Planung
Licht 3 | 2019

Alles auf Aussicht

Das Fünf-Sterne-Superior Bürgenstock Hotel & Alpine Spa

Fünfhundert Meter über dem Vierwaldstätter See präsentiert sich das Fünf-Sterne-Superior Hotel Bürgenstock mit einer grandiosen Aussicht. Für einen ungetrübten Blick durch die großen Panoramascheiben durfte sich das Licht darauf keinesfalls spiegeln. Daher realisierten die Lichtplaner ein Konzept, das immer gedämpft genug ist, den Blick angenehm und ungestört in die Ferne schweifen zu lassen.

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Auf dem Grat des Bürgenberges 500 Meter über dem Vierwaldstättersee behauptet sich das neue Fünf-Sterne-Superior-Hotel Bürgenstock von Rüssli Architekten als Mittelpunkt des gleichnamigen legendären Ressorts, dessen Grundstein bereits 1871 gelegt worden war. Zwei Jahre später wurde das Grand Hotel gebaut und im Laufe der Jahrzehnte sollten weitere Hotels und andere Gästeunterkünfte folgen, die sich in alpiner Luft auf dem 1,6 Kilometer langen Areal ausdehnen. Auch eine Standseilbahn, ein imposanter Felsenweg und der Hammetschwand-Lift ließen nicht lange auf sich warten. Von den Besuchen illustrer internationaler Gäste geadelt, sollte das Bürgenstock Resort Lake Lucerne dennoch eine wechselvolle Geschichte erfahren, bis die Hotels 2006 geschlossen wurden und das Ressort 2008 als Teil der Bürgenstock Selection in den Besitz von Investoren aus Katar gelangte.

Die bereits zuvor erwähnte Höhe, in der sich der 2017 fertiggestellte fünf- bis siebengeschossige Neubau zweiflügelig versetzt auf der Hangkante über dem See erhebt, entspricht der eines modernen Hotel-Hochhauses in Weltstädten wie Tokyo oder Shanghai. Die Aussicht, indes, ist hier ungemein vielseitiger. Dies haben Rüssli Architekten für ihren Entwurf zu nutzen verstanden, als sie die Gebäudeflügel nach Luzern mit Blick auf den See und die Alpen ausrichteten. Gewiss hat das Superior-Hotel mit eigenem Kino, Themen-Restaurants, Weinlounges, benachbartem Alpine Spa – dem größten in Europa – und vielem mehr genug Extravagantes zu bieten, das auch heute wieder betuchte Menschen aus aller Welt anzieht. Doch zweifelsohne ist es die grandiose Aussicht, die das Haus so einmalig macht. Das haben auch die Lichtplaner von Sektor4 verinnerlicht und ein Beleuchtungskonzept realisiert, das immer gedämpft genug ist, den Blick aus dem Innenraum des in drei Himmelsrichtungen transparenten Hauses komfortabel in die Ferne schweifen zu lassen. Hierfür wurden innen wie außen Leuchten von iGuzzini ausgewählt, darunter die miniaturisierten »Laser Blade«- und die kleinen »Laser«-Downlights. Auch diese gestalterische Zurückhaltung war eine bewusste Entscheidung der Planer, die der Opulenz im Innenraum des außen eher nüchtern und betont ruhig wirkenden Gebäudes nichts hinzufügen wollten.

Ungetrübter Blick durch die Panoramascheiben

Einer der wichtigsten Knotenpunkte im Ressort ist die Lobby, in der Tagesgäste und die ankommenden Hotelgäste des Bürgenstock wie auch des benachbarten Traditionshotels Palace aufeinandertreffen. Tagsüber wird die Lichtatmosphäre durch das Tageslicht bestimmt, mit dem die durch die sechs Meter hohen Panoramascheiben unterhalb im Split-Level Richtung Norden gelegene Lakeview Bar & Cigar Lounge geflutet wird. Das Kunstlicht trägt diese bereits helle Stimmung mit »Laser«-Downlights weiter. Mit Abnahme des Tageslichts gegen Abend verlagert sich auch die Kunstlicht-Gewichtung. Dazu haben die Planer die Raumbereiche Welcome-Desks, Raummitte mit Kamin sowie die Ein- und Ausgänge hierarchisch strukturiert. Der Ankunftsbereich genießt Priorität, denn der Gast soll direkt beim Eintreten intuitiv die Richtung erkennen können, in die er sich bewegen muss. Wenn der Hotelbetrieb mit zunehmender Stunde ruhiger wird und nur noch wenige Gäste einchecken, zeigt sich die Allgemeinbeleuchtung stufenweise gedämpfter und der Lichtkranz über dem Kamin erlischt komplett. Dann tritt diese 24 Stunden lang mit Holz befeuerte Wärmequelle in den Vordergrund und über die Lobby legt sich eine ruhige und private Atmosphäre, die der Stimmung in der Lakeview Bar & Cigar Lounge gleicht. Dort sind die Raumgrenzen inzwischen in ihrer Helligkeit stark abgesenkt, um jedwede Spiegelung in der Fensterfront zu vermeiden. So kann der Gast auch am Abend das wunderbare Panorama mit Blick über den Vierwaldstättersee auf die Lichter von Luzern genießen.

