Planung
Licht 4 | 2019

Angenehmes Licht für unangenehme Momente

Licht für eine Zahnarztpraxis mit Showroom-Funktion

Wie eine Zahnarztpraxis der Gegenwart und Zukunft aussehen könnte bzw. sollte, demonstriert Pluradent in Kassel. Als einer der führenden Dental-Fachhändler in Deutschland beliefert das Unternehmen Zahnärzte, Zahnkliniken und Dentallabore mit Materialien, Einrichtungen sowie Zähnen und bietet ein umfangreiches Spektrum an dazugehörigen Service- und Dienstleistungen an. Insofern handelt es sich bei der hier dargestellten »Praxis« um eine Art Showroom für die Branche. Die Beleuchtungslösung orientiert sich dabei an realistischen Möglichkeiten und zeigt eine gewisse Vielfalt hinsichtlich der Gestaltung. Bewusst wird hier auf spielerische Komponenten verzichtet, sondern von der Lichtwirkung her mit klassischen Leuchten in unterschiedlichen Formen gearbeitet.

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Lightnet

Ein auf LED-Chips abgestimmter Opaldiffusor aus satiniertem Acrylglas sorgt bei der Pendelleuchte Amorphicon für einen guten Transmissionsgrad und eine homogene Auflösung der Lichtpunkte.

Eine Musterparxis im Showroom

Wie eine Zahnarztpraxis der Gegenwart und Zukunft aussehen könnte bzw. sollte, demonstriert Pluradent in Kassel. Als einer der führenden Dental-Fachhändler in Deutschland beliefert das Unternehmen Zahnärzte, Zahnkliniken und Dentallabore mit Materialien, Einrichtungen sowie Zähnen und bietet ein umfangreiches Spektrum an dazugehörigen Service- und Dienstleistungen an. Insofern handelt es sich bei der hier dargestellten »Praxis« um eine Art Showroom für die Branche. Die Beleuchtungslösung orientiert sich dabei an realistischen Möglichkeiten und zeigt eine gewisse Vielfalt hinsichtlich der Gestaltung. Bewusst wird hier auf spielerische Komponenten verzichtet, sondern von der Lichtwirkung her mit klassischen Leuchten in unterschiedlichen Formen gearbeitet.

Grundsätze zur Beleuchtung

Der leidige Gang zum Zahnarzt stellt für beinahe jeden Patienten eine eher angespannte Situation dar. Nur selten verläuft die Behandlung so schmerzfrei wie erhofft. Erstaunlich allerdings ist, dass auch die innere Einstellung des Patienten großen Einfluss darauf hat, als wie unangenehm die Behandlung dann tatsächlich empfunden wird. In diesem Zusammenhang spielt unter anderem das Ambiente der Praxisräume eine wichtige Rolle. Ein angenehmes Umfeld kann helfen, Ängste zu reduzieren und beim Entspannen unterstützen. Um so eine Umgebung zu schaffen, sind wohnliche Einrichtungsgegenstände und Dekorationsobjekte ein oft gewähltes Mittel. Eine ganz wichtige Rolle spielt aber natürlich auch die Wahl der richtigen Beleuchtung.

Der Empfang

Der erste Kontakt erfolgt wie so oft am Empfang und ist entscheidend für den ersten Eindruck und die sich festigenden Gefühle hinsichtlich Vertrauen oder Unbehagen. Deshalb sollte dieser Bereich großzügig, offen und hell gestaltet sein. Ein hoher Tageslichtanteil ist zwar wünschenswert, doch nicht immer gegeben, so dass die Beleuchtung hier in Bezug auf die Lichtfarbe und Helligkeit positiven Einfluss nehmen sollte. In der Pluradent-Praxis besteht die Lichtlösung aus drei Elementen: Deckeneinbauspots, Pendel- und Deckenanbauleuchten. Während die Spots in Kombination mit den Deckenleuchten für die notwendige Grundbeleuchtung sorgen, übernimmt die extravagante Pendelleuchte über der Theke die Aufgabe einer klassischen Bildschirmarbeitsplatzleuchte, ohne dabei einen zu technischen oder gar kühlen Eindruck zu hinterlassen. Die organische Form lockert das Ambiente freundlich auf und die warme Lichtfarbe sorgt für einen wohnlichen Akzent, ohne die eigentlichen Sehaufgaben zu vernachlässigen.

