Technik
Licht 8 | 2020

Auf höchstem (Licht-)Niveau lernen

Intelligente Beleuchtung in der Schule

Da die Räumlichkeiten der renommierten Duborg-Skolen in Flensburg für die stark wachsende Schülerzahl zu klein wurden, beschloss man das Gebäude grundlegend zu modernisieren. Ein intelligentes Beleuchtungssystem mit mehr als 3.500 neuen Leuchten und DALI-Schnittstelle imitiert das natürliche Tageslicht und passt die Lichttemperatur automatisch dem Tagesverlauf an.

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Abb.: Die neue Beleuchtungssteuerung in der Duborg-Skolen passt die Lichttemperatur automatisch dem Tagesverlauf an, wobei die Lichtintensität immer die gleiche bleibt. Dadurch wird die Aufmerksamkeit der Schüler auf einem nahezu konstant hohen Niveau gehalten. Jens Sundheim

Dass Flensburg, die Stadt im Norden Schleswig-Holsteins, bis Mitte des 19. Jahrhunderts tatsächlich noch zum Königreich Dänemark gehört hat, ist selbst heute noch spürbar. Mehr als 2.300 der 89.500 Einwohner haben eine dänische Identität. Im Umland dürften es ähnlich viele sein. Zweisprachig mit Deutsch und Dänisch aufzuwachsen, gilt als durchaus normal. Im traditionsreichen »Flensborghus« residiert das Sydslesvigsk Forening (SSF) – der kulturelle Dachverband der dänischen Minderheit in Südschleswig. Und für diese Minderheit gibt es hier eine ganze Reihe sozialer und kultureller Einrichtungen, wie beispielsweise den dänischen Gesundheitsdienst, die dänische Zentralbibliothek oder den dänischen Schulverein. Dieser betreibt aktuell 55 Kindertagesstätten und 46 Schulen in Südschleswig. Eine davon ist die Duborg-Skolen, eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Anfang der 1920er Jahre auf dem Flensburger Marienberg gebaut, liegt sie nur wenige hundert Meter vom dänischen Generalkonsulat entfernt.

Abb.: Mehr als 3.500 Leuchten wurden für den Umbau der Duborg-Skolen installiert. Sie entsprechen dem DALI-Standard Device-Type 8 – kurz: DT8. Jens Sundheim

Klotzen, nicht kleckern

Wer auf die Duborg-Skolen geht, darf sich durchaus als privilegiert betrachten. Zum einen wird das abgelegte Abitur in Deutschland und in Dänemark anerkannt, zum anderen investiert der dänische Staat viel Geld in sein Schul- und Bildungssystem. Sowohl für Lehrkräfte als auch Schüler soll die Vermittlung und die erfolgreiche Rezeption von Lehrstoffen ein Erlebnis sein, eine Freude. Dazu trägt in nicht geringem Maße auch das Umfeld bei. Dieses Umfeld geriet ab dem Ende der 1990er Jahre zunehmend aus dem Gleichgewicht. Die Räumlichkeiten der Duborg-Skolen sind eigentlich für etwa 600 Schüler ausgelegt. Unterrichtet wurden im Jahre 2007 nahezu doppelt so viele. Diese Entwicklung voraussehend, hatte der dänische Schulverein mit maßgeblicher Unterstützung des A. P. Møller-Fonds als Investor bereits 2005 beschlossen, für nicht weniger als 45 Millionen Euro ein neues Gymnasium in Schleswig zu errichten, die A. P. Møller-Skolen, und die Flensburger Duborg-Skolen grundlegend zu modernisieren. Neben einer ganzen Reihe baulicher Maßnahmen inner- und außerhalb der Gebäude sollte für die Gebäudeautomatisierung ein Kommunikationssystem auf Basis des KNX/EIB-Standards installiert, die bereits bestehende IT-Infrastruktur nachhaltig erweitert sowie in allen Unterrichts-, Gemeinschafts- und Verwaltungsräumen ein zeitgemäßes, intelligentes Beleuchtungskonzept realisiert werden – Gesamtinvest: etwa 13 Millionen Euro.

Abb.: Das Team von WAGO und Architekt Markus Wiederhold begutachten die neuen Leuchten, die das natürliche Tageslicht imitieren. Jens Sundheim

