Planung
Licht 5 | 2021

Digitaler Wegbereiter

Dynamische Beleuchtung für die Bobby Moore Bridge, London

Wembley Park liegt im Nordwesten Londons, das Gelände wird gemischt genutzt und befindet sich in einem Prozess der Neugestaltung. Im Zuge dessen wurde die Unterführung der Bobby Moore Bridge durch ein Lichtkonzept modernisiert, das den Übergang zwischen der U-Bahn-Station Wembley Park und dem Wembley Stadion für Fußgänger zum optischen Erlebnis macht.

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Abb.: Maßgeschneiderte Mehrzweck-Masten verleihen dem Olympic Way einen optischen Rahmen. Die Passanten werden geleitet und informiert, das Licht passt sich in der Helligkeit der Tageszeit an. Foto: James Newton James Newton

Das Areal Wembley Park bietet mit dem Wembley Stadion ein berühmtes Anlaufziel für große Sport- und Musikveranstaltungen. Doch auch Wohnungen, Parks und öffentliche Plätze sind hier nach und nach im Entstehen. Das gesamte Gebiet wird knapp 85 Hektar umfassen und soll zu einem lebendigen Kulturviertel für Besucher und Anwohner werden.

Ein Verkehrsbau als Highlight

Für die umfangreichen Maßnahmen ist die Immobilienentwicklungs- und Investmentgesellschaft Quintain verantwortlich. Diese schließen die Modernisierung der Bobby Moore Bridge mit ein. Die 1993 eröffnete Brücke wurde nach der Fußballlegende Bobby Moore benannt, dem Kapitän der englischen Nationalmannschaft, die 1966 die Fußballweltmeisterschaft gewann. Als Fußgängerunterführung bildet die Brücke einen elementaren Knotenpunkt in Wembley Park: Sie stellt die Verbindung dar zwischen der U-Bahn-Station Wembley Park und dem Wembley Stadion dar. Bei Konzerten und Fußballspielen wird die Unterführung stark frequentiert, sodass sie zu einem der wichtigsten Sanierungsobjekte wurde.

Das Konzept für die Modernisierung entwickelten Dixon Jones Architects, das Lichtdesign entwarf das Planungsbüro Speirs Major Light Architecture. Die lichttechnische Unterstützung und Umsetzung übernahm The Light Lab.

Das Beleuchtungskonzept von Speirs Major basiert auf einem Masterplan, der ursprünglich bereits ein Jahrzehnt zuvor für »New Wembley« entstand. Ansatzpunkt war vor allem die Überlegung, die Nutzung an die wechselnde Anzahl der Besucher anzupassen – für die Menschenströme an stark belebten Fußballtagen und ebenso für die wesentlich kleinere Menge an Anwohnern, die den Weg am häufigsten nutzen.

Abb.: Hochauflösende LED-Displays außen und niedrig auflösende LED-Panels innen setzen die Bobby Moore Bridge markant in Szene. Die Beleuchtung wird an den Verlauf des Tageslichts angepasst. Foto: Chris Winter www.chriswinter.co.uk.chris@chriswinter.co.uk.07970108312
Abb.: Wegweiser, Informationen, Werbebotschaften und Lichtkunst – die digitale Transformation der Bobby Moore Bridge bringt alles zusammen und macht den Durchgang zu einem immersiven Erlebnis. Foto: James Newton James Newton

Fließender Übergang

In ihrem vorherigen Zustand war die Unterführung wenig einladend; um diese aufzuwerten, wünschte sich der Kunde Quintain hochauflösende Medien-Werbebildschirme an den jeweiligen Enden der Brücke. Speirs Major wollte diese Bildschirme in das Lichtdesign miteinbeziehen, um den gesamten Durchgang in ein positives Raumerlebnis zu verwandeln.

