Planung
Licht 5 | 2019

Ein Sensationsfund kommt ans Licht

Aus der Tiefe der Geschichte ins Licht der Gegenwart

Das Muzej Apoksiomena im kroatischen Mali Lošinj erzählt die emotionale Geschichte der im Meer vor der Küste Lošinjs gefundenen Statue des Apoxyomenos, auch bekannt als »Athlet aus Lošinj«. Bühnenbildartig inszenierte Räume nehmen die Besucher mit auf eine faszinierende Reise in die Antike.

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Abb.: Ganz in Weiß und ohne Schatten präsentiert sich der Hauptraum mit der geheimnisvollen Statue. Im Sinne eines entmaterialisierten Eindrucks wurde eine Lichtlösung mit nicht sichtbaren Lichtquellen entwickelt. © Faruk Pinjo

Niemand weiß, wie lange und warum die über 2000 Jahre alte Bronzestatue des Apoxyomenos am Grund des Mittelmeers lag. 1996 wurde sie – in 45 m Tiefe halb im Sand versunken und bedeckt von Muscheln und Meerespflanzen – zufällig von Hobbytauchern gefunden und drei Jahre später geborgen. Die Fachwelt ist sich einig: Der vor der Küste der Insel Lošinj entdeckte griechische Athlet ist ein einmaliger Sensationsfund. Nach sechs Jahren akribischer Restaurationsarbeit entwarfen ihm die kroatischen Baukünstler Idis Turato und Saša Randić ein neues Museum. Gemeinsam mit ihnen und anderen beteiligten Planern entwickelte Zumtobel ein maßgeschneidertes Beleuchtungskonzept, das die Geschichte der Statue mithilfe vielfältiger LED-Lichtlösungen mit allen Sinnen erlebbar macht.

Abb.: Am Abend werden Außenwand und Balkon des Muzej Apoksiomena über LED-RGB-Wand und -Bodeneinbauleuchten farbig angestrahlt. © Faruk Pinjo

Im alten Kvarner Palast in Mali Lošinj befindet sich das Muzej Apoksiomena. Auffällig sind ein gläserner Dachaufbau und ein gedeckter Eingangsbereich, der eigentlich ein breiter Balkon ist. In der Abenddämmerung erscheinen Außenwand und Balkon als Komposition aus farbigem Streiflicht. Die LED-RGB-Wandleuchten »Ikono« und -Bodeneinbauleuchten »Paso II« geben einen Vorgeschmack auf das, was das Museum auszeichnet. Es ist ein einzigartiges Schatzkästchen, das eine liebevoll gestaltete Raumskulptur enthält, in der die Besucher durch bühnenbildartig inszenierte Räume wandeln, um sich schrittweise Apoxyomenos und seiner Geschichte anzunähern. Erstes Bild dieser Inszenierung ist der Meeresgrund. Besucher finden sich nach Betreten des Museums in einem ausgehöhlten Gebäude mit leuchtend kobaltblauen Wänden wieder. Über ihnen scheint ein frei eingestellter weißer Stahlkörper zu schweben, dessen grob verschweißte Stahlplatten an einen mächtigen Schiffsrumpf erinnern. Das seitlich am Stahlkörper in Niedervolt-Stromschienen angebrachte LED-Multifunktionswerkzeug »Supersystem II« sowie entlang der Wände in den Boden integrierte LED-Streifen fokussieren den Blick der Besucher auf diese raumbestimmenden Elemente. Die Lichtquellen selbst bleiben im Hintergrund. Im ersten Ausstellungsraum erhalten die Besucher im gedämpften Licht hinterleuchteter Wandtafeln und Tische eine erste Einführung in die historische Bedeutung, den Fundort und die Restaurierung der Statue. Die Geschichten finden ihre Fortsetzung im benachbarten Kino, dessen farbenfrohe Raumgestaltung Assoziationen an Wasserpflanzen weckt. Der Eindruck einer Unterwasserwelt wird verstärkt von LED-RGB-Bodeneinbauleuchten (»Paso II«), die durch fließende Farbübergänge für eine schummerige Unterwasseratmosphäre sorgen.

Abb.: Kobaltblaue Wände erinnern ans Meer, grob verschweißte Stahlplatten an einen Schiffsrumpf. Das LED-Multifunktionswerkzeug »Supersystem II« fokussiert den Blick auf diese Elemente. © Faruk Pinjo
Abb.: Fundstücke, die sich auf dem Meeresgrund noch im Inneren der Statue befanden – z. B. Zweige, Kräutersamen und Olivenkerne – werden in kleinen, wandintegrierten Vitrinen zur Schau gestellt. Die präzise Akzentbeleuchtung der Objekte gelingt mithilfe des miniaturisierten LED-Lichtsystems »Microtools«. © Faruk Pinjo

Im Anschluss an einen weiteren Medienraum führt eine Treppe mit lebhafter Olivenholz-Wandbekleidung ins oberste Geschoss. Ganz ohne Farben und vor allem ganz ohne Schatten präsentiert sich der weiße Hauptraum mit Apoxyomenos als geheimnisvoller Höhepunkt des Museums. Seine besondere Aura, die die ganze Aufmerksamkeit auf die 1,92 m große Bronzestatue lenkt, basiert wesentlich auf einem weißen Boden sowie auf weißen, nahtlos in die Decke übergehenden Textilwänden. Im Sinne der entmaterialisierenden Wirkung war eine gleichsam körperlose Lichtlösung mit nicht sichtbaren Lichtquellen zu entwickeln. Dieser Herausforderung werden die Flächenleuchten des LED-Lichtsystems »Cielos« gerecht, die nicht bündig, sondern mit dazwischen liegenden LED-Streifen montiert wurden. So konnte ausgeschlossen werden, dass sich die Fugen zwischen den einzelnen Elementen auf den Textilflächen abzeichnen. Im Kontrast hierzu schaffen bewusst diagonal zur Verlegerichtung der Glasbodenplatten angebrachte Lichtflächen eine Art Fundament. Aus dem weißen Raum gelangen die Besucher schließlich über ein völlig schwarzes Treppenhaus, beleuchtet durch die Lichtlinie »Linaria«, in jenen Raum, dessen gläserner Dachaufbau schon von der Uferpromenade zu erkennen war. In der kaleidoskopartig verspiegelten Decke sehen sie die malerische Bucht von Mali Lošinj. Die mit dem Lichtmanagementsystem »Litecom« steuerbaren und aus dramaturgischen Gründen grundsätzlich dimmbaren LED-Leuchten tragen überall im Gebäude maßgeblich dazu bei, diese einzigartige Geschichte zu erzählen.

Weitere Informationen:

www.muzejapoksiomena.hr

Architekten: randic – turato, Rijeka, Kroatien, www.randic-turato.hr

Leuchten/Lichtlösung: Zumtobel, Dornbirn (A), www.zumtobel.com

Fotos: Faruk Pinjo/Zumtobel

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 5 | 2019

Erschienen am 25. Juni 2019