Planung
Licht 7 | 2021

Ein Open House für Austausch und Kreativität

Visionäres Headquarter »Object Campus« in Denkendorf

Der Teppichspezialist Object Carpet setzt auch nach über 45 Jahren auf Innovation, nicht nur wenn es um textile Bodenbeläge geht. Bester Beweis dafür ist die neue Firmenzentrale »Object Campus – City of Visions« in Denkendorf bei Stuttgart. Die eindrucksvolle Architektur korrespondiert mit einem ambitionierten Innenleben und gestalterisch anspruchsvoller Beleuchtung.

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Abb.: Im Showroom »Creative Space« erlebt man haptisch und visuell die hochwertigen Produkte des Hauses. Die ca. 35 m lange Musterwand besteht aus etwa 1.400 Produkten. Beim Licht setzte man auf beste Farbwiedergabe und flexible Strahler. OBJECT CARPET | Markus Guhl

Schon der Name »Campus« verrät, dass sich hier alles um den interdisziplinären Austausch dreht. Das neue Bürogebäude, entworfen vom Architekturbüro Hank+Hirth, setzt in Sachen Open Space und New Work starke Zeichen. »Unsere Firmenzentrale soll ein Ort sein, wo sich Experten und Firmen austauschen können und wo Wissen vermittelt wird – ein Open House mit Showroom, Akademie, flexiblen Working-Spaces und Meeting-Places. Das Herzstück ist ein Restaurant in Verbindung mit einem Coworking-Café«, erklärt Geschäftsführer Daniel Butz. Die eindrucksvolle Architektur mit lichtabsorbierender Aluminium-Glasfassade korrespondiert mit einem ambitionierten Innenleben und anspruchsvoller Beleuchtung aus dem Hause Molto Luce.

Abb.: Die kubischen Leuchten »Ride PD« in Schwarz und Weiß wurden frei angeordnet und korrespondieren mit der Geometrie des Eingangsbereichs und dem Corporate Design. Das Licht strahlt diffus in den Raum. OBJECT CARPET | Markus Guhl

Abb.: Die neue Firmenzentrale ist als Open House mit Showroom, Akademie, Working-Spaces und Meeting-Places konzipiert. In den Abendstunden strahlt das Gebäude von innen heraus. OBJECT CARPET | Markus Guhl

Hineingehen, Warten und Staunen

Voller architektonischer Raffinesse und lebhafter Schwarz-Weiß-Kontraste empfängt das Treppenhaus die Gäste und Mitarbeitenden. Raumhoch verglaste Arbeitsräume bieten einen weiten Blick über das Areal. Der Eingangsbereich ist zwei Stockwerke hoch und besteht aus skulpturalen Formen. Auffällig sind die schwarz-weißen Leuchten »Ride PD« mit kubischer Abdeckung. Das Licht wird gleichmäßig diffus in drei Richtungen abgestrahlt. Die Leuchten sind in einer freien Anordnung vor schwarzem Hintergrund komponiert. Da Schwarz und Weiß die Farben des Corporate Designs von Object Carpet sind, entschied man sich für die Leuchte in der Ausführung Schwarz und einer Abdeckung mit kubischer Form. Durch die kubische Abdeckung kommt das Weiß noch besser zur Geltung.

Über das Treppenhaus gelangt man in den Wartebereich. Dieser wird ebenfalls mit direkt strahlenden »Ride«-Leuchten mit 4.000 K beleuchtet. Zusätzlich gibt es im Wartebereich die »Hall of Fame«-Wand, die Auszeichnungen und Zertifikate zeigt. Um flexibel auf die Anforderungen zu reagieren, verwendet man eine DALI-3-Phasen-Stromschiene mit dem Strahler »Mova«. Eine homogene, vertikale Wandbeleuchtung wird durch den asymmetrischen Reflektor im Schienenstrahler ermöglicht. Im Möbel ist zudem der Wallwasher »Ride RDB« integriert. Durch den Freiformreflektor werden einzelne Glanzpunkte erzeugt, wodurch ein brillanter Lichteffekt entsteht und die hohe Wertigkeit unterstrichen wird.

Abb.: In der »Hall of Fame« werden Auszeichnungen und Zertifikate präsentiert und über eine 3-Phasen-Stromschiene mit dem Strahler »Mova« beleuchtet. Ein asymmetrischer Reflektor sorgt für gleichmäßiges Licht. OBJECT CARPET | Markus Guhl

Arbeiten und Besprechen

Im Osten macht das Gebäude eine leichte Biegung entsprechend der Straße vor dem Gebäude. In den Fluren und Verkehrsbereichen nahmen die Lichtplaner diese Biegung durch das lineare Lichtbandsystem »Log Out 2.1« (Version Aufbauleuchte) auf. Das Lichtband zeichnet die Form der Außenfassade nach, welche auch der Straße nachempfunden ist. Gestalterisch wollte man damit in der Decke eine räumliche Trennung der Nutzungseinheiten von Arbeits- und Relax-Bereich erzielen. Das gesamte Lichtband ist eine Sonderanfertigung im Werk von Molto Luce in Weißkirchen (Österreich) nach Angaben der Planungsabteilung München. Die entsprechenden Einzelkomponenten wie Profil, Lichteinsatz oder mikroprismatische Optik wurden vor Ort in Denkendorf zusammengebaut. Die Anordnung der »Log In«-Leuchten über dem Relax-Bereich in der Mittelachse ist um 90° gedreht, nimmt jedoch die Form der Biegung mit auf.

