Planung
Licht 2 I 2020

Die Goldenen Portale von Carlsberg City

Stadtteilzufahrt mit einladender Lichtdramaturgie

Auf dem ehemaligen Areal der Brauerei Carlsberg in Kopenhagen verbindet sich Industriegeschichte mit modernem Städtebau. Seit dem Wegzug der Brauerei 2008 entsteht auf dem ehemaligen Industrieareal ein neuer, lebendiger Stadtteil mit vielfältigen Wohn-, Freizeit- und Bildungsangeboten. Die südliche Zufahrt zur Carlsberg City besteht aus drei hintereinander liegenden Abschnitten und wird wegen der durchgängigen Verkleidung mit goldfarben eloxierten Aluminiumblechen auch die »Goldenen Portale« genannt. Die Lichtgestaltung von Light Bureau setzt die goldenen Passagen in Szene und symbolisiert die Verbindung zur ehemaligen Brauerei und dem kühlen, güldenen Carlsberg-Bier.

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Abb.: Die Lichtlösung spiegelt 150 Jahre dänische Braukunst wider. Als Inspiration diente das goldfarbene Carlsberg-Bier. Der goldene Glanz der Fassadenelemente kommt durch die Farbtemperatur von 2.700K perfekt zur Geltung. Torben Eskerod, www.torbeneskerod.com

Prägende Geschichte an einem traditionsreichen Ort


Wo die weltbekannte Brauerei Carlsberg mehr als 150 Jahre lang Bier braute, entsteht ein neues Stadtviertel. Nach dem Wegzug der Brauerei aus dem Kopenhagener Zentrum entsteht auf dem 33 Hektar großen Areal ein neuer Stadtteil mit einer ausgewogenen Mischung aus Wohnraum, Einzelhandel, Kultur-, Sport und Bildungseinrichtungen. Bis zum Jahr 2025 sollen auf 600.000 Quadratmetern Wohn- und Nutzflächen entstehen, die bis zu 10.000 Bewohnern hochwertigen sowie vielfältigen und lebendigen Wohnraum bieten. 



Bier als Inspiration


Im Zuge von geschicktem Stadtmarketing wurde als Reminiszenz an die ehemalige Brauerei die südliche Zufahrt zum neuen Stadtteil mit goldfarben eloxierten Aluminiumpaneelen verkleidet, die kleine diamantförmige Ausstanzungen haben und so optische Lichtspiele ermöglichen. Light Bureau griff die Idee auf, und die zurückhaltende und zugleich sehr effektvolle Lichtlösung spiegelt 150 Jahre dänische Braukunst wider. Die Beleuchtung der drei hintereinander liegenden Portale erfolgt einzig über die Decke. Zu beiden Seiten im Randbereich der Passagen wurde eine projektspezifisch eigens angefertigte Rahmenkonstruktion installiert, die sich mit ihrer lichten, schlanken Bauform unauffällig in das Gesamtgefüge einordnet. Diese wurden von der Decke abgehängt und generieren so ein schwebend-luftiges Erscheinungsbild, das den ungestörten Rundum-Blick ermöglicht. Um ungewollte Schattenbildung bei der Lichtverteilung zu vermeiden, wurden in zuvor exakt evaluiertem Abstand von 1,20 Meter jeweils vier »FOS 33 White« LED-Leisten von DTS installiert, die präzise ausgerichtet zu allen Seiten hin abstrahlen. Jede einzelne Leuchte wird über DMX angesteuert und illuminiert einen einzigen Abschnitt innerhalb der Portale. So entsteht eine homogene Gesamtausleuchtung. Da die drei Zufahrten in Länge und Höhe variieren, war es besonders wichtig, ein lichttechnisch gleichmäßiges Erscheinungsbild sicherzustellen. Die mit Sorgfalt ausgewählten Optiken der Leuchten sowie variierende Lichtstärken gewährleisten eine gleichmäßige, blendfreie Lichtverteilung auf den glänzenden Oberflächen und erfüllen so die hohen Sicherheitsvorgaben für den Durchgangsverkehr.

Abb.: Die Idee für die Beleuchtung entstand in enger Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Architekten von Vilhelm Lauritzen Architects, die federführend die Goldenen Portale entworfen haben. Torben Eskerod, www.torbeneskerod.com
Abb.: Mit effizienter LED-Lichttechnik ist eine leistungsfähige Beleuchtung realisiert worden, die hohen Sehkomfort gewährleistet, gestalterische Akzente setzt und für ein attraktives, durchgängiges Erscheinungsbild sorgt. Torben Eskerod, www.torbeneskerod.com

Durchgängiges Erscheinungsbild


Die Rahmenprofile sowie die Gehäuse der Leuchten wurden in ihrer Farbgebung den Aluminiumpaneelen angepasst und ebenfalls goldfarben eloxiert. Die gesamte Verkabelung wurde in die Rahmenkonstruktionen integriert und bleibt so gänzlich dem Blick verborgen. Zudem ist die Beleuchtung exakt auf die unterschiedlichen Längen der drei Abschnitte zugeschnitten, und der minimale Lichtaustritt hat keinerlei Effekt auf die Außenbereiche. Die Lichtfarbe von 2700K lässt die Goldenen Portale besonders bei Dunkelheit warm leuchten. Durch die diamantförmigen Ausstanzungen in der Verkleidung entstehen optische Lichtspiele, die mit ihrer Dynamik dem Ganzen einen lebendigen Charakter verleihen und mit dem sanften Schimmern an das goldfarbene Carlsberg-Bier erinnern.

Ziel war eine Lichtgestaltung, die die prägende Geschichte des Stadtteils widerspiegelt. In enger Zusammenarbeit mit den Architekten von Vilhelm Lauritzen Arkitekter entstand ein Beleuchtungskonzept, das im Wechselspiel mit den gewählten Materialien den drei Passagen Leben einhaucht und zugleich die goldene Farbe des Carlsberg-Bieres assoziiert. Die Goldenen Portale sind ein Zugewinn für das erfolgreiche Marketing der entstehenden Carlsberg City und verleihen dem neuen Stadtteil ein prägnantes Branding. Die Beleuchtung verschafft diesem Zugang eine einzigartige Identität, die besonders bei Dunkelheit eine besonders einladende Fernwirkung erzielt und den lebendigen Stadtteil für zukünftige Bewohner wie auch für Besucher zu jeder Zeit attraktiv macht. 


Abb.: Mit einem Energieverbrauch von 1,5 Watt pro Quadratmeter ist die Beleuchtung besonders energieeffizient. Durch die ausgestanzten Aluminiumpaneele entstehen optische Lichtspiele, die die Goldenen Portale zum Leben erwecken, ohne dass störende Reflexionen die Sichtverhältnisse beeinträchtigen. Torben Eskerod, www.torbeneskerod.com

Weitere Informationen:

Projektfertigstellung: Juni 2017

Architekt: Vilhelm Lauritzen Architects, Nordhavn (DK), www.vla.dk

Lichtplanung und Technische Beratung: Light Bureau, London (UK), www.lightbureau.com; Frederik Waneck Borello, Jasmine van der Pol

Leuchtenhersteller: D.T.S. Illuminazione srl, Misano Adriatico (I), https://dts-lighting.it

Fotos: Torben Eskerod, www.torbeneskerod.com

Autorin: Katrin Labus, Niederlande

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 2 I 2020

Erschienen am 28. Februar 2020