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Licht 9 | 2021

Die Austauschbarkeit von Lichtquelle und Leuchte

Im Gespräch mit Manfred Diez, Geschäftsführer, RIDI Leuchten GmbH

Seit 1. September 2021 läuft die Ausphasung von Energiespar- und Halogenlampen. Damit stellen sich viele Verbraucher die Frage, inwieweit LEDs in Leuchten austauschbar sein sollen. Und lohnen sich LED-Retrofitlampen überhaupt noch? Manfred Diez, Geschäftsführer bei der RIDI Leuchten GmbH, geht im Interview mit der LICHT-Redaktion auf diese und weitere Fragen ein.

Lesezeit: ca. 6 Minuten
Abb.: Manfred Diez, Geschäftsführer bei der RIDI Leuchten GmbH Ridi
Abb.: Die Pinewood School (UK) war ein Pilotprojekt für eine Reihe weiterer Schulen mit neuem Design, das auf moderne Standards im Energieverbrauch setzt. Mit der neuen LED-Beleuchtung (u.a. »F-Line«) wurde eine angenehme Lernumgebung geschaffen, die durch eine speziell angepasste Lichtsteuerung höchsten Komfort bietet. Ridi

LICHT: Herr Diez, die Ausphasung von Leuchtmitteln ging im September 2021 und ab 2023 in eine neue Runde. Welche adäquaten LED-Ersatzleuchtmittel stehen zur Verfügung?

Manfred Diez: Da, wo die Nachfrage vorhanden ist, gibt es entsprechende Austauschprodukte. Bei speziellen Leuchtmitteln, die in den letzten Jahren als neue Produkte nicht in großen Volumina gelaufen sind, wird es das Thema wahrscheinlich nicht geben. Bei E27-gebundenen und Halogenlampen gibt es heute ja bereits viele unterschiedliche Modelle, die Industrie war hier recht rege und bietet entsprechend viele Typen an. Das wird bei der aktuellen Ausphasung ähnlich sein. Die Frage ist allerdings, ob sich Retrofit-Leuchtmittel lohnen oder nicht zum Teil das ganze Produkt ausgetauscht werden sollte.

LICHT: Die Austauschbarkeit von LED-Lichtquellen in Leuchten galt lange Zeit als nicht notwendig. Lichtquelle und Leuchte sind oftmals fest verbaut. Muss sich die Industrie von diesem Gedanken bald befreien?

MD: Das hängt von der Philosophie ab, die hinter einem Produkt steht, und davon, in welcher Preisklasse man sich bewegt. Einige Leuchten sind nicht dafür konzipiert, dass sie ausgetauscht werden und bei vielen Produkten ist der Aufwand für einen Austausch der Lichtquellen viel größer als für den Austausch des ganzen Produkts.

Wenn der Hersteller allerdings Wert auf eine austauschbare LED-Lichtquelle gelegt hat, ist es relativ einfach, die Leuchtmittel auszuwechseln. Bei unserer Ridi-Tube ist das über ein eigens konzipiertes Fassungssystem ganz einfach zu bewerkstelligen, weil beispielsweise Lichtstrom und -farbe vordefiniert sind. Ein Austausch funktioniert dadurch in fünf oder zehn Jahren genauso gut wie heute.

LICHT: Wäre es denkbar, dass der Endverbraucher mehr austauschen sollte als zuvor?

MD: Bisher war in der Leuchte bei einer Leuchtstofflampe ein Betriebs- oder Vorschaltgerät, das überbrückt werden muss. Bei einem Austausch müsste also ein Eingriff in der elektrischen Schaltung vorgenommen werden. Ich warne davor, dass Privatpersonen einen Austausch vornehmen, das sollte man immer einer Fachkraft überlassen. Bei Leuchten, die für Retrofit konzipiert wurden, funktioniert der Tausch wie bisher auch. Problematisch wird es, wenn eine Leuchte beispielsweise mit einer Leuchtstofflampe betrieben wurde und das alte Innenleben noch vorhanden ist.

