Planung
Licht 1 | 2020

Beste Sicht für besten Klang

Flexible Lichtinstrumente für Geigenbauer Goldfuss

Im Zentrum von Regensburg, nur 300 Meter vom Dom und wenige Schritte vom Haus der Bayerischen Geschichte entfernt, befinden sich Werkstatt, Showroom und Ladengeschäft von Geigenbauer Goldfuss. Frisch renoviert und neu beleuchtet erstrahlen die Räume in neuem Glanz und bieten ein inspirierendes Ambiente, in dem das Instrument der Könige seinen großen Auftritt hat.

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Abb.: Seit 1985 hat das Familienunternehmen Goldfuss seinen Sitz am Regensburger Schwanenplatz. Jetzt ist die Werkstatt mit einer neuen Lichtlösung ausgestattet worden: Die Grundbeleuchtung in der Werkstatt erfolgt mit 600 mm FLOS »Light Stripe« Lichtprofilen. Die Arbeitsflächenbeleuchtung an den Werkbänken übernehmen FLOS »Spots 150« Frieder Blickle für FLOS

Anforderungen an die Beleuchtung

In der Werkstatt von Geigenbauer Goldfuss in Regensburg werden Saiteninstrumente gebaut, restauriert und gewartet, die in den internationalen Konzertsälen der Welt zu hören sind. Kunden aus Deutschland, Japan, Korea und den USA vertrauen auf die Fachkompetenz des Geigenbaumeisters Thomas Goldfuss. Er führt das 1937 gegründete Unternehmen in der dritten Generation.

Abb.: Die Leuchten verfügen über eine DALI Schnittstelle und sind einzeln ansteuer- und dimmbar. Jeder Arbeitsplatz ist mit je drei Strahlern ausgestattet, die sich individuell ausrichten und einstellen lassen. Frieder Blickle für FLOS

Der Blick in die Werkstatt macht deutlich, dass das Geigenbauhandwerk höchste Genauigkeit und akribisches Arbeiten erfordert. An den durchgängig verlaufenden Werkbänken findet jeder Mitarbeiter seinen eigenen Arbeitsplatz, an den Wänden sind zahlreiche Präzisionswerkzeuge aufgereiht, die meisten stammen aus Japan. Thomas Goldfuss erklärt den Unterschied zu deutschem Werkzeug: »Die japanischen Hebel und Sägen funktionieren auf Zug, was für mehr Stabilität und Präzision bei der Arbeit sorgt«. Bis zu 220 Arbeitsstunden mit unzähligen Arbeitsschritten stecken in einer neuen Geige. Doch auch Reparaturen können sich sehr aufwendig gestalten, je nachdem ob noch Lackierungsarbeiten dazu gehören, nur die Wirbel eingepasst oder die Griffbretter abgerichtet werden müssen.

Für die neue Beleuchtung in der Werkstatt hieß das, eine ausreichende Lichtmenge zur Verfügung zu stellen, etwa für Einlegearbeiten und ähnlich feine Abläufe im Bearbeitungsprozess. Das Licht sollte aus mehreren Winkeln auf die Werkstücke fallen, um sie genau einsehen zu können, ohne dass eine Verschattung entsteht. Die korrekte Beurteilung von Farben sollte vor allem gewährleistet sein, für die Auswahl der perfekten Furniere und Lackierungen. Beim Geigenbau kommen sehr unterschiedliche Hölzer zum Einsatz: altes bosnisches Ahorn für Boden, Zargen und Hals, Fichte für Decke, Reifchen und Klötze, schwarzes Ebenholz für Griffbrett, Wirbel, Saitenhalter und Kinnhalter oder auch Buchsbaum und Palisander.

Abb.: Das Geigenbauhandwerk erfordert höchste Präzision und Liebe zum Detail. Für diffizile und kleinteilige Arbeiten steht blendungsfreies, funktionales Licht bereit mit ausreichend hohen Beleuchtungsstärken. Frieder Blickle für FLOS

Funktionslicht mit atmosphärischer Qualität

Für die Entwicklung des neuen Lichtkonzepts zeichnet die Flos GmbH, Regensburg, verantwortlich. Als 100%ige Tochtergesellschaft des Leuchtenherstellers aus Italien agiert das Unternehmen unter der Geschäftsführung von Peter Gawlik als Zentrale für die DACH-Region, ist also zuständig für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Die Grundbeleuchtung in der Werkstatt Goldfuss liefern die Lichtprofile »Light Stripe« (600 mm) von Flos. Sie sind an deckenbündig eingebauten Stromschienen »Tracking Magnet« appliziert. Ihre Farbtemperatur liegt bei warmweißen 3.000 K.