Highlight »Licht«

»Für das Lichtkonzept«, erklärt Markus Wiederhold, Architekt aus Odense und Projektleiter der Modernisierung, »gab es seitens des A. P. Møller-Fonds lediglich eine Vorgabe: Die Duborg-Skolen soll das beste Licht in Europa erhalten.« Die Ausschreibung hierfür gewann die Okholm Lighting A/S aus dem dänischen Tønder, ein traditionsreicher und international erfahrener Hersteller von Innen- und Außenbeleuchtungen. Deren Experten holten für das Projekt die ebenfalls international arrivierte Lichtplanerin Ulrike Brandi aus Hamburg an Bord.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein neuer Leuchtentyp mit DALI-Schnittstelle, der das natürliche Tageslicht imitiert, und zwar bei Sonnenschein mit Klarlicht, bei bedecktem Himmel mit opakem Streulicht. Die Beleuchtungssteuerung passt die Lichttemperatur automatisch dem Tagesverlauf an, wobei die Lichtintensität immer die gleiche bleibt. Mit diesem Kniff wird die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler auf einem nahezu konstant hohen Niveau gehalten – selbst bis zur sechsten oder siebten Unterrichtsstunde. Ausgeführt sind die Leuchten als runde Hängeleuchten und als Stableuchten zum Einbau in Deckenelemente. 3.500 davon sollen in den Unterrichts- und Gemeinschaftsräumen der Duborg-Skolen installiert werden.

Zeitlich parallel zur Entwicklung der Leuchten lief beim Ingenieurbüro für Elektrotechnik GDP in Büdelsdorf unter der Leitung von Jürgen Mond die Elektroplanung. Die Installation der Beleuchtungstechnik sollte die Köster Professionelle Gebäudetechnik GmbH & Co.KG, Husum, realisieren. Für die Inbetriebnahme der WAGO Beleuchtungssteuerung mit DALI-Leuchten und KNX-Sensoren zeichnete im Auftrag von Köster das Ingenieurbüro Beyer aus Neumünster verantwortlich. Die Gebäudetechniker aus Husum arbeiten bereits seit einigen Jahren mit WAGO zusammen und haben entsprechende Erfahrungen mit der Installationstechnik des Mindener Unternehmens. Für Andreas Peter, Elektroingenieur bei Köster, ist WAGOs »Gesamtpaket« entscheidend: »Wir haben für das Duborg-Skolen-Projekt nicht nur die WINSTA-Verkabelungen bezogen, sondern auch Stromversorgungen, verschiedenste Klemmen und ETHERNET-Feldbuscontroller – alles aus einer Hand.«

Für Dirk Beyer, Gründer und Inhaber des gleichnamigen Ingenieurbüros in Neumünster, ist WAGO noch aus einem anderen Grund erste Wahl: »Die in der Duborg-Skolen installierten Leuchten entsprechen dem DALI-Standard Device-Type 8 – kurz: DT8. Für die Farbsteuerung der Leuchten müssen zwischen der DALI-Lichtsteuerung und dem KNX-System Gateways eingesetzt werden. Solche Gateways gibt es von vielen Herstellern, doch die wenigsten können mit dem DT8-Protokoll etwas anfangen, was wiederum bei der Programmierung Probleme bereitet. Mit dem WAGO I/O System hingegen passiert das nicht.«

Markus Wiederhold zieht daher ein positives Fazit: »Als Bauherr muss man immer die Gesamtkosten eines Projektes im Auge haben, auch wenn dieses längst abgeschlossen ist. Insofern kam es uns bei allen hier zu installierenden Systemen auf Zukunftsfähigkeit, Langlebigkeit, Ausfallsicherheit und Flexibilität an. Bei der Beleuchtung punktet die Installationstechnik von WAGO in vielerlei Hinsicht. Das Beleuchtungssystem kann jederzeit flexibel und problemlos erweitert werden, wenn es erforderlich ist, und zwar unter Verwendung aller derzeit installierten Komponenten. Das steht für absolute Nachhaltigkeit.«

Abb.: Für das Projekt wurden neben »WINSTA«-Verkabelungen, auch Stromversorgungen, verschiedenste Klemmen und ETHERNET-Feldbuscontroller von WAGO bezogen. Für die Farbsteuerung der Leuchten mussten zwischen der DALI-Lichtsteuerung und dem KNX-System Gateways eingesetzt werden. Jens Sundheim

Weitere Informationen:

Projekt: Duborg-Skolen, Flensburg

Projektzeitraum: Start der Sanierung und Umbau 2005; Umbau der Klassenräume, Einbau der Leuchten mit DALI und Verkabelung Ende 2018; letzter Bauabschnitt 2019

Lichtplanung: Ulrike Brandi Licht, Hamburg, www.ulrike-brandi.de

Leuchtenhersteller: Okholm Lighting A/S, Tønder (DK), www.okholm-lighting.dk

Elektroplanung: Ingenieurbüro für Elektrotechnik GDP PartmbB, Büdelsdorf, https://ing-gdp.jimdofree.com

Installation Beleuchtungstechnik: Köster Professionelle Gebäudetechnik GmbH & Co.KG, Husum, www.koester-et.de

Beleuchtungssteuerung: WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG, Minden, www.wago.com

Inbetriebnahme Beleuchtungssteuerung: Ingenieurbüro Beyer Gebäudesystemtechnik, Neumünster, www.ing-beyer.de

Quelle: WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG

Fotos: Jens Sundheim

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 8 | 2020

Erschienen am 26. Oktober 2020