt.

Lesezeit: ca. 7 Minuten
Abb.: Die drei gastronomischen Bereiche im Alwadi Hotel folgen einem speziellen Thema. Die Sitzbereiche im Teasalon AteaTude werden durch die Gruppenanordnung der Pendelleuchten zoniert. Accor

Das zur MGallery Collection gehörende Alwadi Hotel Doha liegt im Eingangsbereich zum neuentwickelten Stadtteil Downtown Doha in Katar, angrenzend an die Haupttouristenattraktion, dem Souk Waqif. Das Gesamtprojekt Downtown Doha wurde von Mshereib Properties vom städtebaulichen Masterplan bis zum einzelnen Gebäude entwickelt.

Das Planungsbüro Lichtvision wurde im Jahr 2010 in das Gesamtprojekt für die Phasen 2 und 3 mit der Konzeption involviert. Ziel war es, den städtebaulichen und lichttechnischen Masterplan weiter in einzelne Lichtkonzepte und Lichtlösungen zu entwickeln. Die Herausforderung war nicht nur eine herausragende Lichtgestaltung, sondern auch zukunftsträchtige LED-Lösungen für alle Bereiche zu kreieren. Weiter galt es, für das Bauvorhaben frühzeitig eine hohe Lichtqualität zu gewährleisten und insbesondere bei der Allgemeinbeleuchtung mit Downlights ein möglichst einheitliches reversibles LED-Modul zu verwenden. Das Xicato-Modul bot bereits 2011 eine belastbare Lösung, die auch in der Realisation 2018 in einer aktuellen Version eingesetzt wurde.

Architektursprache Katars

Insbesondere für das Alwadi Hotel wurden in der Zusammenarbeit mit den Designarchitekten Squire & Partner die Themen der traditionellen katarischen Formen- und Mustersprache wie auch die klassische katarische Architektursprache untersucht. Der Ausgangspunkt für alle in eine moderne Designsprache transformierten Elemente sind die Wurzeln der Kultur des Landes. Diese Muster wurden in unterschiedlichen Bereichen dekliniert als Deckengestaltung, Leuchtenschirm und Wandverkleidung.

Das Hotel verfügt über 213 Zimmer und Suiten, die alle von Lichtvision Design mit einer differenzierten Lichtgestaltung aus Einzelkomponenten ausgestattet sind, um dem zeitgenössischen Design einen Bezug zur Tradition zu verleihen. So wurden für die dimmbare Grundbeleuchtung der Zimmer eine Lichtlinie vor dem textilen Vorhang und eine verdeckte, umlaufende Voute an der Stirnseite des Bettes gewählt. Die Voute illuminiert zudem die besondere erhabene grafische Wandgestaltung. Die atmosphärischen bronzefarbenden Wandleuchten mit dem gleichen grafischen Muster wurden mit einem inneren Streufilter ausgestattet. Aus der gleichen Leuchtenfamilie wurde auch eine Pendelleuchte ergänzt. Funktionale minimierte Leuchten im Bronzeton ergänzen die Lesebeleuchtung am Sitzplatz und an den Bettseiten. Die Badgestaltung wird zoniert mittels einer diffusen Lichtlinie im Badewannenbereich und einem Einbaudownlight für die Dusche. Die Spiegelleuchte nimmt das grafische Muster auf und ist als hinterleuchtetes Lichtband Teil der Gesamtgestaltung. Die Gästeflure des Hotels werden mit Wandaufbauleuchten und Einbaudownlights rhythmisiert. Die dekorative Wandaufbauleuchte ist Bestandteil der Leuchtenfamilie aus den Gästezimmern.

Abb.: In den Suiten liefern integrierte Bodenlichtlinien entlang der Außenwand ein weiches Licht, das die Außenillumination subtil unterstützt und den Gast in seinem Ausblick nicht beeinträchtigt. Dekorative Pendelleuchten mit modernem orientalischen Muster ergänzen die Raumbeleuchtung. Accor
Abb.: Der Spa-Bereich wurde mit hinterleuchteten Lichtdecken mit RGB-Technologie ausgestattet. Ergänzende Nischenbeleuchtung mit minimierten Einbauleuchten wie auch eine Lichtfuge zwischen Wand und Decke erlauben unterschiedliche Stimmungen. Accor