Die Vertikal- und Arbeitsflächenbeleuchtung übernehmen Strahler vom Typ »Spot 150«, die mit 22,5 W LED Arrays bestückt sind. Mit integrierter Querabschirmung liefern sie blendfreies Licht auf der horizontalen Arbeitsebene. Um keine störenden Schatten zu erzeugen, sind sie in Dreiergruppen über den jeweiligen Arbeitsplätzen angeordnet. Jedem Mitarbeiter ist es möglich, die Ausrichtung der Strahler persönlich zu bestimmen und das Licht nach Bedarf zu gestalten. Zusätzlich werden die Werkzeug- und Materialwände, die Wandschränke und Boards von den Strahlern beleuchtet. Sie verfügen über eine DALI Schnittstelle, sind also alle einzeln ansteuer- und dimmbar. »Das Schöne an dem System ist, dass man es individuell auf die eigenen Bedürfnisse einstellen kann«, unterstreicht Thomas Goldfuss den Mehrwert der neuen Lichtanlage. Auch in der Dämmerung und bei Nacht scheint das Licht dezent durch die Fenster hinaus und trägt zur Außenwirkung der Werkstatt bei.

Abb.: Der Blick von außen in die Räume von Geigenbauer Goldfuss in Regensburg lässt die angenehme Lichtatmosphäre erkennen. Der 1937 gegründete Familienbetrieb hat in der Stadt an der Donau seit 1985 seinen Sitz. Frieder Blickle für FLOS

Für eine gute, unverfälschte Farbwiedergabe der Materialien, insbesondere der verschiedenen Hölzer, liefern die durchgängig eingesetzten LEDs einen CRI-Wert von 90. »Im Vergleich zur alten Beleuchtung um Galaxien besser«, freut sich Thomas Goldfuss.

Abb.: Die Farbtemperatur im Verkaufsraum liefert warmweiße 2700 K. Der Farbwiedergabewert aller verwendeten LEDs liegt bei CRI 90, sodass auch feinste Farbpigmente im Holz realitätsecht dargestellt werden können. Frieder Blickle für FLOS

Behutsam inszeniertes Verkaufslicht

Im Laden- und Ausstellungsraum werden neue und frisch restaurierte Violinen, Bratschen und Celli mit Licht in Szene gesetzt. Aufbau-Stromschienen aus der Serie »Tracking Magnet« sind in die Holzkassettendecken integriert. In ihnen sitzen die kleineren Flos-Strahler »Spot 90« mit 8,5 W Power LEDs. Im Gegensatz zur Werkstatt kommt das Lichtsystem hier nicht mit weißer Oberfläche, sondern in der Chromvariante zum Einsatz, um den edlen Charakter des Raumes unterstreichen.

Abb.: Der Verkaufsraum zeigt eine beeindruckende Vielfalt an Streichinstrumenten. »Tracking Magnet« Aufbau-Stromschienen sind in die Holzkassettendecken integriert, dekorativ ergänzt durch zwei Pendelleuchten »Romeo Moon«. Frieder Blickle für FLOS

Als dekorative Lichtelemente wurden zwei Glas-Pendelleuchten »Romeo Moon« im Showroom eingesetzt. Der Entwurf von Philippe Starck stammt von 1996. Die aktuellen Modelle arbeiten natürlich mit LED-Technologie. Die Leuchten sind mit 22,5 cm relativ kurz abgehängt, damit die darunter präsentierten, großvolumigeren Instrumente problemlos rangiert werden können. Für diesen repräsentativen Raum wurde eine Farbtemperatur von warmen 2.700 K gewählt.

Abb.: Exponate, Urkunden und Meisterbriefe geben einen Einblick in die Geschichte des Traditionsbetriebs. Sie werden von FLOS-Strahlern »Spot 90« in Chrom-Ausführung mit 8,5 W Power LEDs in Szene gesetzt. Frieder Blickle für FLOS

Klassik und Hightech im Einklang

Die Räume von Geigenbauer Goldfuss wurden funktional ausgeleuchtet und gleichzeitig subtil mit Licht inszeniert. Das minimalistische Design der Leuchten fügt sich harmonisch in den historischen Kontext. Der Blick wird auf spezifische Besonderheiten gelenkt, wie etwa auf die Werkzeugwände in der Werkstatt oder auf die filigrane Pigmentierung der Holzoberflächen im Ausstellungsraum. Nach Absprache steht die Werkstatt auch Kunden offen, um in die Welt des Geigenbaus einzutauchen.

Weitere Informationen:

Bauherr: Geigenbau Goldfuss, Regensburg, www.geigenbau-goldfuss.de

Lichtplanung und Leuchten: FLOS GmbH, Regensburg, www.flos.com

Fotos: Frieder Blickle für Flos

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2020

Erschienen am 31. Januar 2020