Planung
Licht 5 | 2020

Architekturintegriertes Licht für die U-Bahn

Sonderlichtlösung für den U-Bahnhof Elbbrücken in Hamburg

Mit der U- und S-Bahnstation Elbbrücken ist in Hamburg ein imposantes Bahnhofsduo entstanden, das das neue, gleichnamige Stadtviertel an das Nahverkehrsnetz anbindet. Als Basis für die Beleuchtung der Bahnsteige und der angrenzenden Erschließungszonen des oberirdischen, von einem großen gewölbten Glasdach überspannten U-Bahnhofs hat das Lichtplanungsbüro Conceptlicht die Leuchte »München LED« von Norka gewählt.

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Abb.: Der neue U-Bahnhof Elbbrücken unterstreicht die Funktion des Quartiers der Hamburger als urbaner Geschäfts- und Wohnstandort. GüntherFotodesign

Strandkai, Überseequartier, Oberhafen – das sind nur drei von insgesamt zehn Quartieren der Hamburger Hafencity. Schon seit 2003 wird an dem komplett neuen Stadtteil gebaut und die westlichen Abschnitte sind bereits größtenteils fertiggestellt. Der Osten allerdings, am Ende des Baakenhafens, wird noch eine Weile Baustelle sein, denn hier soll bis 2025 das neue Quartier Elbbrücken entstehen. Damit es als urbaner Geschäfts- und Wohnstandort funktioniert, sind Hamburgs U-Bahnlinie U4 bereits hierher verlängert und der neue U-Bahnhof Elbbrücken gebaut worden.

Dynamische Architektur, klare bauseitige Vorgaben

Da die U-Bahn in diesem Bereich aus dem Untergrund auftaucht, um über eine Brücke die Elbe zu queren, wurde auch der Bahnhof in Hochlage errichtet. Seinem exponierten Standort angemessen, haben gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner zusammen mit dem Ingenieurbüro schlaich bergermann partner für den Bahnhof eine imposante Dachkonstruktion mit an beiden Enden auskragenden Spitzen entworfen. Die markanten Rauten der Stahlbaukonstruktion und die Verglasung des 136 Meter langen, 32 Meter breiten und 16,25 Meter hohen Dachs entfalten im städtebaulichen Kontext durchaus Landmark-Qualitäten. Aus dem Inneren des Bahnhofs hinaus öffnen sich dank der Transparenz Panoramablicke auf den Fluss und die Stadt. Es gibt sogar eine Aussichtsplattform am Südende eines Bahnsteigs.

Abb.: Die markanten Rauten der Stahlbaukonstruktion und die Verglasung des Dachs haben im städtebaulichen Kontext Landmark-Qualitäten und eröffnen Panoramablicke auf Hamburg. Günther Fotodesign
Abb.: Die Leuchten halten die gestalterischen Intentionen der Architekten gut ablesbar, indem sie sich nahtlos in das Bauwerk einfügen. Integriert in ein aufgeständertes Medienband flankieren sie beide Bahnsteige auf ganzer Länge. Günther Fotodesign

Um die gestalterischen Intentionen der Architekten gut ablesbar zu halten, sollte die für den Betrieb des Bahnhofs erforderliche technische Infrastruktur möglichst nahtlos in das Bauwerk integriert werden. Die dementsprechende Position für die Leuchten hatten die Lichtplaner in Zusammenarbeit mit den Architekten bereits in der Wettbewerbsphase erarbeitet. Im Ergebnis sind sie jetzt in ein aufgeständertes Medienband integriert, das beide Bahnsteige auf ganzer Länge flankiert. Von diesem Standort aus mussten sowohl die Bahnsteige als auch die parallel zu ihnen verlaufenden, etwas tiefer gelegenen Erschließungszonen erhellt werden.

LED-Leuchten im gleisnahen Bereich

Jan Nielsen vom Lichtplanungsbüro Conceptlicht erinnert sich noch gut an die Anfänge des Projektes: »Wir haben 2013 mit ersten Planungen begonnen, also zu einer Zeit als der Einsatz von LED-Technik – insbesondere im gleisnahen Bereich – noch längst nicht selbstverständlich war. Trotzdem entschied sich der Bauherr bewusst für die neue Technologie. Seine einzige Bedingung: Die LED-Leuchten sollten eine Lebensdauer von 100.000 Stunden aufweisen.«

Norka konnte vor diesem Hintergrund gleich zwei Trümpfe ausspielen: Zum einen hatte das Unternehmen sehr früh die Chancen der LED-Technik erkannt und so konnte es schon zum damaligen Zeitpunkt nicht nur marktreife LED-Leuchten anbieten, sondern sogar die Zusatzgarantie über 100.000 statt der üblichen 50.000 Stunden Lebensdauer gewähren. Zum anderen hatte Norka bereits zahlreiche Objekte der Hamburger Hochbahn beleuchtet, darunter zum Beispiel auch die U4-Station Überseequartier. Die positiven Erfahrungen aus dieser langjährigen Partnerschaft bestärkten den Bauherrn in seiner mutigen Entscheidung für die neuen Halbleiter-Lichtquellen.

