Planung
Licht 6 | 2020

Eine Spielwiese für die intelligente Stadt

Schweizer Innovations-Award für das Smart City Labor Dietikon

Der Schweizer Energieversorger EKZ testet in Dietikon Smart-City-Lösungen. Was mit intelligenter Lichtsteuerung begann, erstreckt sich mittlerweile als Smart-City-Labor auf das gesamte Stadtgebiet und wurde nun mit einem Innovationspreis ausgezeichnet.

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Abb.: Mit Licht fing alles an: Das gesamte EKZ-Areal ist mit einem Lichtsteuerungssystem versehen, das sich dank Bewegungssensoren dynamisch anpasst oder mit einer Verkehrserfassung verknüpft ist. Jürg Isler

»Wir freuen uns riesig, dass unser Smart-City-Projekt von EnergieSchweiz ausgezeichnet wurde«, zeigt sich Jörg Haller, Leiter Smart City und öffentliche Beleuchtung bei EKZ, begeistert. EnergieSchweiz ist in der Schweiz die zentrale Plattform des Bundesamts für Energie. Seit 2019 lobt die Plattform den Smart City Innovation Award aus, bei dem EKZ dieses Jahr den ersten Platz belegte.

Für Jörg Haller ist die Auszeichnung eine Bestätigung seiner langjährigen Bemühungen auf diesem Gebiet. Denn: Die Stadt der Zukunft ist intelligent. Deshalb hat EKZ sein gesamtes Areal in Dietikon zu einem Smart City Labor umfunktioniert. Die Insel, auf dem sich der Werkhof und diverse Bürogebäude befinden, wurde mit verschiedenen Komponenten ausgestattet, die Messdaten liefern, neue Anwendungen ermöglichen oder sich intelligent steuern lassen.

Das Kompetenzzentrum ist als Labor zu verstehen, in dem laufend Innovationen entstehen. »Das Smart City Labor verfolgt zwei Ziele: Zum einen wollen wir hier eine Art Showroom schaffen für Interessierte Gemeinden und Städte«, erklärt Haller. »Gemeinden sollen die Möglichkeit haben, den Infrastruktur-Teil einer Smart City als Gesamtpaket vor Ort zu erleben. Zum anderen soll es für uns ein Labor sein, in dem wir verschiedene Lösungen unabhängig und produktneutral testen können.«

Abb.: Der Multifunktionsmast beim Eingang auf die Insel sorgt für Licht, WLAN, liefert Umweltdaten und Strom für Elektroautos. Er beherbergt sogar einen Drohnenlandeplatz. Jürg Isler
Abb.: Sensoren bilden die Basis der Smart City und erfassen Daten aller Art wie Verkehrsaufkommen, freie Parkplätze, Umweltdaten wie Temperatur, Feinstaub oder Schnee, Wassermengen und Lärm. Jürg Isler

Dietikon wird zur Smart City

Angefangen hat alles vor einigen Jahren mit dem Thema öffentliche Beleuchtung und verschiedenen Ansätzen, Licht intelligent zu steuern. Durch die hierfür notwendige Vernetzung von Leuchten kamen ständig neue Ideen auf, diese Netzwerke auch für andere Applikationen nutzbar zu machen. Heute ist das Thema Smart City in aller Munde. Jedoch gibt es in der Schweiz erst wenige Beispiele, die eine Smart City kompakt greifbar machen. Das Projekt in Dietikon sollte das ändern.

Nun dehnt sich das Smart City Labor auf die Stadt Dietikon aus. Dietikon hat in dieser Legislaturperiode mit Leitsätzen, Zielen und konkreten Maßnahmen definiert, in welche Richtung sich die Stadt bis ins Jahr 2030 entwickeln soll. Als »Energiestadt Gold« versteht es sich von selbst, dass gerade Innovationen im Energiebereich weit oben auf der Prioritätenliste stehen. Und im verkehrsreichen Bezirkshauptort Dietikon haben natürlich auch sämtliche Mobilitäts- und Umweltthemen einen hohen Stellenwert. Hinzu kommt das Thema Digitalisierung wie beispielsweise eine stadteigene App, die der Bevölkerung einen Mehrwert bezüglich Information und Kommunikation mit der Stadtverwaltung bringen soll.

Was ist eine Smart City?

Unter einer Smart City versteht man Konzepte, Städte mithilfe technischer Entwicklungen und Informations- und Kommunikationstechnologien zu modernisieren und lebenswerter zu gestalten. Dazu gehören die nachhaltige Nutzung von Ressourcen, indem Verkehrsflüsse durch intelligente Systeme aufeinander abgestimmt werden oder die Beleuchtung nur bei Bedarf eingesetzt wird. Gemeint ist aber auch die der Verwaltung.