Das Wartezimmer

Die Zeit des Wartens in einer Zahnarztpraxis wird von vielen Patienten als eine der schlimmsten Sequenzen des Besuches beschrieben, da sich hier die Gedanken auf die anstehende Behandlung konzentrieren und das Gehirn alle möglichen Eventualitäten vorab durchspielt. Es gilt also an dieser Stelle möglichst abzulenken und das Bevorstehende auszublenden. Angebotene Zeitschriften mögen zwar eventuell dabei helfen, wichtiger ist jedoch eine wohnraumähnliche Umgebung, in der es dem Patienten wenigstens ermöglicht wird zu entspannen. Dabei sind die Farbwelt, die Formen der Innenarchitektur und die Beleuchtung signifikante Aspekte. Nach der Norm sind für den Bereich zwar nur 200 lx Beleuchtungsstärke vorgeschrieben, für eventuelles Lesen werden allerdings schon 300 lx benötigt. In der Beispielpraxis von Pluradent wurde eine Wartelounge präsentiert, die die Patienten sowohl visuell als auch akustisch von dem allgemeinen Treiben in der Praxis abschotten soll. Eine voluminöse und mit weicher Lichtcharakteristik ausgestattete Pendelleuchte sorgt für ein ausreichendes und homogenes Lichtbild. Eine solche Insellösung verstärkt den offenen Charakter einer Praxis und schafft so Vertrauen und klare Strukturen. Gewiss wird dies nicht jedem Angstpatienten seine Sorgen nehmen, aber es kann unterbewusst die Anspannung reduzieren.

Die LED-Pendelleuchte »Beam me up« verfügt über eine rückversetzte Optik und einen dekorativen Reflektorring, der ein warmes und angenehmes Licht abgibt. Lightnet

Der Behandlungsraum

Prinzipiell wäre es wünschenswert, wenn sich der Behandlungsraum an einer vertrauten Umgebung orientiert, also einen wohnlichen Charakter hätte. Dies ist jedoch aufgrund der notwendigen medizinischen Arbeiten und der damit einhergehenden Hygienevorschriften nur schlecht zu realisieren. Demnach besteht der Kompromiss aus Farbakzenten, Dekorationsobjekten und einer angenehmen aber ausreichend hellen Lichtlösung (1.000 lx auf den Untersuchungsflächen) durch geometrisch auffallende Leuchten. Diese sollten den Patienten während der Behandlung nicht blenden, dürfen aber durchaus in der liegenden Position einen positiven visuellen Reiz auslösen. Die Randflächen des Raumes, die meist mit Arbeitsflächen versehen sind, benötigen für den sicheren Umgang mit den teils sensiblen Materialien, Medikamenten und Instrumenten eine zusätzliche Lichtquelle, die bei Pluradent in Form eines lichtstarken rundumlaufenden Profils realisiert wurde. Dieses sorgt in Kombination mit einer separaten Unterschrankbeleuchtung auch in diesen Bereichen für das notwendige Beleuchtungsniveau. Die erforderlichen 5.000 lx in der Mundhöhle der Patienten werden dann über schwenkbare Spezialleuchten am Behandlungsstuhl erreicht.

Die Arbeitsflächen im Behandlungszimmer werden von einem umlaufenden LED-Profil und einer entsprechenden Unterschrankbeleuchtung ausgeleuchtet. Lightnet
Der Leuchtenkörper der Pendelleuchte »Caleo« besteht aus einem Aluminium-Strangpress-Profil und hat sowohl direkte, als auch indirekte Lichtanteile. Lightnet

Weitere Informationen:

Bauherr: Pluradent AG & Co KG, Offenbach, www.pluradent.de

Lichtplanung: Jens Laser,Hell und Dunkel, Fuldabrück, www.hellunddunkel.com, Thomas Fischmann, ETF Elektrotechnik, Kassel

Installation: Thomas Fischmann, ETF Elektrotechnik, Kassel, www.etf-ks.de(im Aufbau)

Leuchten, Vertrieb: Lightnet GmbH, Köln, www.lightnet-group.com

Fotos: Lightnet GmbH

Text: Alexander Schwarz, Niederwalgern, www.schwarzlichtfotografie.de

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 4 | 2019

Erschienen am 24. Mai 2019