Asymmetrische Lichtverteilung, robuste Ausführung

Sowohl bei den lichttechnischen Berechnungen als auch bei den Bemusterungen vor Ort konnte die Leuchte »München LED« Planer und Bauherrn überzeugen. Entscheidende Kriterien waren, dass die Leuchtenfamilie eine Variante mit asymmetrischer Lichtverteilung umfasst sowie die robuste Ausführung. Bei der »München LED« kommen zwei LED-Strings als Lichtquelle zum Einsatz. Für das optische System werden ein innenliegender Aluminium-Reflektor und eine opake Leuchtenabdeckung aus Kunststoff kombiniert. Im Ergebnis ist kein Einblick in das Leuchtmittel möglich und die einzelnen LED-Lichtpunkte werden zu einer homogen leuchtenden Fläche aufgelöst.

Bis auf wenige Ausnahmen wurde in jede Kassette des zweispurigen Medienbandes entlang der Bahnsteige eine »München LED«-Leuchte mit asymmetrischer Lichtverteilung eingesetzt. Dabei beleuchtet die eine Spur des Lichtbandes jeweils den Bahnsteig und die andere die parallel dazu verlaufenden, aber etwas tiefer liegenden Erschließungszonen. »Die Installation der Leuchten im Medienband bringt die Lichtquellen dicht an die zu beleuchtenden Flächen, außerdem können sie sich von dieser Position aus nicht im Glasdach spiegeln, was störende Reflektionen und Blendungen vermeidet. Ein weiterer Vorteil: die Blickachsen bleiben von zusätzlichen Leuchtenkörpern unverstellt«, erklärt Lichtplaner Jan Nielsen und resümiert, dass die formale Integration der Leuchten in die Architektur damit schon einmal gut gelungen war.

Die Lichtplaner hielten es für wichtig, noch einen Schritt weiterzugehen und jede Kassette des Medienkanals nach unten mit einem Lamellenraster abzuschließen. Durch die so erzielte Längsentblendung nimmt die Leuchte sich in ihrer Eigenwirkung zurück und der Raum wird noch ruhiger und besser ablesbar. Conceptlicht hat mehrere Versionen des Rasters entwickelt und bemustert. Zum Einsatz kommt jetzt eine Variante, die zusätzlich die Abstrahlung im hinteren Teil der Leuchte begrenzt. So wird eine Aufhellung der mittig unter dem Medienband verlaufenden Balustraden gedämpft. Der Lichtstrom der asymmetrischen Leuchten wird in Richtung Gleisbett abgestrahlt und sorgt auf Bahnsteig und Wegen für Beleuchtungsstärken, deren Lux-Werte und Gleichmäßigkeit moderat über den Normvorgaben liegen. Unerwünschte Strahlungsanteile im Gleisbett werden durch die zurückversetzte Leuchtenanlage reduziert.

Abb.: Durch ihre Längsentblendung nehemn sich die Leuchten, hier zu sehen mit eingeschalteter Sicherheitsbeleuchtung, in ihrer Eigenwirkung zurück und machen den Raum noch ruhiger und besser ablesbar. Günther Fotodesign
Abb.: Für den U-Bahnhof Elbbrücken hat Norka eine Sonderlösung entwickelt, die neben exzellenten lichttechnischen Parametern auch Energieeffizienz eine lange Lebensdauer und Schutz vor Vandalismus bietet. Günther Fotodesign

Zuverlässig und kompetent zur Sonderlösung

»Wir können auf umfangreiche Expertise in der Beleuchtung von Bahnhöfen und Gleisanlagen verweisen. Unter anderem haben wir den ältesten und umfangreichsten Rahmenvertrag mit der Deutschen Bahn, aber die enge bauseitige Anbindung der Leuchten hat den U-Bahnhof Elbbrücken für uns zu einem besonderen Auftrag gemacht«, kommentiert Jürgen Schoene, der das Projekt für Norka betreut hat. Norka Leuchten bringen von Hause aus alles mit, was bei der Anwendung in diesem Bereich wichtig ist. Neben exzellenten lichttechnischen Parametern sind das zum Beispiel hohe Schutzart und Überspannungsschutz, Energieeffizienz und lange Lebensdauer oder auch der Schutz vor Vandalismus.

Über seine Kernkompetenz – zuverlässiges Licht auch für schwierige Einsatzbedingungen zu liefern – hinaus, konnte Norka am U-Bahnhof Elbbrücken aber auch Zuverlässigkeit, Kompetenz und ein bemerkenswertes Tempo bei der Umsetzung von Sonderlösungen unter Beweis stellen. Das Unternehmen hat sämtliche Fertigungs- und Montageschritte für das Lamellenraster und die zugehörigen Rahmen organisiert und abgewickelt sowie die Leuchten für die Installation in den Medienkanälen vorbereitet.

Weitere Informationen:

Projekt: U-Bahnhof Elbbrücken, Hamburg

Bauherr: Hamburger Hochbahn AG, www.hochbahn.de

Bauzeit: 2016 bis 2018

Architekten: gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg, www.gmp-architekten.de

Tragwerksplaner: schlaich bergermann partner sbp gmbh, Stuttgart, www.sbp.de

Lichtplaner: Conceptlicht GmbH, Traunreut, www.conceptlicht.com

Leuchten: Norka Hamburg, www.norka.de, Leuchtentyp »München LED« mit projektspezifischen Anpassungen

Fotos: Norka/Günther Fotodesign

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 5 | 2020

Erschienen am 25. Juni 2020