Abb.: Das Lichtband »Log Out 2.1« zeichnet die Biegung der Außenfassade nach und ist eine Sonderanfertigung. Die Arbeitsplätze werden über die Stehleuchten »Lens« direkt/indirekt beleuchtet. Diese sind mit einem Tageslicht- und Präsenzmelder ausgestattet und regeln sich von selbst. OBJECT CARPET | Markus Guhl

Nur wenige klassische Einzelbüros und Besprechungsräume finden sich unter den bis zu 3,20 m hohen Decken, stattdessen gibt es Open Space- und New Work-Arbeitsplätze, Kommunikations- und Rückzugsbereiche. Flure sind als offene Bereiche konzipiert und geben den Mitarbeitenden abgeschirmt von großen Grünpflanzen und auf Alkoven-Sofas Gelegenheit zum Gespräch oder zur kurzen Auszeit. Gestaltet sind die Kommunikationsräume nach Themenwelten wie »Jungle« oder »Aquarium«.

Der Bürobereich entlang der Fassade wird direkt/indirekt über die Stehleuchten »Lens« beleuchtet. Sie haben hat eine Lichtverteilung von 40 % direktstrahlend und 60 % indirektstrahlend über die Decke. Somit werden die Anforderungen der DIN EN 12464 -1 und der ASR erfüllt. Durch die Deckenaufhellung erzielt man zudem ein freundliches Fassadenbild in der abendlichen Außenwirkung. Die Stehleuchten funktionieren autark und sind mit einem Tageslicht- und Präsenzmelder ausgestattet. Sie sind so programmiert, dass immer eine horizontale mittlere Beleuchtungsstärke von 500 lx auf der Arbeitsfläche erzielt wird. Unter Berücksichtigung der einfallenden Tageslichtmenge über die Fassade regelt sich die Leuchte von selbst hoch oder runter.

Der Nutzer kann zudem über einen kabellosen Funk-/Wandschalter die Leuchte ein- und ausschalten oder dimmen. Dieser Wandschalter benötigt keine Stromzuleitung und Batterie. Das Betätigen des Schalters reicht aus, um das Funksignal zu senden. Im Leuchtenkopf befindet sich neben dem Präsenz- und Tageslichtsensor ein Funkbaustein, damit die Leuchten per Funksignal untereinander kommunizieren können. Diese sog. Schwarmfunktion kommt im Großraumbüro zum Einsatz. Sitzt z. B. ein Mitarbeiter am Abend alleine am Schreibtisch, so ist das Licht so programmiert, dass die Stehleuchten in unmittelbarer Nähe auf jeweils 20 % hochfahren. Dadurch wird eine angenehme Raumatmosphäre in den Abendstunden geschaffen. Bei der Stehleuchte wurden zwei verschiedene Ausstrahlwinkel eingesetzt. Die Leuchte an sich ist immer die gleiche, sie unterscheidet sich nur durch die LED-Linse im Leuchtenkopf und die Systemleistung.

Es gibt offene und geschlossene Besprechungsräume, die mit »Log Out 2.1« und »Lens«-Pendelleuchten ausgestattet wurden. Bei der Pendelleuchte wird das gleiche Profil wie bei den Stehleuchten verwendet. Durch die filigrane Abmessung von 35 mm fügt sich diese Leuchte unauffällig in das gesamte Raumbild ein. Durch das Hochglanzraster wird eine optimale Entblendung erzielt. Da die Decke weiß ist, wählten die Planer die Gehäusefarbe ebenfalls in Weiß und das Hochglanzraster in Schwarz. Durch die direkt/indirekte Lichtverteilung liegt der Fokus auf den Besprechungstischen und den umliegenden Raumflächen. Das zu »Beleuchtende« rückt in den Vordergrund, die Leuchte in den Hintergrund.