LICHT: Mit Retrofit ließe sich der Austausch durch den Verbraucher theoretisch realisieren?

MD: Theoretisch ja, praktisch nein. Denn wir schauen nicht nur auf die Austauschbarkeit, sondern auf Punkte, die meiner Meinung nach wesentlich mehr Sinn machen: Auf Effizienz, Langlebigkeit und auch auf die Lichttechnik. Das ist mit Leuchtmitteln, wie wir sie seit Jahrzehnten kennen, heute nicht mehr unbedingt gegeben. Wir reden bei moderner Lichttechnik von Linsensystemen, die das Licht exakt lenken, um eine hohe Effizienz zu erreichen. Das funktioniert mit alter Lichttechnik wie Retrofit-Lampen nicht.

LICHT: Wie beurteilen Sie neue Geschäftsmodelle wie Light as a Service (LaaS) vor dem Hintergrund der Energiebilanz?

MD: Die Frage ist, was der Kunde will. Früher hat er eine Lichtanlage in Auftrag gegeben, heute kann er leasen, mieten oder kaufen. Was sich am Ende durchsetzt, ist im Moment noch absolut offen. Denn klar ist, wer eine Anlage mietet, mietet auf Zeit. Bei kurzen Laufzeiten kann das von Vorteil sein. Die Frage ist dann allerdings, was mit den gebrauchten Produkten geschieht. Hier gibt es noch viel Klärungsbedarf.

LICHT: Welche Bedeutung haben Cradle-to-Cradle-Modelle heute und in Zukunft?

MD: Das Thema kommt, es ist allerdings extrem schwierig. Eine Leuchte besteht zwar zum großen Teil aus recyclebaren Materialen, wie Metall oder Kunststoff. Diese sind im Idealfall sortenrein. Wir verwenden allerdings auch Elektronik, die zum Teil gar nicht mehr in Europa hergestellt wird. Außerdem wird es immer schwieriger, Komponenten wie die Platine oder die Chips in den Treibern aus den Produkten herauszubekommen. Wenn ich heute ein zertifiziertes Cradle-to-Cradle-System haben will, kostet das deshalb nicht nur viel Geld, es ist auch sehr schwierig, die Bestandteile zurückzubekommen.

LICHT: Woran liegt das?

MD: Wir Hersteller haben ein Entsorgungssystem für unsere Produkte. Von den Leuchten, die wir liefern, wird allerdings nur ein Bruchteil zurückgenommen. Die Erklärung ist recht einfach: Eine Leuchte ist ein Rohstoff. Wer auch immer das alte Produkt ausbaut, gibt es in der Regel nicht zur Verwertungsstelle, sondern macht das Produkt zu Geld. Denn Kupfer, Stahl, Aluminium und weitere Bestandteile bringen dem Entsorgenden bares Geld, deshalb gehen viele Produkte nicht über offizielle Entsorgungswege, sondern über Schrotthändler.

Abb.: Bei der Ridi-Tube ist das Austauschen des Leuchtmittels über ein eigens konzipiertes Fassungssystem einfach zu bewerkstelligen, weil beispielsweise Lichtstrom und -farbe vordefiniert sind. Ridi
Abb.: Die Ridi-Tube ist ein LED-Leuchtmittel mit innovativem Fassung-Sockel-System für einen einfachen, werkzeuglosen Lampenwechsel. Sie ist jedoch nicht zu verwechseln mit Retrofit-Lösungen. Die Tubes sind mit klarer, satinierter oder opaler Kunststoffabdeckung ausgestattet. Ridi

LICHT: Wie weit ist die Austauschbarkeit von Betriebsgeräten fortgeschritten? Was wird hier von Seiten der Hersteller unternommen?

