Design
Licht 3 | 2019

»DIESE LEUCHTE BRINGT GLÜCK«

ZUM ANDENKEN AN ALESSANDRO MENDINI

Er war Architekt, Designer, Chefredakteur, Künstler, ein großer Denker und Aktivist: Alessandro Mendini ist im Februar 2019 mit 87 Jahren in seiner Heimatstadt Mailand verstorben. Zu seinen bekanntesten Entwürfen gehören sicher Barocksessel »Proust« für Cappellini (1978) oder der weiblich anmutende Korkenzieher »Anna G.« für Alessi (1994). Als einer der wichtigsten Vertreter des italienischen Designs hat er auch Licht in Form gebracht.

Lesezeit: ca. 3 Minuten

GRANDIOSES MULTITALENT

Alessandro Mendini wurde 1931 in Mailand geboren und schloss dort sein Architekturstudium an der Polytechnischen Universität ab. Er war einer der Wegbereiter der Radical Design-Bewegung, deren Anhänger sich verstärkt Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre in Italien gegen die damals etablierten, starren Ansichten zu Architektur und Design aussprachen. 1976 wurde er neben Ettore Sottsass und Michele de Lucchi aktives Mitglied des Studio Alchimia, noch bevor die Mailänder Memphis-Gruppe in den 1980er Jahren weltweit für Aufsehen sorgte. Studio Alchimia strebte ein »Neues Design« an, neue Konzepte, die sowohl moderne Technologien einbezogen, aber auch mit Formen und Farben spielten und sich so vom Fokus auf den reinen Funktionsgedanken abwandten.

Alessandro Mendini leitete verantwortlich einige der wichtigsten Zeitschriften Italiens, wie »Casabella«, »Modo« und »Domus«. 1982 gründete er die Designschule »Domus Academy« in Mailand, 1989 startete er mit seinem Bruder Francesco das Atelier Mendini und arbeitete mit internationalen Unternehmen zusammen. Eines seiner bedeutendsten Architekturprojekte ist das Groninger Museum in den Niederlanden. Alessandro Mendini hat zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten, darunter zwei Mal den höchst anerkannten italienischen Industriedesignpreis, Compasso D‘Oro.

»DIE SONNE IST EINE GROSSE LAMPE«

Sein Bezug zum Licht zeigt sich auf sehr emotionale Weise in einem Video, das den Maestro mit seinem Enkel zeigt. Es erzählt die sympathische Entwicklungsgeschichte von Leuchte »Amuleto«. Alessandro Mendini fragt seinen Enkel: »Was ist die Sonne?«, und dieser antwortet: »Die Sonne ist eine große Lampe. Ein Feuerball.«

Die Schreibtischleuchte baut sich aus schlichten Linien und drei Kreisen auf, sie symbolisieren die Sonne, den Mond und die Erde. Sie ist filigran und beweglich und weder Kabel noch Federn sind zu sehen. Dank einer patentierten Gelenkmechanik lässt sich der runde LED-Leuchtkopf in alle Richtungen drehen. Der Entwurf von 2010 wird durch die von Alessandro Mendini gegründete Firma Ramun produziert. Hinter dem zunächst spielerisch anmutenden Design steckt jede Menge Technik, das Licht ist augenärztlich geprüft und besitzt eine photobiologische Sicherheitszertifizierung (hier werden die Auswirkungen der Lichtwellen auf die Augen und die Haut untersucht). »Amuleto« ist das italienische Wort für Amulett, ein magischer Anhänger oder Talisman. Und so ist, als Begleiter fürs Leben, die positive Botschaft auf der Unterseite jeder Leuchte zu lesen: »Questa lampada porta fortuna« – Diese Leuchte bringt Glück.

Weitere Informationen:

Das Video zu »Amuleto« ist hier und auf www.youtube.com/watch?v=SBX_EsYQyiQ zu sehen

Atelier Mendini, www.ateliermendini.it

Ramun, www.ramun.com

Alessi, www.alessi.com

Artemide, www.artemide.com

Martinelli Luce, www.cobra50.martinelliluce.com

Slide Design, www.slidedesign.it

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 3 | 2019

Erschienen am 25. April 2019