Design
Licht 6 | 2020

Bereit für Interaktion

Leuchte »Poise« spielt mit Schwerkraft und Technik

»Ein leuchtender Kreis, der frei um eine Linie schwebt«: So beschreibt Robert Dabi seine Leuchte »Poise«. Der Nutzer kann sie per Hand in verschiedene Positionen bringen – oder als Smart Home-Objekt intelligent steuern.

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Abb.: »Poise« zeigt eine starke Präsenz im Raum. Die enorme Beweglichkeit von Lichtkreis und linearem Arm erlaubt vielfältige Positionen. Der Nutzer wählt frei den Ausdruck der Leuchte, von statisch bis hin zu dynamisch. Robert Dabi, unform.studio

Robert Dabis Hintergrund liegt im Grafikdesign, er ist außerdem Mitbegründer zweier Uhrenmarken, ZIIIRO und Cronometrics. Der Jungdesigner schloss 2015 sein Studium ab, seit etwa drei Jahren hat er sich auf den Entwurf von Lichtobjekten spezialisiert. Dieses Jahr gründete er sein Studio unform in der Nähe von Nürnberg, um sich mit diesem Label vor allem dem Lichtdesign zu widmen.

Abb.: Robert Dabi ist Grafik- und Produktdesigner mit Sitz in Schwaig bei Nürnberg. Er ist Mitbegründer zweier Uhrenlabels und hat sich jetzt mit dem 2020 gegründeten Studio unform dem Lichtdesign gewidmet. Robert Dabi, unform.studio

Exakt austariert

Leuchte »Poise« sollte auf der diesjährigen Light + Building ausgestellt werden, unter anderem auch im Trendforum. Parallel hatte Robert seinen Entwurf bei einem internationalen Designwettbewerb angemeldet. Seine verstellbare Tischleuchte gewann beim A‘ Design Award & Competition auf Anhieb die Auszeichnung »Platinum A‘ Design Award 2020«.

Robert Dabi möchte vor allem Leuchten gestalten, die von Interaktion geprägt sind. »Poise« erfüllt diesen Anspruch in mehrerlei Hinsicht. Die Formensprache ist höchst minimalistisch: ein T-förmiger Fuß bildet das Gegengewicht für die reduzierte Konstruktion aus einem linienförmigen Arm und einem leuchtenden, schlanken Ring. »Poise« verfügt über drei Drehgelenke, um volle Flexibilität zu geben. Per Hand kann der LED-Leuchtring um etwa 320 Grad um die Gelenkachse gedreht werden. Der Arm hält diesen Ring, er lässt sich seitlich nach rechts und links neigen und ist ebenfalls um seine Achse etwa 320 Grad beweglich. Auf diese Weise kann die Leuchte unzählige Positionen einnehmen. Für den Designer war dabei wichtig, dass die Gesamterscheinung in jeder Ausrichtung ausgewogen bleibt. Zwischen Lampe und Fassung hat er einen Schalter eingebaut, der sowohl eine Dimmfunktion ermöglicht als auch eine intelligente Steuerung.

Abb.: Je nach Ausrichtung, nimmt »Poise« mehr oder weniger Platz ein. Ihre Erscheinung bleibt minimalistisch: reduziert auf einen Kreis und eine Linie, gehalten von einer massiven, doch optisch dezenten Basis. Robert Dabi, unform.studio

Abb.: Wenn die Linie den Kreis durchdringt, wird eine visuelle Spannung aufgebaut. Dann interagieren die spartanischen Grundformen der Geometrie miteinander und richten sich in ihrer eigenen Gravitation aus. Robert Dabi, unform.studio
Abb.: »Poise« besitzt eine direkt sichtbare Lichtquelle, die weder blenden, noch vom Lichteindruck zu diffus sein sollte. Der Anspruch an die Klarheit des Lichts findet sich auch in der klaren Formensprache wider. Robert Dabi, unform.studio
Abb.: Wird »Poise« auf einem Regal platziert, kann sie überhängend ausgerichtet werden. Für alle Varianten bietet der Sockel aus Messing Stabilität, er verfügt über ein spezielles Drehgelenk mit integrierter Feder. Robert Dabi, unform.studio

»Ich habe bewusst keine interne Steuerungsmöglichkeit für die Leuchte eingeplant, da es verschiedene Smart-Home-Systeme gibt. Oft wird auch eine manuelle Steuerung bevorzugt. Für mehr Flexibilität soll sich die Steuerung zwischen Leuchte und Steckdose befinden. So kann man zum Beispiel nur einen manuellen Dimmer nutzen oder auch einen Zigbee-Controller, den man ins Hue-, Alexa-System oder ähnliche integriert«, erklärt Robert. So bleibt die Lichtquelle neutral, die Steuerung lässt sich bei Bedarf an neue Standards anpassen.

Weitere Informationen:

www.dabi.me

www.unform.studio

www.competition.adesignaward.com

Fotos: Robert Dabi, unform.studio

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 6 | 2020

Erschienen am 25. August 2020