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Licht 1 | 2019

Engagement auf europäischer Ebene

Die EU-Politik bietet der Lichtindustrie Chancen und Risiken

Die Europäische Union wird in den nächsten Monaten und Jahren eine Reihe von politischen Initiativen vorantreiben, die tiefgreifende Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle der Lichtbranche erwarten lassen. Vor diesem Hintergrund sucht der europäische Branchenverband LightingEurope kontinuierlich den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern in Brüssel, versucht Wachstumschancen für seine Mitglieder zu identifizieren und Risiken und Nachteile zu minimieren.

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Pflaum

Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft

Die Bandbreite der für die Lichtindustrie relevanten Themen auf der EU-Agenda ist groß. Dabei sind Vorschriften bezüglich Energie und Umwelt immer noch die wichtigsten und zahlreichsten. Neben Richtlinien über Energieeffizienz und entsprechende Kennzeichnungen beschäftigen sich die europäischen Gremien auch mit Richtlinien, die die Menge von Produkten und Materialien reduzieren sollen, die auf Müllhalden landet. Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist die sogenannte Kreislaufwirtschaft. Die EU hat einen dezidierten Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft und ist bestrebt, die Zahl kreislauffähiger Produkte und Geschäftsmodelle in Europa deutlich zu erhöhen. Für die Lichtbranche birgt dies Chancen aber auch Risiken.

Neue Geschäftsmodelle: Licht als Service

Einer der vier Kreisläufe (siehe Abb.) beinhaltet die Wartung von Produkten, um ihre technische und ökonomische Lebensdauer zu verlängern. Dies ist nicht nur von Vorteil für die Umwelt und den Endverbraucher, es eröffnet den Lichtfirmen auch neue Geschäftsmodelle, die auf Wartungsverträgen basieren und nicht mehr auf Produktlieferverträgen. Im Vergleich zur Computerbranche steht diese Entwicklung in der Lichtbranche noch am Anfang. Doch man findet bereits Anbieter im Firmenkundengeschäft. Beleuchtung-als-Service-Modelle werden z.B. bei Flughäfen und Lagerhallen praktiziert und sie verbreiten sich zunehmend auch in der Straßenbeleuchtung.

Für die Lichtindustrie gibt es zahlreiche Vorteile, wenn sie sich in Richtung wartungsfähiger Leuchten entwickelt. Lichtprofis können ihren Kunden z.B. über ein Monitoring der Betriebsdaten und vorrausschauende Wartung (predictive maintenance) einen Mehrwert bieten. Die Hersteller können als Dienstleister wesentlich näher an den Kunden rücken und eine engere Beziehung aufbauen.

Entfernbarkeit von Lichtquelle und Vorschaltgerät

Im EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft sind aber auch Intentionen enthalten, die laut LightingEurope zu ernsthaften Herausforderungen für viele Unternehmen der Lichtbranche werden können. Die Vorstellungen einiger EU-Politiker gehen über generelle Forderungen nach langer Lebensdauer, einfacher Reparierbarkeit und guter Wiederverwertung hinaus. Sie fordern, dass Produkte modular aufgebaut und leicht zu öffnen sind, so dass deren Komponenten einfach separiert und durch den Kunden ersetzt werden können. Konkret wurde ein Vorschlag eingebracht, die Entfernbarkeit von Lichtquellen und Vorschaltgeräten im nächsten Regelwerk zur Energieeffizienz zwingend festzuschreiben.

Dies kann für diverse Unternehmen problematisch werden, beispielsweise für Produzenten von luftdichten Leuchten für extreme Einsatzbedingungen. Solche Leuchten würden beim Öffnen des Gehäuses ihre Schutzart einbüßen. Bei bestimmten Anwendungen, wie bei luftdichten und staubresistenten Leuchten im Straßentunnel, wäre das sogar gefährlich. Ein anderes Beispiel sind Hersteller, die für den Endkundenmarkt Leuchten anbieten, deren Lichtquellen nicht ausgebaut und ersetzt werden können, da man davon ausgeht, dass dies angesichts der langen LED-Lebensdauer nicht nötig ist. Das Problem geht sogar über die Lichtindustrie hinaus – man denke an die Hersteller von Möbeln oder Haushaltsgeräten mit integriertem Licht.