Die Unterführung dient sowohl tagsüber als auch nach Einbruch der Dunkelheit als Plattform für dynamische Inhalte. Diese präsentieren sich außen auf den hochauflösenden und innen auf niedrig auflösenden Medien-Bildschirmen, die die Wände bekleiden. Diese Inhalte lassen sich dabei auch an das Live-Geschehen im Stadion anpassen. Die Decke ist zusätzlich mit Lichtlinien und Strahlern versehen, die den Mediencontent farblich aufgreifen können. So soll ein »Wrap around«-Effekt entstehen – das animierte Licht fließt übergangslos von innen nach außen, von außen nach innen. Die LED-Displays dienen hier auch als Medium für Lichtkunst von wechselnden Künstlern und Designern. Das Studio miriamandtom steuerte dafür die aktuelle Installation »Crossover« bei. Sie nimmt die Farbpalette der Umgebung auf und stellt sich mit kantig voneinander abgesetzten Flächen dar. »Crossover« ist an herkömmlichen Tagen ohne Veranstaltungen zu sehen und soll die vielschichtige, urbane Gemeinschaft vor Ort widerspiegeln. Die Lichtkunst kann sich im Laufe des Abends und von Tag zu Tag auch verändern und so programmiert werden, um auf bestimmte Ereignisse in Wembley Park zu reagieren.

Abb.: Der Olympic Way beschreibt den Weg von der U-Bahn-Haltestelle Wembley Park zum Wembley Stadion. Er ist mit Masten gesäumt, die alle mit ihren Inhalten synchron geschaltet werden können. Foto: Wembley Park Wembley Park

Leuchtende Flächen

Die niedrig auflösenden LED-Wände innen bestehen aus RGBW-LED-Modulen von Pharos, die einzeln adressierbar sind. Zum Schutz befinden sie sich hinter säuregeätzten, vorgespannten Scheiben aus Verbundglas und bilden eine Soft-Focus-Medienwand. Die RGBW-LED-Module sind flexibel programmierbar und ermöglichen es, statische und dynamische Bilder zu erzeugen. Die Beleuchtung der Unterführung innen entwarf Speirs Major, für die hochauflösenden LED-Displays außen an den Enden der Brücken war Eclipse Digital Media zuständig. Das komplexe Projekt wurde in Zusammenarbeit mit The Light Lab, Quintain und Dixon Jones durchgeführt. Die externen Screens von Absen übernehmen die Aufgabe, für Veranstaltungen zu werben oder Werbung zu zeigen. Sie sind mit der internen Beleuchtung verbunden – mit den LED-Wänden als auch mit den Lichtlinien – um den Durchgang für den Besucher immersiv zu gestalten.

Im vorherigen Zustand war die Unterführung mit Fliesen bekleidet. Ein Teil der Originale wurde sorgfältig renoviert und ist nun in der Mitte der Ostwand als Wandbild beleuchtet, um die Geschichte der Brücke zu würdigen.

Abb.: Die RGBW-LED-Module sind einzeln adressierbar und lassen sich programmieren, um das Geschehen im Wembley Stadion über Lichteffekte darzustellen. Das bezieht auch die Lichtlinien mit ein. Foto: The Light Lab The Light Lab
Abb.: Die Unterführung bietet Fußgängern ein wechselndes Bild, das sich auf aktuelle Events beziehen kann. Die Beleuchtung soll den inneren mit dem äußeren Bereich der Passage miteinander verbinden. Foto: The Light Lab The Light Lab

Übergreifende Decke

Im Tagesverlauf ändern sich die Lichtverhältnisse in der Passage. Es besteht ein Raster aus LED-Downlights mit 3.000 K, die für die Funktions- und Notbeleuchtung zuständig sind. Tagsüber wird der Durchgang mit 200 lx beleuchtet, um den Kontrast zum Tageslicht zu minimieren. Nach Einbruch der Dunkelheit wird die Beleuchtungsstärke auf 75 lx gesenkt. Lineare Leuchten »Glowline« ziehen diagonal über die Decke und ziehen den Bogen von einer LED-Wand zur anderen. Zusammen mit den LED-Wänden innen übernehmen die Deckenleuchten die Aufgabe, ein einladendes Ambiente in diesem Durchgang zu jeder Tageszeit zu kreieren, das Komfort und Sicherheit vermittelt. Die LED-Downlights und linearen Leuchten wurden von The Light Lab entwickelt.