Suite und Spa

Sowohl die Souq Suites als auch die Imperial Suite verfügen über einen Balkon mit Blick auf den faszinierenden Souq Waqif – eine der beliebtesten und stimmungsvollsten Besucherattraktionen von Doha, während die Superior-, Deluxe- und Executive-Zimmer einen spektakulären Blick auf die Skyline von West Bay bieten, die nachts lebendig wird. Die integrierten Bodenlichtlinien entlang der Außenwand liefern ein weiches Licht, das die Außenillumination subtil unterstützt und den Gast in seinem Ausblick nicht beeinträchtigt. Diese Zimmertypologien sind mit dekorativen modernen Pendelleuchten ergänzt. Alle Raumtypen wurden 1:1 vor Ort bemustert.
Der Spa-Bereich wurde mit hinterleuchteten Lichtdecken mit RGB-Technologie ausgestattet. Ergänzende Nischenbeleuchtung mit minimierten Einbauleuchten wie auch eine Lichtfuge zwischen Wand und Decke erlauben unterschiedliche Stimmungen je nach Behandlung. Der Außenpoolbereich wird durch die illuminierten Pavillon-Deckensegel mit RGB-Technologie strukturiert. Das Thema wiederholt sich auch im obersten Geschoss der Infinity Rooftop Lounge. Die beiden Dächer auf der Außenterrasse über der Bar und dem Kinderpool fügen sich in ein harmonisches Licht mit der Pflanzenbeleuchtung und den Poolscheinwerfern. Der Baukörper der O‘Glacée Bar ist mit weißen Lichtlinien definiert, der Tresen mit einer verdeckten Lichtlinie nochmal hervorgehoben. Funktionale Einbauleuchten gewährleisten die Grundbeleuchtung im Arbeitsbereich.

Abb.: Der Eingangsbereich des Hotels wird über umlaufende, verdeckte Lichtlinien und Einbaudownlights in der Deckenkassette illuminiert. Die grafischen Muster verleihen den Glasfaserbetondeckenelementen etwas Schwebendes und Leichtes. Accor
Abb.: Die Eingangshalle als Raum im Raum erlaubt verschiedene Ein- und Ausblicke. Die zentrale Treppe ist mit einer integrierten linearen Handlaufbeleuchtung ausgestattet. Accor

Warm welcome

Der Eingangsbereich des Hotels ist durch die jeweils umlaufenden verdeckten Lichtlinien in der Deckenkassette so illuminiert, dass die mit dem grafischen Muster gestalteten Glasfaserbetondeckenelemente etwas Schwebendes, Leichtes bekommen. In das grafische Muster wurden Öffnungen für runde Einbaudownlights koordiniert, die mit ihrem weißen Licht die Grundbeleuchtung erzeugen. Vor dem Hotel zentriert das Wasserspiel mit RGB-Beleuchtung den Raum und taucht den Haupteingangsbereich in ein Farbspiel je nach lokalem Anlass.

Die Eingangshalle als zentraler Verteiler wird durch die verdeckten Lichtlinien überhöht, die dekorativen Tischleuchten definieren den menschlichen Maßstab. Die zentrale Treppe ist mit einer integrierten linearen Handlaufbeleuchtung ausgestattet. Der solide Baukörper öffnet sich daher nur von innen und aus dem Blick vom 1. OG. Die angrenzenden Erschließungsflure wurden mit dekorativen Pendelleuchten als Fokuspunkt ausgestattet. Ergänzende Deckeneinbauleuchten versorgen den Bereich mit den erforderlichen Lichtniveaus.

Themenbezogene Gastronomie

Der Ballsaal im 1. Obergeschoss bietet Platz für bis zu 415 Gäste. Die Gestaltung wird besonders geprägt durch die grafische großformatige Gestaltung der Gipskartondecke, die sich mittels der RGB-Indirektbeleuchtung löst.

Die drei unterschiedlichen gastronomischen Bereiche folgen einem, jeweils eigenem Thema. Das Café AtTeatude als Teesalon ist geprägt durch seine großen Tageslichtöffnungen. Die Gruppierungen von Pendelleuchten zonieren den Raum ergänzend mit Tischleuchten. Das Frühstückrestaurant Le Colonial thematisiert die Reise mit einem Bezug zur Historie des Landes während der Kolonialzeit. Die großformatigen diffusen und dimmbaren Sonderleuchtenkörper bilden eine Referenz zu Gepäckstücken und prägen den Raum. Ergänzende Beleuchtung von Wandnischen und Möbelelementen strukturieren den Ort. Das Restaurant Sofra erzählt die Geschichte der historischen Fischerei und des Perlentauchens mit Dau-Booten. Die Atmosphäre ist kontrastreich und die Sitzgruppen bilden lokale Lichtinseln. Mithilfe linearer Regalbeleuchtung werden die Wände in atmosphärisches Licht getaucht. Eine reduzierte Indirektbeleuchtung schließt die Holzmöbel nach oben ab. Die Deckengestaltung zitiert die Lattung der Boote, das Licht »quillt« aus den Fugen und gibt jedem Holzelement eine spezielle Aura. In die Holzelemente integriert sind motorisch fahrbare LED-Strahler, um die flexible Anordnung der Tische jederzeit mit dem Lichtkegel nachjustieren zu können.