Zimmer mit Fernsicht

Auf seinen Geschossen lädt das Hotel Bürgenstock seine Gäste mit 102 Suiten zu einem unvergesslichen Aufenthalt ein, denn auch die Zimmer bieten atemberaubende Blicke auf den See. Auskragende Panorama-Fenster sind als Sitznischen konzipiert, die zum Betrachten der Landschaft oder zum gemütlichen Verweilen oder Lesen einladen. Kleine, eng strahlende »Laser Blade«-Downlights, die in die Holzoberflächen der oberen »Kojen«-Abschlüsse integriert sind, unterstützen die intime ruhige Situation und spenden gleichzeitig gutes Leselicht. Die Lichtquellen sind so weit in die Leuchten zurückversetzt, dass störende Spiegelungen im Fenster ausgeschlossen sind. Auch der restliche Raum und das Bad sind mit »Laser«-Downlights von iGuzzini beleuchtet.

Augenschmaus

In dem wiederum Richtung Norden weit auskragenden Gebäudeteil des Restaurant Spices Kitchen & Terrace – eines von insgesamt 10 Restaurants und Bars des Ressort – fokussierten sich die Lichtplaner auf die Aussicht und die Speisen. In der raumhohen Verglasung gibt es keinerlei Spiegelungen, die den Blick nach draußen trüben könnten. Denn alle vertikalen Bauelemente wie Wandflächen und Säulen liegen im Schatten. Das Licht aus den Decken-Downlights ist präzise auf die Tische und die Service-Inseln an der Bar der Showküche ausgerichtet. An den aus der Dunkelheit »herausgeschnittenen« Tischen etabliert sich eine sehr private Atmosphäre. Gleichzeitig akzentuiert die präzise Beleuchtung die Speisen und Getränke und betont deren Frische mit einer Inszenierung der Farben und Texturen.
In der Showküche, die als Raum in den Hintergrund tritt, werden panasiatische Köstlichkeiten vor den Augen der Gäste frisch zubereitet und – mit zarten Blüten in passenden Farbtönen angerichtet – sofort serviert. Das Licht an den Kochstationen unterstützt den Augenschmaus, den die Gäste an der Bar währenddessen erleben, und der Rhythmus von hellen Arbeitsflächen und dunkleren Zwischenräumen inszeniert die exakte Arbeit der zahlreichen Köche. Die im Verhältnis zum Gastraum leicht kühlere Farbtemperatur (3000 K zu 2700 K) ermöglicht den Köchen eine bessere Wahrnehmung der Farbtöne – was durch den hohen Farbwiedergabewert der Downlights unterstützt wird – und schafft unauffällig einen feinen Kontrast zu ersterem.

Glühende »Schmuckschatullen« an der Südfassade

Vor der Lobby befindet sich eine von den beiden Gebäudeflügeln ausgebildete Piazza, über die der Zutritt zur Bürgenstock Bahn, der neuen Standseilbahn, welche die alte aus dem Jahr 1988 nach historischem Vorbild ersetzt, zum Haupteingang des Hotels und zu den Boutiquen erfolgt. Hier finden im Sommer Veranstaltungen und Open-Air-Kinovorführungen statt, welche die Hotelgäste aus den in die Südfassade des Westflügels integrierten, mit Holz verkleideten Vip-Lounges erleben können. Auch hier galt es, zugunsten des Sehkomforts, blendungsreduziertes und gedämpftes Licht einzusetzen. Dies gelang den Planern mit einer sanften Beleuchtung der Rückwand mit der Effektleuchte »Trick« und mit in die Lounge-Decke integrierten »Laser Blade«-Downlights. Ihr von dem hellen Boden reflektierter Lichtwurf erhellt die Decke der Lounges mit etwa der gleichen Leuchtdichte, die sich an der Rückwand zeigt. Die Sicht auf die Piazza ist völlig ungestört und für die auf der Piazza selbst Verweilenden bietet sich eine wunderschöne Ansicht der Muschelkalkfassade mit ihren freundlich glühenden »Schmuckschatullen.«

Weitere Informationen:

Bauherr: Bürgenstock Selection, Katara Hospitality Switzerland AG, Zug (CH), Bruno Schöpfer – Managing Director

Architekt: Rüssli Architekten AG, Luzern (CH), www.ruessli.ch Lichtplanung: SEKTOR4 GmbH, Zürich (CH), www.sektor4.ch

Leuchten: iGuzzini, Recanati (I), www.iguzzini.com

Fotos: iGuzzini

Text: Petra Lasar, freie Redakteurin, Rösrath

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 3 | 2019

Erschienen am 25. April 2019