Planung
Licht 1 | 2022

Durchblick in der Verdichtung

Das Quartier Belvedere in Wien

Zwischen dem Wiener Hauptbahnhof und dem Schloss Belvedere ist es aufgrund der immensen baulichen Verdichtung nicht leicht, den Durchblick zu behalten. Renzo Piano setzte sein 65 Meter hohes Turm-Ensemble daher auf Pilotis, die zwischen den fünf Gebäuden Sichtachsen erlauben. Die Außenbeleuchtung von podpod design unterstützt diesen Effekt.

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Jansenberger Fotografie

Abb.: Mit schlanken Pfahlkonstruktionen löst RPBW die gigantischen
Volumina des Hotels Andaz und der Wohntürme, die sich bis zu
65 Meter oberhalb der Piloti erheben, optisch auf. Die Außenbeleuchtung
unterstützt diesen Effekt.

Der Bau des 2015 in Betrieb genommenen Wiener Hauptbahnhofs, dem der Süd- und Ostbahnhof hatten weichen müssen, bot den Auftakt zur Entstehung eines höchst widersprüchlichen urbanen Areals jenseits der Bahngleise. Während das historische Schloss Belvedere, die Parkanlage Schweizergarten, das 21er Haus, das sich heute Belvedere 21 nennt, und das Arsenal den Charme vergangener Tage versprühen, zeugt ein hochgradig verdichteter Städtebau in einer Vielfalt an Architekturstilen für gemischte Nutzungen vom Hier und Jetzt. Trotz ihrer Glasfassaden und ihrer wohlüberlegten Gliederung der Baukörper mit rückwärtig positionierten Höfen und Terrassen zeigen sich die Großprojekt-Ensembles im Straßenbild des 25 Hektar großen Quartier Belevedere, eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas, als kompakte Blockrandbebauung.

Sichtachsen ausdrücklich gewünscht

Auch das Hotel und der Wohnkomplex, mit denen Renzo Piano Building Workshop (RPBW) 2008 beauftragt wurde, lassen aus der Ferne eine kompakte Bauweise vermuten. Doch von der Arsenalstraße aus betrachtet – dort befinden sich die Haupteingänge – erkennt man die fünf einzeln ausgebildeten vertikalen Strukturen, die sich oberhalb schlanker Pfahlkonstruktionen aus Beton auf individuellen polygonalen Grundrissen erheben. Unter städtebaulichen Gesichtspunkten sollten Sichtachsen und ein offener begrünter Bereich in Fortsetzung des Schweizergartens sowie ein Übergang zwischen den unterschiedlichen Niveaus der hoch gelegenen Bahngleise und der ebenerdigen historischen Parkanlage, die ihren Namen seit 1920 aus Dankbarkeit für die großzügige Hilfe der Schweiz an die nach Kriegsende Not leidende Wiener Bevölkerung trägt, geschaffen werden.

Gigantische Volumina optisch aufgelöst

Da die Baukörper selbst erst vier bis sechs Stockwerke und somit neun Meter oberhalb des Baugrunds beginnen, befinden sich alle Wohneinheiten in den drei Wohntürmen sowie die Zimmer in dem Luxushotel Andaz Vienna am Belvedere oberhalb der Baumkronen der Parkanlage und oberhalb der Schutzwand, welche die 16 Bahngleise inklusive Hochgeschwindigkeitstrasse zum Quartier Belvedere abschottet. Dank dieser Maßnahme bieten die Räume nicht nur ausschweifende Blicke über die Innenstadt, den Wienerwald und den Schneeberg, sondern genießen auch eine Abschirmung vor dem Lärm der stark frequentierten Arsenalstraße und der 1.100 Züge, die täglich in den Hauptbahnhof einfahren. Auch auf die Wahrnehmung seitens der Passanten nimmt die schlanke Pfahlkonstruktion Einfluss. Denn die Sichtachsen unter und zwischen den fünf Türmen, die sich bis zu 65 Meter oberhalb der Pilotis erheben, lösen deren Volumina optisch auf.

