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Licht 4 | 2022

»Diesen Innovationsspirit spürt man in allen Ecken…«

Im Gespräch mit Rada Rodriguez, Geschäftsführerin für Signify DACH

Seit 1. Mai 2021 ist Rada Rodriguez die neue Frau an der Spitze der Signify DACH. Als Geschäftsführerin lenkt sie die Geschicke des Unternehmens sehr erfolgreich – trotz Pandemie, Lieferkettenunterbrechung und Engpässe. LICHT sprach mit Rada Rodriguez über ihren Werdegang, die Herausforderungen und wichtigsten Treiber der Branche und die Transformation in die vernetzte Welt.

Lesezeit: ca. 6 Minuten
Abb.: Rada Rodriguez setzt auf Diversifizierung und schätzt insbesondere den jungen inspirierenden Teamgeist im Unternehmen. Neben der Nachhaltigkeit stellt für sie Connected Lighting die nächste große Transformation in der Branche dar. Signify

LICHT: Frau Rodriguez, Sie sind seit 1. Mai 2021 Geschäftsführerin der Signify DACH. Wie lautet Ihre Zwischenbilanz?

Rada Rodriguez: Einen Jobwechsel inmitten einer Pandemie plant man nicht vorher. Diese brachte Herausforderungen mit sich, mit denen man nicht rechnen konnte. Was sehr positiv hervorzuheben ist, ist das Team. Denn Signify ist zwar ein Unternehmen mit langer Tradition, aber sehr jung im Geiste. Den Innovationsspirit spürt man in allen Ecken und das ist für mich sehr motivierend. Aktuell haben wir natürlich mit Herausforderungen zu tun, die die Pandemie betreffen, aber auch Unterbrechungen der Lieferketten, Engpässe und Verteuerungen beim Material, Lockdowns in China und natürlich die verheerenden Auswirkungen des Ukraine-Kriegs. Das Unternehmen ist in dieser schwierigen Phase insgesamt gut gewachsen, wir haben unseren ambitionierten Nachhaltigkeitsplan nahezu erfüllt. In einigen Bereichen wurden Weichen neu aufgestellt, das erste Quartal ist sehr gut gelaufen und ich bin froh diesen Schritt gemacht zu haben.

LICHT: Sie sind fest in der Elektrobranche verwurzelt und bringen viel Erfahrung als erfolgreiche Managerin und CEO mit. Geben Sie uns einen kleinen Einblick in Ihren Werdegang?

RR: In Rumänien geboren und aufgewachsen, habe ich dort eine MINT-geprägte Schule besucht. Schon damals war der sehr hohe Frauenanteil selbstverständlich. Der Zeitgeist, in dem ich aufgewachsen bin, war sehr technikgetrieben. Später habe ich Bauingenieurwesen studiert und war mein ganzes Berufsleben für den Gebäudebereich tätig, etwa 20 Jahre in verschiedenen Positionen in der Elektrobranche und die letzten 17 Jahre bei Schneider Electric. In Deutschland bin ich seit 2010. Hier kam ich mit der Verbandsarbeit in Kontakt und habe verstanden, wie wichtig und wie gut strukturiert diese im Vergleich zu anderen Ländern ist.

Abb.: Mit Interact lassen sich Daten, wie Lärmpegel, Bewegungsmuster oder der Zustand des Straßenbelags über Sensoren, die in das Lichtsystem integriert sind, erfassen. Signify
Abb.: Egal ob im Büro, in der Produktion oder in der Parkgarage: »Philips Interact Ready« Lampen und Leuchten ermöglichen den einfachen und unkomplizierten Umstieg auf vernetzte Beleuchtung. Hierbei lassen sich kabellos bis zu 200 Lichtpunkte miteinander vernetzen. Signify

LICHT: Die Verbandsarbeit ist Ihnen sehr wichtig.

