Planung
Licht 8 | 2021

Ein pulsierendes Herz aus Licht

Temporäre Installation auf der Fuorisalone 2021 in Mailand

Die temporäre Installation »JUNG LOVES … Exhibition of Things« im Rahmen der Fuorisalone 2021 vom 5. bis 10. September im Brera Design District in Mailand ließ die Besucherinnen und Besucher am Herzschlag von JUNG teilhaben. Die Installation öffnete den Raum für weitläufige Assoziationsfelder, die um den Begriff Liebe kreisen. So ließen sich für die Besucher Intensität und Berührung erzeugen, ohne dass diese sich tatsächlich physisch zu nahekamen. Die vom Designbüro raumkontor konzipierte Assemblage gab dem Design- und Technologieanspruch von JUNG die passende Bühne.

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Abb.: Ein pulsierendes Herz aus Licht und Erinnerungen ist das zentrale Objekt der temporären Installation »JUNG LOVES … Exhibition of Things«, die JUNG in Kooperation mit raumkontor in Mailand umgesetzt hat. Andreas Körner l bildhübsche fotografie

Das Designbüro raumkontor besteht aus einem transdisziplinären Team von Innenarchitekten, Architekten, Szenografen und Mediengestaltern. Durch die breit angelegten Teamkompetenzen ist das Projektspektrum vielfältig. Das Büro entwickelt für jedes Projekt auf den Auftraggeber und die Projektsituation zugeschnittene eigenständige Gestaltungslösungen. In enger Zusammenarbeit mit dem Schalksmühler Traditionsunternehmen JUNG setzte diese Kooperation die temporäre Installation »JUNG LOVES … Exhibition of Things« um. Der Haupt-Ausstellungsraum zeigte als zentralen Punkt Erinnerungsobjekte, die ein pulsierendes Herz bildeten. Der Raum vibrierte im Takt der Herzgeräusche, im Hintergrund ein Rascheln und Knistern, Schritte waren zu hören, eine Tür knarzte, ein schwerer, heftiger Atem. Stille. Purer Herzschlag. Kleine akustische Stillleben, ein persönliches Klang-Kopfkino. Den Betrachtern öffnete sich ein Raum der Magie, der Sehnsucht und der Träume. Sie sahen Objekte aus ihrer Kindheit, ihrer Jugend, Designobjekte der Gegenwart, Kuriositäten, Versponnenes und Abseitiges genauso wie aktuelle Verweise auf Architektur und Innenarchitektur.

Licht im Takt des Herzens

Das alles war nicht denkbar ohne das Licht, das im Takt des Herzens pulsierte. Von allen Seiten fing es die Objekte ein, imaginierte ein Auf- und Abschwellen des Herzkörpers. Die leichte Farbigkeit unterstützte die Gesamtatmosphäre, ohne den Objekten ihre Eigenfarbigkeit zu nehmen. Also nicht nur ein Puls im Ohr, sondern genauso die Intensität der Augenimpulse im dämmrigen Raum. Neben der Ausleuchtung des Herzobjektes gab es eine weitere Ebene, einen nächsten Wahrnehmungs-Layer. Mit beweglichen Projektoren tanzten die Header bekannter Lovesongs durch den Raum, veränderten ihre Größe und Klarheit, legten sich übereinander. Björk traf The Smiths, Serge Gainsbourg traf Rio Reiser. Also wie im Leben: »Je t‘aime« und »Killing me softly« liegen nah beieinander, »All you need is love« treibt uns alle um.

Abb.: Entsprechend der Vielschichtigkeit der Inszenierung stand die Verbindung von klaren Formen und smarten Technologien mit der Sinnlichkeit des Materials im Fokus. Andreas Körner l bildhübsche fotografie