Abb.: Das Frühstückrestaurant Colonial wird geprägt durch die großformatigen Sonderleuchten, die als Referenz zu Gepäckstücken gestaltet wurden. Accor
Abb.: Die Dau als traditionelles Holzschiff bildet die Inspiration für die hinterleuchtete Deckengestaltung im Restaurant Sofra. In die Holzelemente integriert sind motorisch fahrbare LED-Strahler, um die flexible Anordnung der Tische jederzeit mit dem Lichtkegel nachjustieren zu können. Accor

Erbe & Geschichte im Hier & Jetzt

Der enge Planungsprozess mit den Designarchitekten Squire & Partner wie auch Wilson Associates für den F&B Bereich war die Grundlage für den holistischen Ansatz auch in der Lichtgestaltung. Die gesamtkoordinierenden Architekten Gensler haben den Prozess begleitet und fortgeschrieben. Die sehr gute Zusammenarbeit des gesamten Planungsteams war wesentlich, um diesen wichtigen Baustein für das Großprojekt Downtown Doha zu erschaffen.

Der Zeitraum von Konzept 2011 mit einer Planungsphase von ca. 2 Jahren bis zur Eröffnung 2019 erforderte trotz aller Kosteneinsparungsdiskussionen und Herausforderungen des lokalen Marktes eine belastbare LED-Technologie von Beginn der Planung zur Ausführung. Das Thema Gestaltung kann mit unterschiedlichen Lichttechniken dekliniert werden. Der ganzheitliche Ansatz des gesamten Planungsteams erforderte Entscheidungen und Koordination im Detail.

Die Sensibilität und das Engagement des Bauherrn und des Nutzers für das Thema Licht haben einen großen Teil dazu beigetragen, einen besonderen Ort in Doha zu schaffen. Hani Akkari, A / General Manager, sagte dazu: »Das Alwadi Hotel ist das Ergebnis einer wachsenden Nachfrage von Reisenden nach Hospitality-Konzepten, die unvergleichliche Erlebnisse bieten und sowohl geschäftlichen als auch Freizeitbedürfnissen gerecht werden. Wir haben auf diese Nachfrage reagiert und eine feine Mischung aus Luxus in Vintage-Obertönen präsentiert. Bei der Gestaltung des Hotels wurde jede lokale Nuance berücksichtigt, um unseren Gästen den größtmöglichen Komfort in einer unverwechselbaren katarischen Umgebung zu bieten. Mit hochmodernen Annehmlichkeiten und Dienstleistungen wird das Alwadi Hotel einen bleibenden Eindruck der Gastfreundschaft Katars hinterlassen und sich als bevorzugter Zufluchtsort in diesem pulsierenden Geschäfts- und Touristenstaat herausstellen.« Im Alwadi Hotel Doha MGallery verschmelzen Erbe und Geschichte mit dem Hier und Jetzt und bieten ein unvergleichliches Erlebnis im Herzen einer visionären Stadt.

Abb.: Farbig illuminierte Sonnenschutzblenden schaffen eine einzigartige Stimmung über den Dächern von Doha. Die Beleuchtung im Pool- und Barbereich lädt zum Verweilen und Entspannen ein. Accor
Abb.: Die O'Glacée Bar wird mit weißen Lichtlinien definiert, der Tresen mit einer verdeckten Lichtlinie hervorgehoben. Funktionale Einbauleuchten gewährleisten die Grundbeleuchtung im Arbeitsbereich. Accor
Abb.: Die Dachterrasse transformiert mittels integrierter Beleuchtung zum innerstädtischen Raum. Der Außenpoolbereich wird durch die illuminierten Pavillon-Deckensegel mit RGB-Technologie strukturiert. Accor

Weitere Informationen:

Projekt: Alwadi Hotel Downtown Doha Qatar, www.alwadihoteldoha.com

Eröffnung: März 2019

Bauherr: Mshereib Properties, Doha

Nutzer: Accor Gruppe

Design/Architektur: Squire & Partner, London, https://squireandpartners.com

F&B Architekten: Wilson Associates, NYC, www.wilsonassociates.com

Generalplanung: Gensler, London, www.gensler.com

Lichtplanung für alle öffentlichen Bereiche: Lichtvision Design GmbH, Berlin, www.lichtvision.com

Elektroplanung: BuroHappold, London

Fotos: Accor

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 3 | 2020

Erschienen am 27. April 2020