MD: Das Thema ist sehr komplex, viel komplexer als bei den Leuchtstofflampen, die standardisiert waren. Bei LEDs ist nicht per Norm definiert, wie Platinen auszusehen haben und wie viele Chips verwendet werden. Jedes Leuchtendesign braucht deshalb einen speziellen Treiber. Der Markt bietet Treiber mit gewissen Spannungsfenstern. Wenn diese jedoch nicht passen, weil man sich in Grenzbereichen bewegt, muss man das Platinenlayout anpassen, um Treiber optimal nutzen zu können. Auf der anderen Seite haben Hersteller damit sehr viel Freiheit.

»… in welchem anderen Bereich lassen sich solche Energieeinsparungen allein mit verbesserter Technik realisieren, die kaum teurer geworden ist?«

LICHT: Eine Standardisierung ist aufgrund dieser Komplexität also kaum denkbar.

MD: Ja, denn es geht ja nicht nur um Platinen, sondern auch um die Chips, deren Verschaltung und deren thermische Belastung, das alles hat Einfluss auf die Leistung. Da das alles extrem großen Freiheitsgraden unterliegt, ist es heute so, dass Hersteller ihre Platinen auf ein oder zwei Treiber hin designen.

LICHT: Wie würden Sie die Lichtbranche im Vergleich zu anderen Branchen in Sachen Effizienz beurteilen?

MD: Grundsätzlich würde ich sagen, sind wir die Guten. Wir sorgen zum Beispiel dafür, dass die Menschen sich wohlfühlen, sicher unterwegs sein können und genügend Licht zum Arbeiten haben. Licht ist erst einmal ein Thema, das nicht nur aus Sicht der Effizienz betrachtet werden sollte, denn es gibt zahlreiche Faktoren, die mindestens genauso wichtig sind und entsprechend bewertet werden müssen.

LICHT: Können Sie dennoch auf die Effizienzsprünge eingehen, die die Lichttechnik gemacht hat?

MD: Mit den Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Lichttechnik sorgen wir dafür, dass wir bei besserer Lichtqualität deutlich weniger Energie verbrauchen. Die Glühlampe hatte eine Effizienz von etwa acht bis zehn Lumen pro Watt, Retrofit ist zehnfach besser. Industrie- und Bürobeleuchtung ist mit guter T16-Beleuchtung von 70 bis 80 Lumen pro Watt heute etwa doppelt so effizient. Mit moderner Lichttechnik sparen Kunden also bei einem Austausch mindestens 50 Prozent Energie. Kommt dann noch das Thema Steuerung hinzu, sind heute Energieeinsparungen von rund 85 Prozent problemlos möglich. Und in welchem anderen Bereich lassen sich solche Energieeinsparungen allein mit verbesserter Technik realisieren, die kaum teurer geworden ist?

Abb.: Mit LED-Beleuchtung sparen Kunden bei einem Austausch mindestens 50 Prozent Energie. Kommen noch die Themen Steuerung und Lichtplanung hinzu, sind Energieeinsparungen von bis zu 85 Prozent möglich. ZVEI

LICHT: Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Smart-Home-Bereich?

MD: Die digitale Vernetzung in Wohngebäuden hat in der letzten Zeit sehr stark zugenommen. Smarte, vernetzte Beleuchtung spielt eine sehr wichtige Rolle. Die in Deutschland vertretenen Lichtfirmen bieten hier sehr viele Möglichkeiten, um Licht in jeglicher Form steuern zu können. Die weitere Entwicklung geht aber über das reine Lichtthema hinaus, so sollten zukünftig mehrere Gewerke im Wohngebäude miteinander vernetzt sein. Dies setzt aber einheitliche Standards voraus. Ich glaube nicht, dass der Nutzer seine Wohnung oder sein Haus mit verschiedenen Apps steuern möchte. Hier ist die Industrie gefordert, entsprechende Standards zu entwickeln.

LICHT: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Emre Onur, LICHT, im Rahmen eines Videomeetings.

Weitere Informationen:

Ridi Leuchten GmbH, www.ridi.de

Fotos: Ridi, ZVEI (Grafik)

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 9 | 2021

Erschienen am 25. November 2021