Hauptpreis für Smart-City-Innovation

EnergieSchweiz hat dieses umfassende gemeinsame Smart-City-Projekt nun mit dem Smart City Innovation Award ausgezeichnet. Der Preis unterstützt Gemeinden und Städte mit einem finanziellen Beitrag auf ihrem Weg zur intelligenten Stadt. »Wir freuen uns sehr über die Anerkennung. Das Preisgeld bringt uns zusätzliche Mittel für die Umsetzung konkreter Maßnahmen. Das verleiht dem Thema Smart City natürlich insgesamt zusätzlichen Schub«, freut sich der Stadtpräsident von Dietikon, Roger Bachmann. »Eine Smart City bietet nebst technischen Entwicklungen beispielsweise im Bereich der Mobilität oder der Infrastruktur die Chance, den Alltag von uns allen effizienter zu gestalten und die Stadt insgesamt noch lebenswerter zu machen, da sich auch in Bezug auf die Gestaltung von Außenräumen und die damit verbundene Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum neue Möglichkeiten ergeben«, so Bachmann weiter.

Abb.: Zu einer Smart City gehört auch smarte Mobilität. Für Elektroautos stehen in Dietikon Ladelösungen mit unterschiedlichen Bezahllösungen beim Strombezug zur Verfügung. Jürg Isler

Auch Smart-City-Experte Jörg Haller ist überzeugt: Smart Cities bieten ihren Bewohnern einen immensen Mehrwert, wenn sie auf die Bedürfnisse der Stadt und ihrer Bewohner und Besucher ausgerichtet ist. Die intelligente Stadt bietet Transparenz, zum Beispiel im Umgang mit Umweltdaten. Sie ermöglicht auch den Austausch zwischen Verwaltung und Bevölkerung. Gleichzeitig unterstützen intelligente Technologien die Verwaltung. So bieten Sensoren Hilfestellung im Entsorgungsmanagement.

Auf dem EKZ-Areal beispielsweise erfassen Sensoren rund um den Entsorgungsplatz den Füllstand der einzelnen Container. In der Praxis sind solche Applikationen für das Abfuhr- und Entsorgungswesen einer Gemeinde von Interesse. Fahrten zur Überprüfung von Abfallcontainern entfallen. Eine App liefert zeit- und ortsgenau Informationen zum Standort oder dem benachbarten Naturschutzgebiet. Sensoren für Hochwasser und Bodentemperaturen warnen frühzeitig vor Gefahren.

Abb.: Alle Daten fließen in Dietikon auf einer Plattform zusammen, werden ausgewertet und visualisiert. Über eine Smart-City-App sind sie für Bewohner und Besucher auch unterwegs nutzbar. Jürg Isler

Datencockpit als Dreh- und Angelpunkt

Kernstück des Projekts ist eine Plattform, in der die Daten zusammenlaufen. Auf der EKZ-Insel ist das die mit einem Software-Partner entwickelte Smart-City-Plattform, in der sämtliche Daten ausgewertet werden. Sie vereinigt die gesammelten Informationen auf einer Oberfläche. Ziel ist es, all die Applikationen, die im Einsatz sind, nicht nur als Einzellösungen anzubieten, sondern wo möglich integrierte und produktneutrale Angebote zu schaffen, die einer Gemeinde oder Stadt einen Mehrwert bringen. Die Lösung in Dietikon basiert auf einer Open-Source-Technologie.

Im Smart City Labor auf dem EKZ-Areal können interessierte Besucher, Gemeinden und Städte all diese Angebote anschauen, testen und auch einen Blick in die eigens entwickelte App werfen, in der Informationen und Messwerte nutzbar gemacht werden. Bewohner und Besucher der Stadt sollen bei der Entwicklung ihrer Gemeinde oder Stadt aktiv partizipieren können, beispielsweise im Rahmen von digitalen Umfragen via Smart-City-App, über Ideen-Workshops und durch Teilnahmen an Events. Das ist auch für die Stadt Dietikon angedacht. Daran wird klar: Eine Smart City ist nur teilweise ein technisches Projekt. Darüber hinaus verlangt ein Smart-City-Projekt nach einer ganzheitlichen Betrachtungsweise, bei der Aspekte des Zusammenlebens, der Kultur und vor allem auch des Schutzes von Persönlichkeitsrechten und Daten eine zentrale Rolle spielen. Dies soll die Grundvoraussetzung für jede Smart City oder jede intelligente Gemeinde sein.

Zum Schluss wieder zurück zum Licht: Denn der öffentlichen Beleuchtung kann in der Stadt der Zukunft eine noch zentralere Rolle als Träger zusätzlicher Applikationen zuteil werden. Deshalb ist es wichtig, die entsprechenden Fachpersonen in den Städten und Gemeinden frühzeitig einzubinden. Die neuen Möglichkeiten bringen auch Herausforderungen mit sich, die man oft erst auf den zweiten Blick erkennt.

Weitere Informationen:

EKZ Zürich, www.ekz.ch

Autoren: Jörg Haller und Anja Rubin, EKZ Zürich

Fotos: Jürg Isler

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