Planung
Licht 1 | 2019

Differenziert, effizient, attraktiv:

Retail-Architektur mit Lichtqualitäten gestalten

Beleuchtung im Handel sucht immer nach einer Balance zwischen technischer Effektivität, wirtschaftlicher Effizienz und kundenorientierter Emotionalität. Neben dem gekonnten Einsatz differenzierter Lichtverteilungen zur Inszenierung von Raum und Ware zählt dabei Licht, das die Eigenfarben der Waren optimiert, zu den effektivsten, aber auch anspruchsvollsten Werkzeugen. Anwendungsbeispiele solcher Lichtqualitäten aus aktuellen Projekten unterstreichen den ganzheitlichen Ansatz von BÄRO als Lichtpartner des Handels.

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Licht schafft Atmosphäre – und es hilft bei der verkaufsfördernden Präsentation von Waren aller Art. Typisch für erfolgreiches Retail Design ist ein Zusammenspiel aus Architektur und Ladenbau, Raumgestaltung und Warenpräsentation: Das sollten entsprechende Lichtkonzepte im Einzelhandel schlüssig unterstützen und ergänzen. War anspruchsvolle Beleuchtung vor Jahren noch den Flagship-Stores großer Marken oder Kaufhäusern im Premiumsegment vorbehalten, kann man inzwischen auch in ganz alltäglichen Einkaufssituationen, etwa beim Bäcker, Metzger oder im Supermarkt, zunehmend positive Beispiele für den bewussten Umgang mit Licht beobachten. Das liegt einerseits an den veränderten Sehgewohnheiten und damit gestiegenen Ansprüchen der Kunden – andererseits aber auch an den technischen Möglichkeiten, die der Wechsel von konventionellen Lichtquellen wie Leuchtstofflampen und Hochdrucklampen zur LED-Technik mit sich brachte. Nicht nur bei der reinen Lichtausbeute bietet die LED nämlich entscheidende Vorteile, sondern auch bei Lichtqualitäten wie der Lichtverteilung sowie der spektralen Zusammensetzung.

Lichtverteilung: Kontraste statt »Lichtsoße«

Gerade im Lebensmittelhandel waren konventionelle Lichtkonzepte in der Vergangenheit von einem hohen Anteil direkter oder diffuser Allgemeinbeleuchtung geprägt, zum Beispiel mit linearen Leuchtstofflampen. Aber auch im Nonfood-Bereich kamen häufig Hochdrucklampen mit hohen Wattagen und flutenden Optiken zum Einsatz. Das Ergebnis: Eine »Lichtsoße« mit unnötig hohen durchschnittlichen Beleuchtungsstärken, was wiederum noch stärkere Leuchten erforderte, wollte man wahrnehmbare Kontraste erzeugen.

Typisch für zeitgemäße LED-Lichtkonzepte im Handel ist dagegen, dass auf eine horizontale Allgemeinbeleuchtung oft komplett verzichtet wird. Stattdessen setzen Planer LED-Leuchten mit entsprechenden Lichtverteilungen von eng akzentuierend bis weit flutend ein, sowohl um den Raum und die Architektur zu definieren als auch um die Ware zu inszenieren. Spezielle asymmetrische WallWash-Lichtverteilungen heben Wände als Raumbegrenzungen hervor, dienen aber auch zur Akzentuierung von hängenden oder wandmontierten Schildern und Dekorationen sowie zur vertikalen Ausleuchtung von Warenregalen. Grundsätzlich gilt: Geht die Lichtplanung von einem niedrigen Helligkeitsniveau aus, lassen sich mit wenig Energieaufwand Kontraste erzeugen, die den Raum erst zum Leben erwecken, ihn hierarchisch gliedern und die Blickpunkte klar markieren.

Von eng akzentuierend bis weit flutend

Diese differenzierte Herangehensweise an die Beleuchtung benötigt ebenso differenzierte LED-Optiken. Der Hersteller BÄRO verwendet zum Beispiel sowohl in Stromschienenstrahlern als auch in Einbauleuchten die sogenannte Hybrid-Reflektortechnik: Bei dieser ­Technologie sorgt eine spezielle 3D-­Silikonlinse am LED-­Modul dafür, dass weniger Licht direkt abgestrahlt wird und mehr Licht kontrolliert über die Reflektorfacetten auf die Zielfläche gelangt. Das Linsenmaterial Silikon verbindet hervorragende optische Eigenschaften mit hoher Beständigkeit und Präzision. Mit dieser Technik lassen sich praxisgerechte Lichtverteilungen von NarrowSpot, Spot, Medium, Flood bis OvalBasic realisieren, die in Kombination mit teilsatinierten Abschlussgläsern saubere und weiche, aber definiert abgegrenzte Lichtkegel erzeugen.