LightingEurope hat es sich im Interesse der Lichtindustrie zur Aufgabe gemacht, die Entscheider in Brüssel davon zu überzeugen, dass es falsch ist, die Entfernbarkeit von Lichtquellen und Vorschaltgeräten pauschal, unabhängig vom Einsatzgebiet der Leuchten, vorzuschreiben. Der Verband unterstützt die Ziele der Kreislaufwirtschaft, ist aber trotzdem überzeugt, dass es dem einzelnen Unternehmen erlaubt sein muss, Technologie, Design und Geschäftsmodell auszuwählen, die es in die Kreislaufwirtschaft einbringen möchte. LightingEurope ist zu diesem Thema sehr aktiv gewesen und hat seine Position zum Kreislauf-Produktdesign gegenüber wichtigen Gremien und Personen verdeutlicht.

LightingEurope setzt sich für einen Ansatz zur Entfernbarkeit ein, der mit der Position des Normungsgremiums CEN CENELEC – JTC10 (Energiebezogene Produkte – Aspekte der Materialeffizienz für Ökodesign) übereinstimmt. Dort wird Entfernbarkeit nur für zwei Zwecke gefordert: zum einen, wenn Marktüberwachungsbehörden eine Überprüfung durchführen müssen, und zum anderen, wenn Lichtquelle und Leuchte, mit all ihren Komponenten am Ende der Lebensdauer wiederverwertet werden sollen.

Ausphasung von Lampen

LightingEurope engagiert sich auch, wenn es auf EU-Ebene darum geht, in welchem Zeitrahmen Lampen mit herkömmlichen Lichttechnologien aus dem Markt genommen werden sollen. Von Plänen zur Ausphasung betroffen sind einige kleine Halogenlampen, weitverbreitete Leuchtstofflampen, (wie T8, T5, Kompaktleuchtstofflampen), Hochdruckentladungslampen und Lampen für Spezialanwendungen. Die Ausphasungen vieler Lampenmodelle sind bereits über die EU-Richtlinien zum Energieverbrauch erfolgt bzw. terminiert. Jetzt geht es zusätzlich darum, Lampen im Rahmen einer Gesetzesinitiative zur Einschränkung von gefährlichen Substanzen aus dem Verkehr zu ziehen. Vor allem geht es dabei um Quecksilber in Lampen. Das Generaldirektorat Umwelt der europäischen Kommission prüft zurzeit die Verlängerung des RoHS-Ausnahmestatus der meisten konventionellen Lampen. Im Ergebnis könnte das Direktorat entscheiden, viele der Produkte zu verbieten, und zwar inkonsistent und schneller als es gemäß der Richtlinien zum Energieverbrauch geplant ist.

LightingEurope fordert die Politiker auf, eine detaillierte Folgenabschätzung bezüglich des Ausphasens von Produkten und bezüglich der Kreislaufwirtschaft rechtzeitig vor der nächsten Runde zur Überprüfung der Ökodesign-Richtlinie durchzuführen, die für 2024 erwartet wird.

Weitere Herausforderungen warten

Neben den genannten aktuellen Themen warten potentielle Herausforderungen auf die Lichtindustrie. Eine besteht in Plänen, ein Punktesystem zu entwickeln, das die Reparaturfähigkeit von Produkten bewerten soll bzw. – wo relevant – die Aufrüstungsfähigkeit von Produkten. Vorläufig sind Leuchten von dieser Initiative ausgenommen, aber es besteht die Möglichkeit, dass das Punktesystem zur Reparaturfähigkeit vorgeschrieben und auch für Lichtprodukte gelten wird.

Die andere mögliche Herausforderung am Horizont ist der EU-Richtlinienrahmen für Produkte. Diese breit angelegte Initiative hat das Ziel, eine kohärentere Rahmengesetzgebung zu verabschieden, um die verschiedenen Arbeitsstränge in der EU-Produktpolitik und deren Beiträge zur Kreislaufwirtschaft besser zu koordinieren. Diese Initiative will u.a. eine Analyse über die Nutzung von Chemikalien in allen Stufen der Herstellung von Produkten und deren Einfluss auf die Wiederverwertung und Wiederverwendung von Materialien etablieren. Es wird auch geprüft, ob ein umweltorientiertes Beschaffungswesen und eine erweiterte Herstellerverantwortlichkeit genutzt werden sollten, um Kreislaufprodukte populärer zu machen und Konsumenten zu motivieren, sich für diese zu entscheiden.

Beide anstehenden Initiativen fallen unter den Plan für die Kreislaufwirtschaft. Es ist unwahrscheinlich, dass die aktuelle Kommission über die Konsultationen, die sie bereits initiiert hat, hinaus konkrete Schritte zu diesem Thema unternimmt. Eher wird das Thema im Folgejahr nach den EU-Wahlen, das wäre 2020, weiterverfolgt.

Quelle: Lighting Europe, www.lightingeurope.org

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2019

Erschienen am 25. Februar 2019