Planung
Licht 5 | 2022

Energie sichtbar gemacht

Eine »Waldfassade« für Kraftwerk BIO4

Mit BIO4 hat Kopenhagen ein neues Heizkraftwerk bekommen, das mit Holz anstatt zuvor mit Kohle betrieben wird. Mit seiner eindrucksvollen Verkleidung aus Baumstämmen symbolisiert es von außen, dass Biomasse die Energiequelle liefert. Für die Gestaltung der dynamisch beleuchteten Fassade ging Architektur- und Lichtplanung Hand in Hand.

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Abb.: Das Kraftwerk BIO4 sollte die Themen Nachhaltigkeit und Energieerzeugung wahrnehmbar machen. Der Eindruck der organischen »Waldfassade« wird unterstrichen durch eine diffizile, dynamische Lichtgestaltung. Allan Toft

Kopenhagen strebt das Ziel an, als erste Hauptstadt der Welt bis 2025 kohlenstoffneutral zu sein. Einen wichtigen Schritt auf diesem Weg hat die dänische Metropole mit dem neuen, biomassebetriebenen Heizkraftwerk BIO4 gemacht, das im April 2020 in Betrieb genommen und im Oktober 2021 fertiggestellt wurde.

Markante Architektur für grüne Energie

Als lokales Versorgungsunternehmen liefert HOFOR der Kopenhagener Bevölkerung Strom und Fernwärme. Das Kraftwerk Amagerværket liegt auf der Halbinsel Amager, nur etwa zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt, die Anlage ist auch vom Hafen aus sichtbar. Sie besteht aus zwei Blöcken. Der erste Block wurde bereits 2010 von Kohle auf Holzpellets umgestellt. Der neue Block BIO4 ersetzt seinen kohlebetriebenen Vorgänger, womit nun die gesamte Strom- und Wärmeerzeugung des Werkes auf erneuerbaren Energien basiert. Für die Realisierung von BIO4 schrieb HOFOR 2014 einen Architekturwettbewerb aus. Den Zuschlag für die Erweiterung erhielt das Architekturbüro Gottlieb Paludan aus Kopenhagen, das sowohl für den Entwurf des Kraftwerks als auch für die Erstellung eines Masterplans für die Anlage auf Amager beauftragt wurde.

Für die Gestaltung der Fassade entwickelte Gottlieb Paludan gemeinsam ein Konzept mit den Landschaftsarchitekten Møller & Grønborg und dem Londoner Lichtplanungsbüro Speirs Major. Der Wertstoff Holz als nachhaltige Biomasse stand als übergreifendes Thema im Mittelpunkt, was sich deutlich im organischen Holzverkleidungssystem darstellt: an drei Seiten des 200 Meter langen Gebäudes besteht die Außenhaut aus Baumstämmen. Die West- und Ostseite ist dabei einschichtig ausgebildet. Die Nordseite sticht hingegen deutlich hervor – als mehrschichtige, sechs Meter dicke und dreidimensionale Struktur aus massiven Baumstämmen. Als Material wurde südafrikanischer Eukalyptus aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung (FSC-Label) ausgewählt. Hinter dem Entwurf steht die Idee, einen Waldeindruck zu vermitteln, sowohl bei Tag als auch in der Dunkelheit.

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Licht 5 | 2022

Aktuelle Ausgabe
Erschienen am 24. Juni 2022