Lichtfarben: Die Wahrnehmung ist entscheidend

Ob frische Lebensmittel, Nonfood-Sortiment, Mode- oder Freizeitartikel: Eine in ihrer spektralen Zusammensetzung abgestimmte Beleuchtung kann die Farb-, Material- und Oberflächeneigenschaften von Produkten so wiedergeben, dass Kunden einen bestmöglichen Eindruck erhalten. Erfolgreiche verkaufsfördernde Beleuchtung geht bewusst mit den Erwartungshaltungen und Sehgewohnheiten der Kunden um – und weckt damit positive Assoziationen. Die Technik dahinter beruht darauf, wie wir Menschen Farben sehen und interpretieren. Mit spektral unterschiedlich zusammengesetzten LED-Standard- und Speziallichtfarben lässt sich die Wahrnehmung bestimmter produkttypischer Farbtöne in einem erstaunlich weiten Bereich verändern. Je nach Beleuchtung erscheint zum Beispiel das Rot einer Tomate wärmer oder kühler, mehr oder weniger gesättigt. Die Kunst der eigenfarboptimierten Warenbeleuchtung ist es, für unterschiedliche Anwendungen jeweils maßgeschneiderte Lichtspektren zu verwenden.

Die wohl bekannteste Anwendung dieser Art ist die Beleuchtung von frischen Fleisch- und Wurstwaren. Schon hier wird deutlich, dass eigenfarboptimierte Beleuchtung stets eine Gratwanderung darstellt: Auf der einen Seite wünschen sich Händler und Kunden eine attraktive Präsentation der Ware, auf der anderen Seite darf diese nie ins Verfälschen oder Maskieren kippen – eine Frage des Fingerspitzengefühls. Hier benötigt der Handel Partner aus der Industrie, die ihre Erfahrung in Sachen Speziallichtfarben erfolgreich auf die LED-Technologie übertragen haben.

Lichtfarben für alle Fälle

LEDs bieten vielfältige Ansatzpunkte, um Lichtspektren zu definieren und zu beeinflussen. So hat beispielsweise BÄRO in enger Zusammenarbeit mit Technologiepartnern eine breite Palette an LED-Lichtfarben für Retail-Anwendungen entwickelt. Sie teilt sich praxisgerecht in Standardlichtfarben, farbintensivierende Lichtfarben und warenspezifische Lichtfarben auf. Schon bei den Standardlichtfarben, die sich am Planckschen Kurvenzug orientieren, ist das Angebot differenzierter als üblich: Mit den vier Weißtönen 927, 830, 835 sowie 840 umfasst es Farbtemperaturen von warmen 2700 K bis zu neutral-kühlen 4000 K. Die farbintensivierenden Spektren umfassen die Lichtfarben PearlWhite, die insbesondere gelbe und orangefarbige Oberflächen sättigt, BeColor, die besonders warme Körperfarben intensiviert und Oberflächen natürlich satt und farbig wirken lässt, sowie BeCool, eine Speziallichtfarbe, die der Farbintensivierung kühlerer Körperfarben dient.

Frische Ware, perfekt präsentiert

Schließlich die Auswahl an warenspezifischen LED-Speziallichtfarben: Sie reicht von der Lichtfarbe Sun, die alle warmen Töne sättigt und insbesondere frisches Obst und Gemüse leuchten lässt, über die Lichtfarben GoldenBread und Fish&Seafood bis zum Klassiker SpecialMeat, der Fleisch- und Wurstwaren besonders appetitlich wirken lässt. Damit steht den Anwendern im Handel und im Lebensmittel-Handwerk ein professionelles Instrumentarium zur Verfügung, mit dem sich für jedes Retail-Projekt, jede Marke und jede Situation im Verkaufsraum eine individuell passende, harmonische Lichtbalance entwickeln lässt.