Illuminierung als Spiegel der Entwurfsidee

Zur Verstärkung dieses Effekts hat podpod design die Fassaden der Gebäudekerne und die durch Faltung dreidimensional gestalteten Untersichten an den Haupteingängen der Wohntürme mit »Woody«- und »MiniWoody«-Strahlern von iGuzzini illuminiert. Mit seiner Vielfalt an Optiken, Lichtstärken und Accessoires ist »Woody« das geeignete Lichtwerkzeug, um die durch unterschiedliche Höhen und Flächen vorgegebenen diversifizierten Anforderungen in durchgängigem Design zu erfüllen. Weichzeichnerfilter sorgen für eine ausgezeichnete Wahrnehmung der Plastizität der Untersichten, während Abblendraster den Sehkomfort maßgeblich erhöhen. Für die Wahl des Produkts sprachen auch die kleinen Abmessungen, mit denen sich die Mitglieder dieser Produktfamilie unaufdringlich in die Architektur fügen.

Abb.: Die Illuminierung des Außenbereichs spiegelt die Entwurfsidee der Architekten. »Woody«- und »MiniWoody«-Strahler beleuchten die Fassaden der Gebäudekerne und die durch Faltung dreidimensional gestalteten Untersichten an den Haupteingängen der Wohntürme. Jansenberger Fotografie

Die Innenräume der drei Haupteingänge, die sich durch jeweils unterschiedliche Farbgestaltung (Rot, Gelb und Orange) differenzieren, beleuchtete podpod design mit an den rückwärtigen Wänden montierten »Laser Blade«-Wallwashern in 3.000 K. Das Licht bringt die Farben gleichmäßig zum Leuchten und verleiht den Eingangsbereichen Wärme.

Abb.: Die Innenräume der drei Haupteingänge, die sich durch jeweils unterschiedliche Farbgestaltung (Rot, Gelb und Orange) differenzieren, beleuchtete podpod design mit an den rückwärtigen Wänden montierten »Laser Blade«-Wallwashern in 3.000 K. Das Licht bringt die Farben gleichmäßig zum Leuchten und verleiht den Eingangsbereichen Wärme. Jansenberger Fotografie

Strahler in Sonderfarbe dezent integriert

Zur Inszenierung des auskragenden Vordachs am Haupteingang des Luxushotels Andaz wählten die Lichtdesigner kleine »Palco InOut«-Strahler, welche die Untersicht dezent mit warmem Licht aufhellen. Derselbe Strahlertypus wurde auch zur Beleuchtung des seitlich gelegenen Eingangs zum Restaurant Eugen 27 und für das dortige umlaufende Vordach eingesetzt. Ein weiteres Vordach im versetzten ersten Obergeschoss, hinter dessen raumhoher Verglasung sich die Konferenzräume befinden, wird ebenfalls von »Palco InOut«-Strahlern aufgehellt. Durch Weichzeichnerlinsen verteilt sich das elliptisch abgestrahlte Licht besonders sanft auf den Oberflächen aus Sichtbeton. Damit sich die »Palco«-Strahler dezent in die Profile der Glasfassaden integrieren, lieferte iGuzzini erstere inkl. der Montageplatten in einer dazu passenden Sonderfarbe.

Abb.: Durch Weichzeichnerlinsen verteilt sich das elliptisch abgestrahlte Licht besonders sanft auf den Oberflächen aus Sichtbeton. Jansenberger Fotografie
Abb.: »Palco InOut«-Strahler hellen die Untersicht des seitlich gelegenen Eingangs zum Restaurant Eugen 27 auf und inszenieren damit das umlaufende Vordach. Jansenberger Fotografie

Mit dem dezenten Beleuchtungskonzept der Eingänge zu den Parkappartments Belvedere ist es podpod design gelungen, die Entwurfsidee von RPBW nachzuspüren und das Wesen des Architektur-Ensembles auch bei Dunkelheit wirken zu lassen. Die »Palco InOut«-Strahler im Bereich der Restaurant- und Konferenzraum-Fassaden geben diesem Gebäudeteil zudem über zwei Geschosse Zusammenhalt.

Weitere Informationen:

Bauherr: SIGNA

Fertigstellung: 2019

Architekt: Renzo Piano Building Workshop, RPBW, www.rpbw.com; Bernhard Plattner, Projektpartner

Lichtdesign: podpod design, Wien (AT), www.podpoddesign.at

Leuchten: iGuzzini Illuminazione Österreich GmbH, Wien (AT), www.iguzzini.com

Text: Petra Lasar

Fotos: Friedrich Michael Jansenberger

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2022

Erschienen am 25. Februar 2022