Planung
Licht 9 | 2019

Die neue europäische Tageslichtnorm

Besonnungsdauer und Schutz vor Blendung in der neuen DIN EN 17037

Im März dieses Jahres ist DIN EN 17037:2019-3 »Tageslichtnutzung in Gebäuden« erschienen. Nachdem in den vorherigen Ausgaben der Zeitschrift LICHT die Festlegungen zur Tageslichtversorgung und die Beurteilung der Aussicht vorgestellt wurden, befasst sich dieser Beitrag mit den Aussagen der Norm zur Besonnungsdauer und zum Schutz vor Blendung.

Lesezeit: ca. 9 Minuten

1 Besonnung

Direktes Sonnenlicht liefert Beleuchtungsstärken bis über 100 klx. Bei vollständig bedecktem Himmel wird in etwa ein Fünftel dieses Wertes erreicht. Übliche Beleuchtungsstärken in Innenräumen bei künstlicher Beleuchtung betragen weniger als ein Prozent dessen, was uns die Sonne tagsüber im Freien liefern kann. Die Besonnung dient nicht allein der Beleuchtung. Sonnenstrahlen erwärmen die Außenwände eines Gebäudes sowie die Luft davor. In älteren Quellen wird eine keimtötende, wachstumsfördernde, wundheilende und belebende Funktion der Sonnenstrahlen erwähnt. Für die nichtvisuelle biologische Wirkung des über die Augen aufgenommenen Lichts spielen sowohl die Beleuchtungsstärke als auch die Belichtung eine Rolle. Aufgrund der mit direkten Sonnenstrahlen verknüpften hohen Beleuchtungsstärken leistet die Besonnung hier einen nicht gleichwertig zu ersetzenden Beitrag. Ein italienisches Sprichwort besagt »Wohin die Sonne nicht kommt, dahin kommt der Arzt häufig« [1].

1.1 Modelle zur Charakterisierung der Besonnung

In der Vergangenheit wurden verschiedene Ansätze vorgeschlagen, mit denen neben der Dauer der Besonnung auch die Minderung der Intensität der Sonnenstrahlen durch Schrägeinfall auf die Fassade und die mit abnehmendem Sonnenhöhenwinkel zunehmende Absorption durch die Atmosphäre berücksichtigt werden. Modelle, die die Tiefe des Eindringens der Sonnenstrahlen in Innenräume bewerten, konnten sich jedoch genauso wenig durchsetzen, wie der Vorschlag, die Besonnung von Innenräumen aufgrund der tatsächlich einstrahlenden Energiemenge zu charakterisieren [2]. Durchgesetzt hat sich die Kenngröße der bei einem wolkenlosen Himmel möglichen Besonnungsdauer an einem Stichtag. Grundsätzlich ist für Wohnräume ganzjährig eine Besonnung erwünscht. Die Dauer der möglichen Besonnung an nur einem Stichtag kann kein für das gesamte Jahr repräsentatives Bild der Qualität der Besonnung liefern. In unseren Breiten ist eine Anforderung an die Besonnung im Winter besonders gut mit einer Südorientierung zu erfüllen. Zur Tag-und-Nacht-Gleiche können dagegen auch nach Westen oder Osten orientierte Räume eine Besonnung von vier Stunden Dauer erhalten. Die Wahl des Stichtages beeinflusst somit die Orientierung, mit der ein Innenraum die Anforderung einhalten kann.

Lesen Sie den vollen Artikel in

Licht 9 | 2019

Erschienen am 25. November 2019