Avantgarde bei Geschmack und Design

So präsentiert etwa Thierry Bamas in seiner neuen Pâtisserie in Biarritz seine Zukunftsvision für die Welt der feinen Gebäcke und Naschereien. Der vielfach ausgezeichnete Pâtissier und Chocolatier ist ein anerkannter Meister seines Fachs. Statt Nostalgie empfängt die Kundschaft in der neugestalteten Filiale eine avantgardistische Shop-Architektur, gestaltet von den Interior Designern des Büros MoMa aus Lyon: Futuristisch geformte Kühlvitrinen dominieren den Raum, ihre prismatischen Oberflächen aus dem Mineralwerkstoff Krion leuchten in fruchtigem Orange. Von grafischen Ornamenten durchbrochene, helle Wandpaneele setzen den Rahmen, damit kontrastieren der Boden und die Fronten der Sideboards in ihrer natürlichen Holzoptik.

Unterstützt durch BÄRO fanden die Planer die optimale Lichtbalance für ihr Retail-Konzept. Zum Einsatz kamen Leuchten aus der Serie »ID« mit der Lichtfarbe PearlWhite. Ihre besondere spektrale Zusammensetzung verstärkt allgemein die Sättigung von Farben und wirkt dabei neutral, natürlich und frisch. Direktes Licht auf den horizontalen Präsentationsvitrinen kommt aus »Pendiro ID« Pendelleuchten, die das Angebot brillant, blendfrei und appetitlich ausleuchten. Hinzu kommt vertikales Licht aus »Ontero ID« mit WallBeam-Optiken, die sowohl die vertikalen Vitrinen als auch die ornamentierten Wandpaneele gleichmäßig ausleuchten und so den Raum öffnen.

Frisches Licht, klare Kontraste

Ein weiteres Beispiel: Die Goltstein Fashionlounge in Marienburg im Kölner Süden. Für den kleinen, aber feinen Store für Damenmode plante und realisierte BÄRO ein neues, ausdrucksstarkes Lichtkonzept. Bei Mode geht es darum, Qualitäten wie Farben, Formen und Texturen herauszuarbeiten und sinnlich erlebbar zu machen. Dies gelingt mit dem blendfreien, brillanten und farbtreuen LED-Licht der »Ontero ID« Strahler, die sich mit Gehäusen in Schwarz unauffällig in die ebenfalls schwarz gehaltene Decke des Raums fügen. Abgestimmt auf die jeweiligen Zielflächen kommen unterschiedliche Lichtverteilungen von Narrow Spot im Schaufenster bis zu Flood und WallBeam im Raum zum Einsatz.

Die Lichtfarbe 835 (3500 K) stellt sowohl die Textilien als auch die weißen Präsentationsmöbel frisch, harmonisch und perfekt ausbalanciert dar. Zudem bildet so die kühlere Akzentbeleuchtung einen reizvollen Kontrast zur warmweißen »Insel« im Zentrum des Raums, die von vier dekorativen Kuppelleuchten mit goldfarbenen Reflektoren erzeugt wird. Der Stromverbrauch halbierte sich bei doppelter Lebensdauer im Vergleich zur konventionellen Vorgänger-Anlage.

Mehrwert durch planerische Intelligenz

In beiden Beispielen aus dem Handel lautet das Erfolgsrezept Differenzierung der Leuchten nach Lichtqualitäten wie der Lichtverteilung und der Lichtfarbe sowie der Flexibilität der Leuchtenserie. Dieser Ansatz ist keine Frage des Budgets – die Investitionen steigen dadurch nur minimal – sondern der planerischen Intelligenz und Kreativität. Beleuchtungsanbieter mit entsprechender Retail-Expertise wie BÄRO unterstützen Planer und Bauherren bei der Umsetzung ihrer Ideen dabei ganzheitlich, von der Konzeption bis zur Installation und Inbetriebnahme.

Abb.: Die kompakte XR-Leuchtenserie erschließt Anwendungsbereiche vom klassischen Food-Sektor über Near Food bis hin zu Shops und Boutiquen im Textil- und Non-Food-Handel. Bäro

Weitere Informationen:

BÄRO GmbH & Co. KG, Leichlingen, www.baero.com

Fotos: BÄRO

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2019

Erschienen am 25. Februar 2019