RR: Ja, ich engagiere mich im ZVEI, bin dort seit einem Jahr Vizepräsidentin und war auch schon vorher im Vorstand tätig. Seit drei Jahren bin ich Deputy President bei Orgalim, dem europäischen Dachverband, der Europas Technologieindustrie und ein Drittel der europäischen Exporte repräsentiert. Mit über 750.000 Unternehmen zählen wir zu den größten europäischen Dachverbänden. In der heutigen Zeit, in der Regulierungen stärker gefordert werden, ist es entscheidend, seinen Beitrag in der Verbandsarbeit zu leisten.

LICHT: Was fasziniert Sie am Licht?

RR: Mich fasziniert, wieviel man mit Licht machen kann – von Design und Architektur über Technologie, Datenaustausch bis zur Gesundheit und Desinfektion. Als Signify sind wir dabei sehr gut aufgestellt. Nach der LED-Transformation möchten wir nun die nächste größere Transformation leiten, die des Connected Lighting.

»Nach der LED-Transformation möchten wir nun die nächste größere Transformation leiten, die des Connected Lighting«

LICHT: Was sehen Sie als Herausforderung?

RR: Die Herausforderungen sind die der europäischen Elektroindustrie. Wie können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit behalten und stärken? Denn andere Länder agieren schneller, haben aber auch weniger Ansprüche an die Nachhaltigkeit. Dazu kommen aktuelle Lieferkettenunterbrechungen. Die Pandemie hat gezeigt, wie abhängig wir von anderen Regionen sind und wie schwer es ist, Komponenten zu bekommen. Wir sind vorsichtig optimistisch, wären aber sehr optimistisch, wenn die Welt eine andere wäre…

»Wir sind vorsichtig optimistisch, wären aber sehr optimistisch, wenn die Welt eine andere wäre…«

LICHT: Welche Bereiche stehen im Fokus bei Signify DACH?

RR: Wir unterscheiden zwischen Technologien und Segmenten. Bei den Technologien haben wir das Potential bei den UV-C-Lösungen noch lange nicht ausgeschöpft. Leuchten mit 3D-Druck finde ich persönlich genial. Die sind nachhaltig, recycelbar, customized und wir produzieren in Europa. Connectivity steht für mich absolut im Fokus, weil ich sehe, dass der Markt immer mehr nach vernetzten, aber einfachen Lösungen fragt. Das geht Hand in Hand mit Energieeffizienz und Digitalisierung.

Bei den Marktsegmenten sehen wir nach wie vor ein starkes Wachstum im B2C-Segment. Das wird bleiben, darf aber nicht das einzige Standbein sein. Der professionelle Bereich wächst sehr gut. Ich hatte ja anfangs erwähnt, dass wir einige neue Weichen stellen und das passiert im Moment im Profi- Bereich, um noch näher am Planer, Handwerker und Händler zu sein. Bei den Märkten geht es immer um Gebäude, egal ob Smart Home, Building oder Industry. Die Gebäudebeleuchtung ist ein Wachstumsmotor, ob außen oder innen.

Abb.: Rada Rodriguez ist eine erfahrene Managerin, die seit Langem in der europäischen Elektrobranche verwurzelt ist. Seit 1. Mai 2021 ist sie die neue Frau an der Spitze der Signify DACH. Signify

LICHT: Ist Smart City noch ein Schwerpunkt?

RR: Das Thema ist sehr komplex und übergreifend, es geht auch um IoT-Plattformen. Es existieren spannende Lösungen, aber da sehe ich eher lokale Ansätze, nicht die großen, übergreifenden Lösungen für eine ganze Stadt. Das gilt für Deutschland, denn in den Niederlanden, der Schweiz oder Skandinavien ist man weiter. Man dachte vor einigen Jahren, Smart City wäre schnell umgesetzt, doch geht es hier nicht mehr um die ganze Stadt, sondern eher um lokale Bereiche. Daher sind Gebäude stark im Fokus, denn der Sanierungsbedarf im Gewerbe und Wohnbereich ist sehr hoch. Hier gilt es, mit den entsprechenden Förderprogrammen die Ziele der Bundesregierung zu erfüllen.