In einer Explosion aus Rot-Tönen zeigte der Schalterklassiker »LS 990« die Farbtiefe der »Polychromie Architecturale« der originalen Farben »Les Couleurs Le Corbusier«. Kontrastiert durch die Kombination von purem Schwarz als Statement und reinem Weiß als Understatement. Entsprechend der Vielschichtigkeit der Inszenierung stand die Verbindung von klaren Formen und smarten Technologien mit der Sinnlichkeit des Materials im Fokus. Das Bauen entwickelt sich stetig entsprechend des Zeitgeists und des technologischen Fortschritts weiter. JUNG sieht es als Unternehmensverantwortung, diese Entwicklung nicht nur mitzugehen, sondern positiv zu prägen. Dabei steht nicht allein das Produkt im Fokus, sondern die Architektur als Ganzes. Nur durch wertige und dem jeweiligen Gestaltungsanspruch entsprechende Materialien und Produkte kann eine architektonische Idee auch umgesetzt werden. Ideen, die Besucher bereits 2019 mit der »JUNG Chromatic Installation« erleben durften.

Abb.: Bewegliche Projektoren ließen bei der Installation die Titel bekannter Lovesongs durch den Raum tanzen, veränderten die Größe und Klarheit der Texte oder legten sie übereinander. Andreas Körner l bildhübsche fotografie

Leidenschaft für Architektur

Doch welcher konzeptionelle Ansatz und welche gestalterische Umsetzung verbergen sich in diesem Jahr hinter »JUNG LOVES … Exhibition of Things«? Dijane Slavic, vom JUNG Architektur Team, resümiert: »JUNG LOVES … Exhibition of Things« ist weit mehr als ein einprägsamer Slogan. Es ist vielmehr ein Bekenntnis, denn es drückt unsere Leidenschaft für Architektur aus. Designerinnen und Designer, Architektinnen und Architekten, Innenarchitektinnen und Innenarchitekten – alle brennen dafür, der bestmöglichen Lösung viel Raum zu geben. Um diesen Austausch zu fördern, suchen wir den permanenten Dialog mit Formaten in der Kommunikation von und für Architekten. Das sind zum Beispiel die Podcast-Reihe JUNG Architecture Talks, die JUNG Lectures, Webinare oder unsere Referenzprojekte. Aber auch analoge Veranstaltungen und Kooperationen – national wie international. Dieser Haltung einen Ausdruck zu verleihen, dafür steht die Installation JUNG LOVES … Exhibition of Things. Ein Ereignis, in dem sich jeder auf seine Weise wiederfindet und berührt wird.«

Abb.: Der Raum, in dem die Lichtinstallation inszeniert wurde, ist förmlich von der Liebe und Leidenschaft von JUNG für Architektur erfüllt. Andreas Körner l bildhübsche fotografie

Abb.: In einem weiteren Raum wurde der Schalter »LS 990« mit seiner Monochromie von Graphitschwarz und Schneeweiß inszeniert. Andreas Körner l bildhübsche fotografie

Die Installation spiegelt genau diese ganze Bandbreite wider – von kräftigen Farben bis zu strenger Monochromie. Slavic kommentiert die Installation entsprechend: »JUNG steht genau für ein Spiel der Möglichkeiten: Auf der einen Seite die Farbexplosion in Form der Rot-Töne. Die Farbauswahl der Les Couleurs Le Corbusier steht für Zeitlosigkeit, lässt aber zugleich kreative künstlerische Variationen zu. Auf der anderen Seite steht die Besonderheit der Monochromie von Graphitschwarz und Schneeweiß: Die spezielle matte und haptische Oberfläche. Durch die Veredelung wird das Licht absorbiert. Schwarz wirkt noch schwärzer, Weiß wirkt samtig weich. So lassen sich durch Purismus besondere Statements setzen. Dadurch ergeben sich für die Gestaltung der Architektur mit Farbe ganz neue Möglichkeiten – farbige Schalter auf weißen Wänden, weiße Schalter auf farbigen Wänden, Ton-in-Ton-Variationen oder die Farbkonzeption anhand von bestimmten Farbpaletten. Man muss sich nur trauen.«

Weitere Informationen:

Installation: Albrecht JUNG GmbH & Co. KG, Schalksmühle, www.jung.de

Konzept: raumkontor Innenarchitektur, Düsseldorf, www.raumkontor.com

Fotos: Andreas Körner l bildhübsche fotografie

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 8 | 2021

Erschienen am 26. Oktober 2021