Abb.: Im Aufenthaltsbereich »Aquarium« dominieren blaue Farbtöne sowie runde und lineare Akustikelemente. Durch ihre schmale Bauform integriert sich die Leuchte »Ride SD« unauffällig in die lamellenartige Akustikdecke. OBJECT CARPET | Markus Guhl

Speisen und Entspannen

Das Restaurant »La Visione« ist italienisches Restaurant, Co-Working-Space und Treffpunkt für Gäste und Mitarbeitende in einem. Konzipiert wurde es von der Ippolito Fleitz Group. Für die Zonierung einiger Tische sorgen Aufbaustrahler »Aeon Round«, als Grundbeleuchtung und Anstrahlung der Wandregale 3-Phasen-Stromschienen-Strahler »Mova« und »Ride« Pendelleuchten. Im Aufenthaltsbereich »Aquarium« dominieren blaue Farben und Akustikelemente an der Decke. Durch die schmale Bauform konnte die Leuchte »Ride SD« unauffällig in die Akustikdecke integriert werden. Statt wie im Eingangsbereich wurde hier keine kubische, sondern eine flache Abdeckung eingesetzt. Das Akustikelement an der Decke dient gleichzeitig als Beleuchtung. Theke und Stehtisch werden über die Pendelleuchte »Ride Lens« direkt/indirekt zoniert.

Abb.: Der Showroom wurde als autarkes »Raum-in-Raum-System« konzipiert. Die Beleuchtung erfolgt über die Strahler »Mova« und muss auf verschiedenste Anforderungen flexibel reagieren. OBJECT CARPET | Markus Guhl

Kreative Arbeit im Showroom

Im Showroom »Creative Space« können sowohl die textilen Bodenbeläge von Object Carpet, als auch ganzheitliche Planungen dank VR-Technik und 3D-Brillen in virtuellen Räumen und Gebäuden betrachtet werden. Dabei sind die vielfältigen Designs, Farbstellungen und Qualitäten auch haptisch erlebbar. Die Idee des Interiorkonzepts bestand darin, dass hier kein Gegenstand fest mit der Decke verbunden sein sollte, sozusagen ein »Raum-in-Raum-System«. Die Beleuchtung ist in die dominante Lamellendecke unauffällig integriert. Die Musterwand hat eine Länge von ca. 35 m, mit einem Mustersortiment bestehend aus etwa 1.400 Produkten. Die Beleuchtung der Musterwand erfolgt über die Stromschienen-Strahler »Mova« mit asymmetrischem Reflektor. Die Präsentationstische werden über schwenkbare Downlights mit einer sehr engstrahlenden Lichtverteilung beleuchtet. Betriebsgerät und Downlight sind in einer Sonderkonstruktion untergebracht, welche unauffällig in die Lamellendecke integriert ist.

Im Zentrum der Musterfläche befindet sich das Medienpult. Hier kann sich der Besucher seine eigenen Musterteppiche zusammenstellen, die anschließend über einen Beamer an die Musterwand projiziert werden. Das Medienpult wird durch die darüber positionierte Ringleuchte »Liquid Line« hervorgehoben, die als Sonderkonstruktion in Form eines zu ¾ geschlossenen Kreises ausgeführt ist.

Abb.: Im Zentrum der Musterfläche befindet sich das Medienpult. Hier lassen sich Musterteppiche zusammenstellen und anschließend über einen Beamer an die Wand projizieren. Inszeniert wird das Pult durch die Ringleuchte »Liquid Line« als Sonderkonstruktion in einem ¾-Kreis. OBJECT CARPET | Markus Guhl

Wissensvermittlung und Austausch

Die »Akademie« versprüht allein schon durch die sichtbare Betondecke und Technik einen industriellen Charme. Damit die Technik an der Decke nicht zu sehr in den Vordergrund rückt, wurde alles, was sich an der Decke befindet, in Schwarz gehalten. Die Beleuchtung musste flexibel auf verschiedene Szenen reagieren. Aus planerischer und gestalterischer Sicht hat man sich daher für die 3-Phasen-Stromschienen »Pulse« entschieden. DALI ermöglicht es, jeden einzelnen Strahler anzusteuern und unterschiedliche Szenen, wie »Event«, »Kino« oder »Präsentation« zu kreieren. Zudem können die Positionen der Strahler jederzeit verändert werden.

Doch nicht nur das Licht und die Architektur prägen das nachhaltig und nahezu energieautark konzipierte Bürogebäude. Selbstverständlich sorgen im ganzen Haus firmeneigene Produkte wie schallabsorbierende und staubbindende Teppiche für ein gesundes Raumklima. Für Mitarbeitende, Gäste und Partner entsteht so ein Wohlfühlklima, in dem es sich gerne arbeiten und kreativ austauschen lässt.

Abb.: Die Beleuchtung in der »Akademie« reagiert flexibel auf verschiedene Szenen und Anforderungen und ist wie die gesamte Decke in Schwarz gehalten. Zudem können die Positionen der Strahler jederzeit verändert werden. OBJECT CARPET | Markus Guhl

Weitere Informationen:

Kunde: OBJECT CARPET GmbH, Denkendorf, www.object-carpet.com

Architektur: Hank + Hirth, Eningen unter Achalm, www.hank-hirth.de

Leuchten und Lichtplanung: Molto Luce GmbH, Wels (A), www.moltoluce.com

Fotos: OBJECT CARPET | Markus Guhl

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 7 | 2021

Erschienen am 24. September 2021