Abb.: Eine per 3D-Druck hergestellte Leuchte hat einen um 47 Prozent geringeren CO2-Fußabdruck als eine auf herkömmliche Weise hergestellte Metallleuchte. Außerdem erfordert sie keinen Klebstoff und setzt sich aus weniger Einzelteilen zusammen. Signify
Abb.: 3D-Druckleuchten von Signify basieren auf dem Gedanken der Nachhaltigkeit. Das Ausgangsmaterial ist ein Polycarbonat, das robust, hochwertig und zu 100 Prozent recyclingfähig ist. Signify

LICHT: Welche Produkte werden derzeit nachgefragt?

RR: Einfache vernetzte Lösungen. Hier gibt es bei Interact Pro eine sehr hohe Nachfrage. Die Anwendung über die App ist denkbar einfach und sie dient als Lösung für Installateure oder Enduser. Auch 3D wollen wir mit neuen Konfigurationen erweitern. Mit Nature Connect haben wir eine sehr spannende Innovation entwickelt, die das natürliche Licht simuliert. Philips Hue bleibt mit neuen Anwendungen weiterhin ein wichtiges Thema, dazu haben wir auch WiZ als einfache Lösung für das Smart Home.

LICHT: Wie sieht Ihre Roadmap 2025 aus?

RR: Im Rahmen unseres Nachhaltigkeitsprogramms »Brighter lives, better world« sind wir sehr weit vorangeschritten. Wir sind CO2-neutral, haben dank LED-Einsatz bei unseren Produkten 46 % weniger Emissionen, 92 % weniger Emissionen durch optimierte Flächennutzung bei Büros und nutzen 100 % Strom aus erneuerbaren Energien. Die Roadmap 2025 haben wir nahezu erreicht. Beim Frauenanteil in Führungspositionen DACH gibt es allerdings noch Nachholbedarf. Wir gehen das aber an und müssen hier aktiv sein. Eine ZVEI-Umfrage über »Frauen in Führungspositionen« ergab zwar gute Response, aber es war erstaunlich zu sehen, dass dies nur bei großen Unternehmen ein Thema ist, im Mittelstand leider nicht. Und unsere Branche ist ja sehr mittelständisch geprägt. Hier haben wir als Verband viel Arbeit zu leisten. Wenn man wettbewerbsfähig, innovativ und kreativ bleiben will, muss man diversifizieren, man verliert sonst die Kontakte zu den Kundensegmenten und Kundenbedürfnissen.

Abb.: Das System »NatureConnect« basiert auf Biophilic Design-Grundsätzen, die Elemente der Natur in Innenräumen nutzen, um gesunde Umgebungen zu schaffen. Dabei werden verschiedene LED-Leuchten – Daylight, Skylight und Lightscape – mit einer intuitiven Steuerung kombiniert. Signify
Abb.: Seit Anfang des Jahres sorgen mobile UV-C-Luftdesinfektionsgeräte in Münchner Schulen für virenfreie Luft. »Wir sind stolz darauf, einen erheblichen Teil der Münchener Schulen mit unserer UV-C-Technologie … zu unterstützen und so zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs beitragen zu können,« so Rada Rodriguez. Signify

LICHT: Welche Strategie fahren Sie bei Messen und Events?

RR: Wir werden flexibel bleiben. Es hat sich gezeigt, dass sich die Situation sehr schnell ändern kann. Was wir entwickeln ist ein Gesamtportfolio, das wir unseren Kunden anbieten können. Bei Messen und Veranstaltungen entscheiden wir von Fall zu Fall, ob das aktuell für uns in Frage kommt oder erst beim nächsten Mal. Wir bieten daher eine große Auswahl unterschiedlicher Aktivitäten an, darunter Hausmessen, Kundenbesuche oder Hybridveranstaltungen. Denn Geschäftsreisen sind mittlerweile auch eine zentrale Frage der Kosten, Umwelt und Nachhaltigkeit.

LICHT: Frau Rodriguez, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Emre Onur, LICHT, im Rahmen einer Videokonferenz im März 2022.

Weitere Informationen:

Signify GmbH, www.signify.com

Fotos: Signify

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 4 | 2022

Erschienen am 25. Mai 2022