Design
Licht 2 | 2019

Das Haus 2019

Studio Truly Truly auf der imm cologne

Das australische Designerduo Truly Truly präsentierte dieses Jahr auf der Möbelmesse in Köln ihre Vision eines offenen Wohnkonzepts. Licht setzten sie dabei bewusst ein, um unterschiedliche Atmosphären zu schaffen.

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Zum achten Mal stellte die internationale Einrichtungsmesse in Köln im Januar 2019 »Das Haus« vor, eine Art Experimentierfeld für eingeladene Designer oder Architekten, ihr Bild des zeitgemäßen Wohnens darzustellen. Als »Guest of Honour« lud die Koelnmesse die australischen Designer Kate und Joel Booy ein. Nach ihrem Studium an der Design Academy in Eindhoven (NL) gründeten sie 2014 ihr Studio »Truly Truly« in Rotterdam. Ihr Fokus liegt auf der Gestaltung von Produkten für das wohnliche Umfeld, darunter Möbel, Textilien und Leuchten.

»LIVING BY MOOD«

Ihren Entwurf für das diesjährige »Haus« gestalteten die Designer unter dem Motto »Living by mood«, das Leben nach Stimmung auszurichten. Auf 180 m2 schufen sie einen Lebensraum ohne Trennwände und teilten die Fläche in vier Zonen auf: »Reclusive« stand für Zurückgezogenheit, »Serene« für Ruhe, »Active« für einen aktiven Bereich und »Reclining« für das sich Zurücklehnen. Für Truly Truly soll sich der Wohnraum an die Bedürfnisse des Menschen anpassen und dessen Nutzung nicht durch eine festgelegte Funktion bestimmt sein. Der Bewohner soll sich frei entscheiden können, wo er arbeitet, kreativ sein oder entspannen möchte. Um diese Stimmung zu transportieren, arbeiteten die Australier mit Materialien, Farben und Licht.

INDIVIDUELLES LICHT

Kate und Joel setzten die Küche ins Zentrum, in den Bereich »Active«. Hier fielen sowohl Farben als auch das Licht anregend und hell aus. »Auch der lange Tisch ist ein aktiver und kommunikativer Platz, er bildet einen Schnittpunkt zwischen Arbeiten und Essen. Daher herrscht hier ein starkes Licht vor«, erklärte Joel im Interview auf der Messe mit LICHT-Redakteurin Andrea Mende. Die Bezeichnung »Reclusive« umschrieb einen grünen, geschützten und rund angelegten Rückzugsort, der von hohen Pflanzenwänden umgeben war. Dort war das Licht der schlichten Pendelleuchte gedimmt, um eine beruhigende »Insel« zu schaffen. »Serene« stand für den Bad- und Schlafbereich, die nebeneinander lagen und nur durch bewegliche Paneele aus Flechtwerk abgegrenzt waren. Licht setzte dort sowohl funktionale als auch dekorative Akzente. »Reclining« stand für eine gewisse Lässigkeit, sich zurücklehnen in komfortablen Sitzmöbeln, begleitet von einer dezenten Beleuchtung.

»Licht erzeugt eine Stimmung. Das ist eine Funktion.« Joel Booy, Truly Truly

FREIRAUM DURCH MODULARITÄT

Das Beleuchtungssystem, das Truly Truly vorrangig für »Das Haus« verwendet hat, ist Serie »Typography«, die sie 2018 für den australischen Hersteller Rakumba entworfen haben. Die erste Kollektion »Cilon« umfasst sieben unterschiedliche Leuchtelemente, die entlang von horizontal oder vertikal verlaufenden Schienen miteinander kombiniert werden können. »Typography lässt sich überall flexibel einsetzen«, so Joel. Im Wohnkonzept von »Das Haus« wurde die Vielseitigkeit des Systems deutlich: einzelne Module tauchten in Form von Deckenleuchten auf, geradlinige Schienen beleuchteten den Kochbereich, Kronleuchter in sehr reduziertem Design illuminierten die Sofazone und den runden, von Pflanzen umgebenen Sitzplatz. Die Oberflächen der Leuchten wechselten dabei von Schwarz bis hin zu einem warmen Goldton. Obwohl diese Leuchten aus einer Kollektion stammen, unterschieden sie sich in ihrer Anmutung, Formgebung und auch ihrem Lichtniveau. »Wiederholung ist ein Schlüsselfaktor unserer Arbeitq, erklärte Joel die Basis des Designs von »Typography«. Im Schnitt hat Truly Truly mit einem warmen Licht von 2600 K gearbeitet, die einzelnen Lichtquellen aber auf unterschiedliche Stufen gedimmt. »Materialität spielt eine wichtige Rolle, um ein Gefühl von Wärme und Behaglichkeit zu vermitteln. Licht interagiert mit Texturen, es erscheint immer anders, je nachdem ob es auf Glas, Metall oder Stoff trifft«, beschrieb Joel.

Michael Murray, Geschäftsführer von Rakumba, sprach auch vor Ort mit der LICHT-Redaktion. »Wir wollten ein Leuchtendesign, das auf einem grafischen, ästhetischen System beruht, das für viele unterschiedliche Projekte einsetzbar ist«, erklärte er die Idee hinter der Kollektion »Typography«. Deren Module können individuell per Bluetooth gedimmt werden (App/ DALI), was im »Das Haus« in den vier verschiedenen Bereichen zu erleben war.

In Bezug auf Lichtdesign arbeiten Truly Truly für Hersteller wie Rakumba, sie kooperieren mit Galerien und entwerfen eigene Objekte, wie etwa »Levity Light«, die als Pendelleuchte über dem Tisch im »Das Haus« auftrat. In Kates und Joels Vorstellung eines offenen Wohnkonzepts sind die Grenzen fließend, so legten sie sich auch bei ihren Lichtobjekten nicht nach vorgegebenen Parametern fest. Joel: »Licht erzeugt eine Stimmung. Das ist eine Funktion.«

Weitere Informationen:

www.imm-cologne.de

http://www.studiotrulytruly.com

www.rakumba.com

Fotos: Fotos von »Das Haus«: Koelnmesse, weitere Quellen s. Bildunterschriften

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 2 | 2019

Erschienen am 25. März 2019