Abb.: Die LED-Panels zeigen etwas abstrahiert den Inhalt der LED-Außenflächen. Lichtlinien sind in die Steuerung integriert, die Strahler an der Decke dienen als Funktions- und Notbeleuchtung. Foto: James Newton James Newton

Digitale Botschaften

Mit Hilfe einer Software werden alle Inhalte, die Helligkeitswerte der LEDs und Geräte verwaltet und zu einem digitalen Erlebnis zusammengeführt. »Digital Signage« umschreibt diese Verwendung von digitalen Medieninhalten. Für die Bobby Moore Bridge steuert die Digital Signage Software »embed signage« die Helligkeitsstufen der LED-Panels basierend auf einer astronomischen Uhr und unter Einhaltung der Richtlinien für die Helligkeit digitaler Bildschirme im urbanen Raum. Dank dieser digitalen Aufrüstung der Bobby Moore Bridge ist es möglich, einerseits auf alltägliche Erlebnisse und Events einzugehen, Werbung zu platzieren oder aktuelle Hinweise zu geben, andererseits auch Arbeiten von Künstlern temporär zu zeigen.

Der Olympic Way

Die Straße, die von der U-Bahn-Haltestelle Wembley Park zum Wembley Stadion führt, heißt Olympic Way, auch bekannt als Wembley Way. Hier sollten auf Wunsch von Quintain ebenfalls digitale Displays eingesetzt werden, als Informationsquelle und Richtungsgeber für die Passanten. In Zusammenarbeit mit den Architekten und Astley Signs als Digital Signage-Spezialisten entstanden Mehrzwecksäulen, die mit einer immensen technischen Infrastruktur ausgerüstet sind. Ihr markantes, L-förmiges Design entwarf Urbis Schréder. Die Beleuchtung der je 13,5 m hohen Masten übernahm Speirs Major. An den 4,5 m langen Auslegern verteilen sich fünf verschiedene Projektortypen, die kundenspezifisch entwickelt wurden und über eigene Optiken verfügen. Durch individuelle Lichtverteilungen und die Auswahl bestimmter Strahler können gezielte Lichtstimmungen moduliert werden. Außerdem ist jeder Mast mit einem beleuchteten Banner ausgestattet. Ein Strahler beleuchtet die Banner auch von unten, um so einen gezielten Lichtakzent unter jeden Mast zu setzen. Über die Digital Signage-Software können die Inhalte zwischen den Masten synchronisiert werden. Ähnliche LED-Masten und -Beschilderungen beleuchten auch den White Horse Square, den Hauptzugangsweg zum Wembley Stadion, und den Pink Car Park, Europas erstes mehrstöckiges Bus-Parkhaus.

Durch die digitale Modernisierung bilden die Bobby Moore Bridge und der Olympic Way eine harmonische Einheit. Gleichzeitig wird das Gelände zu einem attraktiven Anziehungspunkt und charakteristischen Merkmal des Wembley Parks. LED-Technik und Digital Signage wurden in diesem Projekt genutzt, um alte Architektur neu zu beleben und einen Mehrwert für Anwohner und Besucher zu schaffen.

Abb.: Die Masten sind mit unterschiedlichen und projektspezifischen Strahlervarianten ausgestattet. Sie sind dafür konstruiert, um in Zukunft auch das Gewicht von digitalen Bannern tragen können. Foto: James Newton James Newton

Weitere Informationen:

Projekt: Bobby Moore Bridge und Olympic Way, Wembley, UK

Kunde: Quintain Limited, www.quintain.co.uk

Architekt: Dixon Jones, www.dixonjones.co.uk

Lichtdesign und -planung: Speirs Major Light Architecture, www.smlightarchitecture.com

Lichtmanagement, Fertigung und Installation: The Light Lab, www.thelightlab.com

Lichtkunst: miriamandtom, www.tiller.studio

LED-Displays: Absen (Brücke außen), www.absen.com, Pharos (Brücke innen), www.pharoscontrols.com

Lichtplanung (Brücke außen): Eclipse Digital Media, www.eclipsedigitalmedia.co.uk

Leuchten innen: The Light Lab

Digital Signage Software: Embed Signage, www.embedsignage.com

Masten Olympic Way: Absen (LEDs); Speirs Major (Projektoren); Astley Signs (Digital Signage), www.astley-uk.com; Urbis Schréder (Design), www.uk.schreder.com

Bauunternehmer Olympic Way: Volker Fitzpatrick

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 5 | 2021

Erschienen am 25. Juni 2021